Rollstuhlcurling

Mainhattan Ice-Wheelers: Wehmut über verpasste Olympia-Teilnahme

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Die Mainhattan Ice-Wheelers beim Training in der Frankfurter Eishalle.

Region Rhein-Main – Wenn am 7. März der Startschuss für die Paralympics in Sotschi fällt, wird bei Martin Schlitt Wehmut  aufkommen.  Der Frankfurter und seine Mitstreiter von der Rollstuhlcurling-Nationalmannschaft haben die Teilnahme an den Olympischen Spielen für Sportler mit Behinderung verpasst.

Im Interview spricht der querschnittsgelähmte 47-Jährige über den geplatzten Traum und den besonderen Reiz beim „Schach auf dem Eis“.

Herr Schlitt, viele Jahre haben Sie auf die Teilnahme in Sotschi hingearbeitet. Wie groß ist die Enttäuschung, dass das Ziel verpasst wurde?

Natürlich ist es sehr bedauerlich, weil uns am Ende nur ein Platz und wenige Punkte gefehlt haben. Aber das Leistungsniveau in der Weltspitze ist sehr hoch und wir wussten schon 2013, dass wir es aus eigener Kraft nicht mehr schaffen können.

Weshalb?

Im Rollstuhlcurling sind die Mannschaften in zwei Gruppen aufgeteilt. Nur in der WM-Qualifikationsgruppe kann man auch Punkte für Olympia sammeln. Nach unserem Abstieg 2011 in die B-Gruppe haben wir den direkten Wiederaufstieg verpasst. In der Zeit haben andere Nationen aufgeholt. So hat uns Finnland noch vom zehnten Platz verdrängt, der für die Paralympics gereicht hätte.

War 2013 also ein verlorenes Jahr?

Nein, wir haben das Jahr zur Teamfindung genutzt und neue Mitglieder geworben. Außerdem haben wir erfolgreich an mehreren internationalen Turnieren teilgenommen, unter anderem haben wir beim Internationalen Wheelchaircurling-Turnier in Schwenningen einen starken dritten Platz belegt. Auch unsere drei Inklusionsturniere kamen gut an, bei denen Fußgänger und Rollstuhlfahrer zusammen spielen.

Beschreiben Sie doch mal die Faszination beim Rollstuhl-Curling.

Man kann sich das wie Schach auf dem Eis vorstellen. Es ist ein Sport, der viel Präzision und taktisches Verständnis erfordert. Im Gegensatz zu den Fußgängern wird bei uns nicht gewischt, daher müssen wir die Steine noch präziser setzen. Da spielt natürlich auch die Abgabetechnik mit dem Stick eine wichtige Rolle. Er ist der verlängerte Arm des Spielers. Vor allem ist Rollstuhlcurling aber ein Team-Sport.

War das für Sie auch der besondere Anreiz, vor vier Jahren die Spielgemeinschaft Mainhattan Ice-Wheelers ins Leben zu rufen?

Ich war gleich fasziniert von der Möglichkeit, an internationalen Wettbewerben teilzunehmen. Bei Eintracht Frankfurt erhielt ich die Möglichkeit, zusammen mit den Fußgängern erste Erfahrungen im Curling zu sammeln. Und so hat sich das nach und nach entwickelt. Mittlerweile stellen wir zusammen mit den Schwenningern einen Teil der Nationalmannschaft. Das Sportamt Frankfurt ist uns auch in den vergangenen Jahren mit den Eiszeiten entgegengekommen.

Perfekte Bedingungen also am Standort Frankfurt?

Perfekt sicher nicht, da wir keine reine Curling-Halle haben, sondern in der kleinen Eissporthalle trainieren. Wo Eishockey-Spieler und Schlittschuhläufer unterwegs sind, hinterlässt das natürlich Spuren. In der Region gibt es keine besseren Standorte. Dafür müssen wir schon nach Baden-Baden oder Füssen fahren, in die Schweiz oder nach Tschechien.

Wie sehen die nächsten Ziele aus?

Demnächst treten wir bei der Champions-League in Prag an. Da sind neben den Top-Teams aus Tschechien starke Nationen wie Italien, Polen und die Slowakei am Start. Nächstes großes Ziel ist im November die Qualifikations-Runde für die WM. Da gilt es schon fleißig Punkte zu sammeln für die Paralympics 2018 in Pyeongchang in Südkorea. Da wollen wir auf jeden Fall dabei sein. zin

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