Rich Chernomaz löst Tim Kehler ab

Saisonbilanz: Löwen Frankfurt fehlt die Konstanz und die Cleverness

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Vor dem Tor fehlt es den Löwen an Kaltschnäuzigkeit: Frankfurts Brett Breitkreuz wird von Josef Staltmayr (links) und Ilya Sharipov vom SC Riessersee abgeblockt.

Frankfurt - Mit vier Partien binnen sieben Tagen geht für den Eishockey-Zweitligisten Löwen Frankfurt das Sportjahr 2015 zu Ende, für den EXTRATIPP Gelegenheit nach gut der Hälfte der Saison eine Zwischenbilanz zu ziehen. Von Uwe Lange

Das aktuelle Tabellenbild spiegelt die Saison-Prognosen der Experten wider, denn Vizemeister Bremerhaven liegt knapp vor Champion Bietigheim sowie den Mitfavoriten aus Kassel, Ravensburg und Frankfurt. Das Team von Coach Tim Kehler mischte vom ersten Spieltag kräftig mit, belegte zwischenzeitlich sogar kurz den Platz an der Sonne, befindet sich aktuell auf Rang vier (Stand 22.12.) des Klassements und in Lauerstellung zur Spitze.

Spielerische Defizite trotz Verstärkungen

Zahlenmäßig eine gelungene Bilanz, die mehr Punkte als zur Vorsaison aufweist, aber eben auch völlig unnötige Niederlagen nach klaren Führungen gegen Teams aus der hinteren Region aufweist. Getroffen hat die Fans vor allem, dass von den bislang vier auswärts gespielten Derbies gegen Kassel und Bad Nauheim nur eines gewonnen wurde. Schuld daran ist auch die eklatante Abschlussschwäche der Löwen, die zwar pausenlos das gegnerische Tor berennen, dabei oft vergessen, mit Aussicht auf Erfolg abzuschließen, das berühmte Scheunentor dann nicht treffen. Das führt besonders in engen Spielen gegen die Topteams der Liga dazu, zwar optisch auf Augenhöhe zu agieren aber die Punkte beim Gegner zu belassen. Um zu diesen Spitzenclubs zu gehören, fehlt es den Frankfurtern einerseits noch an Konstanz und Cleverness, andererseits weist der Kader trotz der namhaften Verstärkungen des Sommers spielerische Defizite auf.

All dies gipfelte drei Tage vor Heiligabend in der Beurlaubung des akribischen Arbeiters Kehler, gegen den auch von Seiten des Löwen-Geschäftsführers Stefan Krämer offen Position bezogen wurde: „Mit solchen Leistungen spielen wir uns die Zuschauer aus der Halle“ ließ der Langener nach einer Niederlagenserie die Öffentlichkeit wissen, was nicht eben unbedingt zu einem Besuch der Eissporthalle animiert und seinen Trainer an den Pranger stellte.

Leadership-Qualitäten im Team werden vermisst

Kehler wird von seinem Landsmann und Sportdirektor Rich Chernomaz abgelöst, dem das erwartungsvolle Umfeld am Main aufgrund seiner positiven Lions-Vergangenheit und dem Meistertitel 2004 als den einzigen Heilsbringer ansieht. Mit den Neuzugängen zeigte sich der Manager bedingt zufrieden, nachdem auch sein Königstransfer Kris Sparre nach Monaten der Krankheit in den Spielbetrieb einsteigen konnte, seine Höchstform nach unfreiwilliger langer Pause aber noch nicht erreicht hat. Auch die Brett Breitkreuz und Co. bringen die von ihnen erwarteten Leistungen auf dem Eis, verfügen aber sicher nicht über die Leadership-Qualitäten eines Lanny Gare oder Marton Vas abseits der gefrorenen Fläche, die man altersbedingt ziehen ließ.

Typen wie die beiden Genannten täten aber gerade in Zeiten wie diesen gut, um das etwas schlingernde Schiff zu steuern, den unerfahrenen Matrosen an Bord den richtigen Kurs zu erläutern. Die im März nächsten Jahres startenden Playoffs werden zeigen, ob sich rechtzeitig neue Kapitäne finden ließen, die Löwen mit Steuermann Chernomaz die Meisterflagge der DEL2 hissen können, die alle allzu gerne nach zwölf Jahren am Ratsweg hängen sehen würden

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