Vom Sportmuffel zum Triathleten

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Der 71-jährige Walter Lehr ist zum zweiten Mal beim Ironman in Frankfurt dabei. Fotos(2): jule

Region Rhein-Main – Als Jugendlicher war Walter Lehr nicht sonderlich sportbegeistert. Als Berufstätiger schwang er ab und zu den Tennisschläger. Doch seit einigen Jahren ist Lehr kaum zu stoppen. Nächste Woche ist er zum zweiten Mal beim Ironman Frankfurt dabei – im Alter von 71 Jahren. Von Julia Renner

70 Jahre war Lehr alt, als er zum ersten Mal beim Frankfurter Ironman an den Start ging. Die Begeisterung fürs Laufen, Schwimmen und Radfahren begann jedoch schon etwas früher: Mit Walter Lehrs Ausstieg aus dem Berufsleben.

40 Jahre arbeitete er als Maschinenbauingenieur. Mit dem Eintritt in die Rente machte er sich auf die Suche nach neuen Beschäftigungsfeldern. „Ich war als Helfer bei der Fußball-Weltmeisterschaft, beim Frankfurt Marathon und eben auch beim Ironman“, erzählt er. Die Begeisterung für die Triathleten war groß. „Ich bekam immer eine Gänsehaut, wenn ich die Triathleten gesehen habe.“

2005 fing er schließlich an zu laufen. Zwei Jahre später dann der erste Marathon – in New York. Es folgten unzählige weitere, unter anderem in Berlin und London. Irgendwann kamen die Ironman-Wettbewerbe hinzu. Nicht nur in Frankfurt und Zürich ist Lehr bislang an den Start gegangen. Im vergangenen Jahr war er sogar beim legendären Ironman auf Hawaii dabei. „Das war traumhaft“, sagt er.

Mit Bammel und Respekt an den Start

In diesem Jahr wird der Lämmerspieler noch bei der Ironman-WM in der Halbdistanz in Las Vegas dabei sein. Dafür hat sich der 71-Jährige in Österreich qualifiziert. Jetzt steht allerdings erstmal der Ironman in Frankfurt an. Angepeilt hat Lehr, weniger als 14 Stunden zu brauchen. „Aber das oberste Gebot ist, durchzukommen.“ 3,8 Kilometer Schwimmen, 42 Kilometer Laufen und 180 Kilometer Radfahren hat Walter Lehr vor sich. „Ich habe vorher immer wieder einen riesen Bammel, Hochachtung und Respekt. Man weiß nie, ob man es schafft.“

An der Wand im Hausflur reihen sich Preise und Fotos aneinander.

Trainiert hat der 71-Jährige jedenfalls genug. An sechs Tagen pro Woche stehen mindestens zwei Stunden Sport auf dem Programm, manchmal auch sieben. Dass er in seinem Alter noch so extrem Sport macht, habe der Familie anfangs sicher Sorgen gemacht. Dass er auf seine Gesundheit achten muss, weiß Lehr. Jedes halbe Jahr gehe er zur Kontrolle. Ergebnis: Der Rentner ist topfit.

Ans Aufhören denkt er trotzdem. Ende des Jahres, so hat er es geplant, will er nicht mehr so viele Wettbewerbe mitmachen. Das Training wird er aber auf jeden Fall beibehalten, betont er. Und eigentlich gibt es noch zwei Marathon-Läufe, die er unbedingt machen möchte: In Chicago und Boston. Mit New York, London und Berlin habe er dann die fünf großen Läufe absolviert.„Aber man vergisst manchmal schnell, dass man älter wird“, sagt Lehr und lacht.

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