„Rugby ist ehrlicher“

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Ein Sport für ganze Kerle: Hier eine Szene aus einer Rugby-Partie zwischen Australien (gelbe Trikots) und Neuseela nd.

Region Rhein-Main – Seit Freitag und noch bis zum 23. Oktober läuft die Rugby-Weltmeisterschaft in Neuseeland. In Deutschland herrscht kein WM-Fieber. Kein Wunder: Deutschland ist nicht mit dabei. Von Jens Dörr

Im Fußball, Handball, Faustball, Rudern und zahlreichen anderen Sportarten eine Weltmacht, ist Deutschland im Rugby noch Entwicklungsland. In der Qualifikation schied die deutsche Auswahl nach zehn Niederlagen in zehn Spielen aus, gegen Teams wie Georgien und Portugal gab es Klatschen bis zu Horror-Resultaten von 0:67 (daheim gegen Portugal). Den Titel machen andere unter sich aus.

Favoriten sind Australien und Gastgeber Neuseeland, tippt der Dieburger Alex Weiss. Er steht für die Riege deutscher Hobby-Rugby-Spieler, kam bei einem Neuseeland-Trip erstmals mit dem Sport in Berührung. Im Verein aktiv ist er im Team der TG 1875 Darmstadt, die mit den Hochschulen der Wissenschaftsstadt kooperiert. Hohe Fluktuation in der Mannschaft ist da selbstredend.

Sport mit dem Ei häufiger auf dem Platz als in der Glotze

Vom Rugby an sich schwärmt Weiss freilich, verflucht ihn trotz Kreuzbandriss und Innenmeniskus-Verletzung, die er sich innerhalb eines Jahres zuzog, nicht. „Normalerweise ist das auch nicht gefährlicher als Fußball“, sagt der 28-jährige Dieburger, der als Fußballer früher ebenfalls aktiv war. Vor allem aber sei Rugby ehrlicher: „Schwalben wie beim Fußball gibt es nicht.“ Zudem reize die Kombination aus Ansprüchen an Kraft und Ausdauer: „Die Ausgewogenheit gefällt mir – im Getümmel geht es nur um Kraft, für die langen Sprints braucht man Kondition.“

Ähnlich wie manch anderer Akteur aus der Region, wo besonders beim RK Heusenstamm und beim SC 1880 Frankfurt, aber auch in Offenbach (BSC) und in einer Spielgemeinschaft von Hausen und Babenhausen der im 19. Jahrhundert in England geborene Sport ausgeübt wird, spielt das Public Viewing für Weiss keine große Rolle. Das ein oder andere Spiel dürfte in den Vereinsheimen zwar gezeigt werden, sagt er. Große Public Viewings sucht man aber selbst bei den Rugby-Clubs vergebens. Und das, obwohl zumindest einige Partien im Free-TV übertragen werden. „Das ein oder andere Spiel werde ich mir vielleicht anschauen“, sagt Weiss. Die Euphorie für den Sport mit dem Ei, das die jeweils 15 Spieler beider Teams durch Tragen, Passen, Kicken und Niederlegen hinter der so genannten Mallinie in Punkte zu verwandeln trachten, fokussiert sich im Rhein-Main-Gebiet stärker auf den Platz als auf die Glotze. Und da Deutschland mangels Stärke bei der WM mit Abwesenheit glänzt, muss auch keiner Störungen durch Autokorsos fürchten.

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