Judoka der HTG auf Erfolgskurs

Die richtigen Schrauben gestellt

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Rebecca Regnery (links) von der HTG setzt den Armhebel an.

Bad Homburg – In der Vergangenheit stand für die HTG Bad Homburg eher der Breitensport im Mittelpunkt. Jetzt drängt es die Kurstädter auch in die Spitze. Bestes Beispiel ist die Judo-Abteilung.

Die Damen haben den Aufstieg in die Zweite Bundesliga geschafft, die Männer wollen nachlegen. Und vielleicht steht zum Saisonstart sogar eine künftige Olympia-Teilnehmerin für die HTG auf der Matte. Wenn bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro die Judoka um Medaillen kämpfen, könnte eine Athletin der HTG Bad Homburg mittendrin statt nur dabei sein. Soraya Bernstein, 15 Jahre alt, zählt zu den hoffnungsvollsten Talenten ihres Jahrgangs und hat die Olympia-Teilnahme als großes Ziel ausgegeben. Die amtierende Jugendeuropameisterin, gerade einmal 48 Kilogramm schwer, geht ab diesem Jahr für die Kurstädter auf die Matte. Ein Coup, der die Verantwortlichen stolz macht.

Mit guten Trainingsbedingungen überzeugt

Das U17-Team bei den Deutschen Mannschafts-Meisterschaften in München.

Doch wie war es möglich, eine so ambitionierte Sportlerin für die HTG zu gewinnen? „Wir haben sie mit unseren guten Trainingsbedingungen überzeugt“, erklärt Jugendwart Andreas Frost. Rund 300 Mitglieder umfasst die Judo-Abteilung, darunter etwa 200 Jugendliche. Der „große motivierte Trainerstab“ mit einem Dutzend Übungsleiter deckt alle Altersklassen ab – von den Minis bis zu den Senioren. „Unser Anspruch ist es, Wettkampf- wie Hobbysportlern eine Basis zu bieten“, sagt Frost. Doch auch die besten Bedingungen bewahren die Judoka nicht vor einer hohen Fluktuation. Neben den koordinativen Fähigkeiten brauche man gerade als Judoka eine hohe Frustrationstoleranz. „Du bist Einzelkämpfer und kannst dich nicht einfach hinter dem Team verstecken“, sagt Frost, der selbst viele Jahre auf der Matte stand. Um der Abbrecher-Quote im Jugendbereich entgegen zu wirken, schafft der Verein neue Strukturen und dreht an verschiedenen Stellschrauben.

Sponsorenpool soll aufgebaut werden

Priorität hat die sportliche Perspektive: So finden die Athleten ein breites Spektrum an Übungsmöglichkeiten vor – auf und abseits der Matte. Zudem haben sie die Möglichkeit, sich mit den besten Judoka ihrer Altersklasse zu messen. Die U14 ist auf Gruppenebene aktiv, die U18 kämpft um den Anschluss an die deutsche Spitze. Dieses Ziel hat die weibliche U17 bereits erreicht. Im Vorjahr holten die Mädels in einer Kampfgemeinschaft mit Pfungstadt den Südwesttitel und belegten den fünften Platz bei den Deutschen Meisterschaften. Noch erfolgreicher verlief das Jahr 2010 für die HTG-Talente. Sie räumten bei den Mannschaftsmeisterschaften alle vier Titel ab und qualifizierten sich zweifach für die nationalen Titelkämpfe. „So etwas passiert wohl in 100 Jahren nicht mehr“, sagt Frost schmunzelnd. Die HTG setzt verstärkt auf den Unterbau, wohl wissend, dass es keine Alternativen gibt. „Judo ist kein Profisport“, betont Frost. Nur wenige Vereine können es sich leisten, Athleten von außerhalb zu finanzieren. Mehr als eine Aufwandsentschädigung sei vielerorts nicht drin. Die Homburger versuchen daher, ihren Sponsorenpool aufzubauen.

Damenschaft mit Aufstieg in Zweite Bundesliga für Furore gesorgt

Auch aus sportlicher Sicht soll die Entwicklung voranschreiten. Die Damen-Mannschaft hat mit dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga für Furore gesorgt. Das gleiche Ziel verfolgen die Regionalliga-Männer in dieser Saison. Auch in der Ober- und Landesliga ist die HTG vertreten. Wäre da ja noch die Olympiateilnehmerin von morgen. Wenn es die Zeit zulässt, wird Soraya Bernstein das Damen-Team im Kampf um den Klassenerhalt unterstützen. Vielleicht ja schon ein kleiner Vorgeschmack auf Rio 2016. zin

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