Beste Heimbilanz seit zwanzig Jahren

Saisonbilanz Eintracht Frankfurt: Guter Anfang, desaströses Ende 

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Frankfurt – 43 Punkte, Platz neun, mit elf Spielen ohne Niederlage in Folge die beste Heimbilanz seit zwanzig Jahren - alles eitel Sonnenschein bei der Frankfurter Eintracht? Nein! So erfolgreich die Saison sportlich endete, so desaströs präsentiert sich der Club danach. Von Peppi Schmitt

Der überraschende Rücktritt von Trainer Thomas Schaaf war der Höhepunkt einer seit Wochen und Monaten fortschreitenden Entwicklung und stürzte die Eintracht in eine veritable Vereinskrise. Schaaf hatte sich von Medien ungerecht behandelt und seine Arbeit nicht ausreichend gewürdigt gesehen. Und dahinter gezielte Indiskretionen aus dem Aufsichtsrat, womöglich auch aus dem Vorstand vermutet. Vorstandschef Heribert Bruchhagen hatte über Pfingsten verzweifelt versucht, den 54-jährigen Schaaf von seinem Entschluss abzubringen. Schaaf habe allen Rückhalt gehabt im Verein, versicherte Bruchhagen, und hätte in einem guten Umfeld „ohne Einschränkungen arbeiten können.“

Eintracht gewann kein Spiel in der Rückrunde

Die öffentliche Kritik an Schaaf hatte sich vor allem an der Auswärtsschwäche entzündet, zudem wurde ihm kein besonders gutes Verhältnis zu Teilen der Mannschaft nachgesagt. Viele Spieler haben dies dementiert. Und doch kann sein Abgang auch als Flucht angesehen werden. Die Eintracht gewann in der Rückrunde kein Spiel in der Fremde, holte nur zwei von 27 möglichen Punkten und schloss die Saison als schlechtestes Auswärtsteam ab. Dies kostete letztlich auch einen Platz, der zur Teilnahme am Europapokal berechtigt hätte. Finanzvorstand Axel Hellmann sprach von einer „unterschiedlichen Gefühlslage“. Gegen Spitzenteams hatte die Eintracht überzeugt, nur gegen die Bayern zweimal verloren. Dafür aber gegen Mönchengladbach, Wolfsburg und Leverkusen kein Spiel verloren. Dafür setzte es unter anderem Niederlagen in Paderborn, in Stuttgart, in Mainz, in Köln und in Bremen. „Wenn wir unsere Ergebnisse gegen die Top-Sechs der Liga betrachten, wären wir klar auf Champions-League-Kurs“, stellte Hellmann fest, „wenn wir die Ergebnisse gegen die Teams aus dem unteren Drittel betrachten, war es eine Abstiegsrolle.“

Viele Zahlen hatten für den Trainer gesprochen. „Alle Ziele wurden erreicht“, sagte Bruchhagen. Wieder sind im Schnitt 48.000 Zuschauer pro Spiel in die Arena geströmt. In der Fernseh-Tabelle haben sich die Frankfurter, durch den Abstieg des SC Freiburg, um zwei Plätze verbessert, was zu einer Einnahme von 2,6 Millionen Euro führt. Und doch blieb das Gefühl, es wäre mehr möglich gewesen.

Schwächen in der Defensive

Die Schwächen lagen in der Defensive. Nur Absteiger Paderborn und Werder Bremen (je 65) mussten mehr Gegentore als die Eintracht (62) hinnehmen. Im Gegenzug erzielten die Frankfurter die drittmeisten Treffer (56) der Saison. Und sie stellten den Torschützenkönig. In nur 26 Spielen erzielte Alexander Meier neunzehn Tore und hielt damit Arjen Robben und Robert Lewandowski in Schach. Nach dem letzten Spiel gegen Leverkusen bekam Meier die Torjägerkanone überreicht und wurde gefeiert. Doch der nächste Rückschlag für die Eintracht droht bereits: Denn die Zeichen bei Carlos Zambrano stehen wohl auf Abschied: Auf seiner Facebook-Seite äußert sich der 26-Jährige wie folgt: „Vielleicht sehen wir uns nächste Saison und wenn es nicht so sein sollte bin ich sehr dankbar an die Mannschaft und die großartigen Fans!“

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