Russ geht, aber Matmour kommt und trifft

Karim Matmour hüpft vor Freude über sein Siegtor auf Sebastian Jung.

Fürth – Moral bewiesen, hart gekämpft und mit einem Last-Minute-Tor einen gelungen Saisonauftakt gefeiert. Eintracht Frankfurt hat am Freitagabend bei Greuther Fürth einen 0:2-Rückstand noch in einen 3:2-Sieg gewandelt. Unübersehbar war dabei allerdings die Defensiv-Schwäche der Eintracht. Und jetzt geht auch noch Abwehrrecke Marco Russ. Von Norman Körtge

Was lange schon abzusehen war, ist am Samstagvormittag offiziell geworden: Frankfurts Innenverteidiger Marco Russ wechselt mit sofortiger Wirkung zum VfL Wolfsburg. „Wir bedauern es sehr, Marco Russ ziehen lassen zu müssen. Er war ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Nach dem Abstieg war jedoch klar, dass auch Transfers in diese Richtung vorgenommen werden mussten“, sagte Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner. Über die Höhe der Ablösesumme vereinbarten beide Vereine Stillschweigen. Vermutet wird, dass diese bei rund drei Millionen Euro liegt. Russ, der seit 1996 für die Eintracht im Einsatz war, hatte in Fürth die kompletten 90 Minuten durchgespielt und reiste im Anschluss an die Partie direkt weiter ins Wolfsburger Trainingslager nach Österreich.

Die Sorgenfalten von Eintracht-Trainer Armin Veh dürften damit vorerst nicht weniger werden. Vor allem im Hinblick auf die Abwehr. Bereits vor der Partie in Fürth hatte Veh die Eintracht Defensive als Unbekannte bezeichnet, da diese in den Testspielen nie richtig gefordert worden war.

Die Befürchtungen des Trainers bewahrheiteten sich dann auch gegen den Aufstiegsrivalen. Bei den beiden Treffern von Christopher Nöthe (20. und 44. Minute) wurde die fehlende Abstimmung offensichtlich. Die beiden Neuzugänge Torwart Thomas Kessler und Innenverteidiger Gordon machten dabei jeweils keine gute Figur. „Das zweite Tor nehme ich natürlich auf meine Kappe. Da sah man auch, dass wir hinten noch nicht zu 100 Prozent eingespielt sind“, gab sich Kessler nach dem Spiel selbstkritisch.

Nach dem Seitenwechsel galt es dann noch eine Schrecksekunde zu überstehen als der Fürther Edgar Prib direkt nach dem Wiederanpfiff nur den Pfosten des Eintracht-Tores traf. Doch dann begann, was Vorstands-Chef Heribert Bruchhagen später als Befreiungsschlag bezeichnen sollte. Alex Meier nahm in der 56. Minute den Ball volley und schoss in aus 20 Metern ins linke Eck. Die Frankfurter agierten von da an energischer und zielstrebiger nach vorne und wurden dafür auch belohnt. In der 64. Minute war Meier wieder zur Stelle und köpfte eine Freistoßflanke von Pirmin Schwegler ins Fürther Tor – der Ausgleich.

Neuzugang Karim Matmour war es dann aber Vorbehalten, zum Adler des Tages zu avancieren. In der 80. Minute für Caio ins Spiel gekommen, zog er eine Minute vor Schluss nach Zuspiel von Meier an der Strafraumgrenze ab. Sein abgefälschter Schuss landete im Fürther Tor. Jubel bei der Eintracht, große Enttäuschung bei Fürth. „Insgesamt haben wir sicher etwas Glück gehabt, aber auch gut gespielt“, meinte Eintracht-Trainer Veh nach dem Schlusspfiff. Ein glückliches Händchen benötigt er jetzt auch bei der Arbeit an seiner Abwehr. Denn mit dem Weggang von Russ muss diese neu auf- und eingestellt werden.

Einen Schritt zu spät kommt hier Caio gegen Fürths Heinrich Schmidtgal. Fotos (2): Hübner

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