14-Jähriger stolz auf deutsche Säbelfechter

Kronberger Fechter-Talent mit der feinen Klinge

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Eines der größten deutschen Talente im Säbelfechten: Der 14-jährige Leon Hepp.

Kronberg – Natürlich hat Leon Hepp bei der Fußball-WM mit gezittert. Mindestens genauso dürfte den 14-jährigen Kronberger auch ein Coup seiner Vorbilder gefreut haben: Die WM-Goldmedaille der deutschen Säbelfechter.

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Hepp zählt zu den größten Fecht-Talenten in der Republik. Mit acht Jahren stand er erstmals auf der Planche. Bereits die vierte Turnier-Teilnahme brachte den Hessenmeistertitel. Vier weitere sollten bis heute folgen. Zudem holte sich der Schüler im Vorjahr die deutsche Vizemeisterschaft und kürzlich den dritten Platz bei den Titelkämpfen im Herrenflorett der B-Jugend. Lange führte Hepp die hessische Rangliste seines Jahrgangs an, ehe er in die höhere Altersklasse (A-Jugend) wechselte und hier Rang vier belegt. „Es ging alles relativ schnell“, blickt das Talent zurück, „aber es hat mir gezeigt, dass meine Wahl richtig war.“ Die Entscheidung für den Fechtsport und nicht für eine der Ballsportarten. Was ihn am Duell mit der Klinge besonders reizt? „Fechten ist Kopfsache und es zählt nicht nur die Kraft.“ Konzentrationsfähigkeit und taktisches Verständnis sind gefragt und können die körperliche Unterlegenheit ausbügeln. Fechten gelernt hat Hepp bei der SKG Oberhöchstadt. Mittlerweile trainiert das Talent bei der TG Dörnigheim, dem Florettzentrum des Hessischen Fechtsports. Hier arbeitet er akribisch an seiner „feinen Klinge“. Diese ist beim Florett maximal 90 Zentimeter lang und verfügt über eine federnd gelagerte Spitze in einer Hülse, die bei einem Stoß ab bestimmter Krafteinwirkung eine Trefferanzeige auslöst. Trefferfläche beim Florett ist der Rumpf, ohne Arme, Kopf und Beine. Es gilt das Treffervorrecht: Derjenige, der beginnt, kann einen gültigen Treffer setzen. Wenn beide Fechter gleichzeitig stoßen und treffen, entscheidet der Obmann. Und wo das menschliche Auge entscheidet, sind Fehlurteile nicht auszuschließen.

Ziel: Top 16 bei den deutschen Meisterschaften

Diese Erfahrung musste kürzlich auch der sonst so nervenstarke Hepp machen und ließ sich davon aus der Bahn werfen. Im Halbfinal-Duell der deutschen Meisterschaft mit Nils Michael Schramm (OFC Bonn) erhielt der Kronberger neben einer Verwarnung gleich vier Rote Karten. Beim Fechten bedeutet das jeweils einen Straftreffer. Den Ausschluss vom Wettkampf zieht eine Schwarze Karte nach sich. Dass Leon Hepp Rot sah, war für ihn eine neue Erfahrung. Die Entscheidungen des Unparteiischen brachten ihn aus dem Konzept und das Duell ging mit 3:10 verloren. „Für Leon war das ein Schock, gleichzeitig auch eine lehrreiche Erfahrung“, sagt Konrad Hepp. Aufbauarbeit für seinen Sohn musste er nicht leisten. „Leon hat eine starke Persönlichkeit, er kann mit den Dingen alleine umgehen.“ Leon selbst nimmt’s gelassen, sieht den Vorfall mehr als Beleg für den Einsatz des Video-Beweises. Der wird im Fechten aber nur bei Großereignissen angeboten. „Natürlich ist das im Jugendbereich unrealistisch, würde aber für mehr Gerechtigkeit sorgen“, ist Hepp überzeugt. Für sein junges Alter wirkt er klar und zielstrebig. Bei den nächsten deutschen Meisterschaften im Sommer peilt er eine Platzierung unter den Top 16 an. Eine Karriere als Berufssportler kommt für ihn trotz aller Erfolge nicht in Frage. „Da studiere ich lieber und werde Jurist“, sagt er. Auch da ist ein kühler Kopf gefragt. zin

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