Fußball-Lehrer leistet Pionierarbeit im WM-Land

Er lehrt den Südafrikanern das menschliche Fußballspielen

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Als Fußball-Lehrer hat Sascha Bauer sein Herz für die kleinen Kicker entdeckt. Statt Regionalligakicker trainiert er trotz A-Lizenz lieber die D-Jugend beim KSV Klein-Karben und im Juli südafrikanische Lehrer.

Frankfurt – Seine Leidenschaft ist Fußball. Sein Herz schlägt für Afrika. Seine Vision: Fußball für eine weltweite Vereinigung einsetzen. Unter diesem Namen gründete Sascha Bauer den Verein „Football For Worldwide Unity“. Heute fliegt er nach Südafrika, um erneut Lehrern die Kunst des Fußball-Lehrens beizubringen. Von Andreas Einbock

Aufmerksam hören die Elf- bis 13-Jährigen seinen Anweisungen auf dem Rasen zu. Dabei vermittelt Sascha Bauer sein Fachwissen den Mini-Kickern in Klein-Karben keineswegs wie ein Fußball-Diktator. „Respekt erarbeitet man sich durch Leistung und Wissen, nicht durch Lautstärke und Siezen“, beschreibt der 30-Jährige seine Philosophie. Die beeindruckte 2003 den FSV Frankfurt und zwei Jahre später die Eintracht, für die er jeweils die F-Jugend trainierte und für die Talentsichtung verantwortlich war. „In der Zeit habe ich Blut geleckt und meinen Job in einem Großkundenvertrieb aufgegeben“, sagt der gebürtige Schönecker, der damals alle Trainerscheine bis zur A-Lizenz erwarb und eine Möglichkeit bekam, seine Liebe zum schwarzen Kontinent zu verstärken.

Fußballwissen vermitteln statt Bälle abgeben

„Das internationale Fußballprojekt Yess suchte erfahrene Dozenten zur Trainerausbildung in der Provinz Mpumalanga. Da ich da unbedingt hinwollte und hartnäckig blieb, bekam ich den Job und verließ die Eintracht“, erinnert sich Bauer. Im Juli 2008 startete seine erste Südafrika-Mission im WM-Spielort Nelspruit. In Wochenendkursen bildete er über drei Monate mit einem südafrikanischen Dozenten 30 bis 40 Schullehrer aus. „Wir mussten erst mal erklären, dass wir keine Bälle und Trainingsanzüge bringen, sondern Wissen vermitteln“, erinnert sich Bauer an die Anfangsprobleme.

Pionierarbeit im WM-Ort Nelspruit: Sascha Bauer erklärt einem Lehrer, wie Fußball vermittelt wird.

Die waren 2009 verschwunden: „Das war ein super Prozess. Denn in den fünf Monaten haben wir in den Schulen und Vereinen nachgeschaut, was draus geworden ist“, so Bauer, der auch Swasiland, Lesotho, Mosambik und Kapstadt bereiste. In Südafrikas zweiter Hauptstadt entdeckte er die GCU-Akademie eines Südafrikaners. „Mario van Niekerk ist genauso fußballverrückt wie ich und hat den Traum, Kindern mit Fußball Werte zu vermitteln“, beschreibt Bauer seine Motivation für den Einsatz in Kapstadt und Heideveld. Dort wollen 300 Jungen und Mädchen das Kicken lernen, aber keinen richtigen Trainer haben. Genau das will Bauer ändern. Mit Freunden gründete er im März den Verein „Football For Worldwide Unity“, um Sponsoren für Lehrmaterialien, Verpflegung und Unterrichtsräume zu gewinnen. Erst am Dienstag kam mit der Deutschen Olympischen Gesellschaft ein weiterer Partner dazu.

Erst WM-Spiele schauen, dann Lehrer ausbilden

„Da der südafrikanische Fußballverband die Ausbildung verschlafen hat, bilde ich nun sieben Jungs zu Trainern aus und setze auf den Multiplikatoreffekt“, so Bauer, der am liebsten als Fußball-Entwicklungshelfer durch die Welt reisen will. Bevor es losgeht, schaut er sich einige WM-Spiele vor Ort an. „Nach dem Achtelfinale am 29. Juni in Kapstadt lege ich los“, so der Fußball-Lehrer.

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