Extremsport auf einem Rad

Auf nur einem Reifen den Berg herunter

+
Mitten in den Dolomiten: Stephanie Dietze und Lutz Eichholz bei ihrer nicht alltäglichen Abfahrt im Hochgebirge.

Berlin/Rodgau – Stephanie Dietze mag die Berge. 2010 war sie auf der Zugspitze, 2011 überquerte sie die Alpen, 2012 war die 26-Jährige auf einem 3000er in den Dolomiten und in diesem Jahr soll es in den Pyrenäen gehen. Nicht auf Schusters Rappen, sondern auf dem Einrad. Von Norman Körtge

Die Bergwanderer, die Stephanie Dietze begegnet sind, werden es in bleibender Erinnerung behalten. So häufig kommt ihnen im Gebirge kein Einradfahrer entgegen. „Die meisten finden es toll, dass wir das machen“, erzählt sie. Lebensmüde ist Dietze auf den Bergabfahrten nicht. „Wenn es zu heikel wird, dann steige ich ab“, erzählt die Wahl-Berlinerin, die bei einem Start-up-Unternehmen in der IT-Branche arbeitet, von ihren Einrad-Hochgebirgstouren. Aber die in Rodgau aufgewachsene 26-Jährige liebt das Abenteuer und die Herausforderung: „Es ist eine junge Sportart. Hier kann man Sachen ausprobieren, lassen sich noch Grenzen verschieben.“

Mit Einrad über Gebirgspfade

Dass es möglich ist, mit einem Einrad – auf dem sich die meisten schon glücklich schätzen, wenn sie ein paar Meter auf einer flachen und asphaltierten Straße sturzfrei zurückzulegen – über steile, unebene Gebirgspfade zu fahren, hat Dietze bereits bewiesen. Meist zusammen mit Lutz Eichholz, einem der Aushängeschilder der alpinen Einradszene. „Ich fahre ja auch schon ein paar Jahre Einrad“, untertreibt Dietze fast ein wenig ihre Gleichgewichtsleistung.

Zusammen mit einer Freundin hatte sie als Grundschülerin einen Einrad-Workshop besucht – und seit dem hat sie davon nicht mehr lassen können. Als Mitglied der Einradabteilung des TSV Dudenhofen perfektionierte sie ihr Können immer weiter. In ihrer Altersklasse wurde sie zweimal Weltmeisterin in der Disziplin Paar Freestyle: 2002 in Seattle mit Melanie Dubberstein und 2006 in Langenthal (Schweiz) mit Janina Messinger. „Freestyle ist wie Eiskunstlauf. Nur auf dem Einrad“, beschreibt sie die Sportart.

Pyrenäen sind das nächste Ziel

Lesen Sie auch:

Einradblitze brauchen keine Stütze

Auf einem Rad zur Meisterschaft

Hockey auf dem Einrad

Schon damals kam sie viel in der Welt rum. Aber: „Auf dem Einrad habe ich die Turnhallen nur von innen gesehen. Ich wollte raus“, erzählt sie. Und sie ist nicht nur raus, sondern vor allem in Höhe gekommen. Das ganze geht natürlich nicht ohne Training. Bis zu viermal in der Woche schnappt sie sich ihr Einrad, fährt raus aus Berlin und ist dann schon mal drei bis vier Stunden im Gelände unterwegs. Dann wird über Wurzeln, Schotter und andere kleinen Hindernisse gefahren. Neben dem Gleichgewichtssinn gilt es vor allem die Oberschenkel zu trainieren. Die schmerzen nach einer Gebirgsfahrt ebenso wie die stabilisierende Hand am Sattel.

In diesen Jahr ist eine Tour in den Pyrenäen geplant. Aber auch das wird nur ein Vorgeplänkel sein. 2014 will Dietze zusammen mit Eichholz von einem 5000 Meter hohen Berg in Peru hinunterfahren. Die Planungen dafür laufen. So oder so wird die gebürtige Rodgauerin nächstes Jahr über den Atlantik fliegen. Im kanadischen Montreal finden die Einrad-WM statt. Dort will sie auf jeden Fall dabei sein. Einen Traum wird sie sich erfüllen, wenn sie schon einmal in Nordamerika ist: Die in der Szene berühmten Mointainbike-Trails mit dem Einrad abfahren.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare