Der ganz große Wurf fehlt noch 

Rollstuhl-Basketball: Kapitän Sebastian Wolk blickt auf die Europameisterschaft

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Ob unter dem Korb oder von der Drei-Punkte-Linie: Sebastian Wolk fühlt sich auf jeder Position wohl.

Frankfurt – Bei der kommenden Europameisterschaft im Rollstuhl-Basketball in Frankfurt gehört Gastgeber Deutschland zum Kreis der Favoriten. Mannschaftskapitän Sebastian Wolk verrät die Stärken seines Teams, und wie wichtig der Sport für ihn ist. Von Dirk Beutel

Sportlich war Sebastian Wolk schon immer. Zumindest bis er 14 Jahre alt war. Dann kam die Schockdiagnose: Ein Tumor in der Hüfte zwingt ihn in den Rollstuhl. Doch der Schicksalsschlag konnte den Optimist Wolk nicht niederstrecken. Er kämpfte sich zurück ins Leben – mithilfe des Sports.

Seinen Schicksalsschlag hat er längst akzeptiert

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Mit 18 Jahren entdeckt er Rollstuhl-Basketball für sich und macht sogar Karriere. Mit den Mainhatten Skywheelers in Frankfurt spielt er regelmäßig in der Spitzengruppe der Bundesliga mit. Seine Behinderung hat Wolk längst akzeptiert, mehr noch, er weiß sie sogar zu schätzen: „Ich habe nie etwas vermisst. Man weiß es natürlich nicht, aber ich denke, ich habe als Rollstuhlfahrer viel mehr erreicht, als wenn ich noch Fußgänger wäre.“ Über seine Behinderung fand er seine Berufung als Erzieher und dadurch seine Freundin und heutige Frau Nadine. Von seiner Sportler-Karriere ganz zu schweigen.
Im Grunde spielt Sebastian Wolk die Position des Center. Allerdings nicht im klassischen Sinne, denn auch als Rollstuhl-Basketballer kommt es auf die Größe an: Mit seinen 1,84 Meter gehört er nämlich nicht zu den größten Spielern im Team. „Trotzdem spiele Ich unter dem Korb, treffe aber auch sicher von der Drei-Punkte-Linie.“

Seit knapp zwei Jahren ist der 32-Jährige jetzt Kapitän der deutschen Rollstuhl-Basketball-Nationalmannschaft, die sich international schrittweise an die Spitze herangespielt hat: 2001 und 2007 erreicht die Mannschaft Bronze, 1999 und 2011 schafft sie sogar Silber, doch für die letzte Stufe auf dem Treppchen hat es bislang noch nicht gereicht. Noch nicht.

„Es ist an der Zeit, dass wir dran sind“

Auch wenn das deutsche Team vor zwei Jahren überraschend ins Finale kam, und diesmal nur zwei Monate Vorbereitung zur Verfügung hat, rechnet Wolk zumindest mit einem ähnlich erfolgreichen Turnier. „Wir müssen unsere Stärken in der Defensive diszipliniert umsetzen und geschlossen als Mannschaft spielen. Das macht uns unberechenbar.“ Aber: Bei der Europameisterschaft vom 28. Juni bis 7. Juli in der Frankfurter Eissporthalle wartet im ersten Gruppenspiel mit Mitfavorit Großbritannien ein echter Prüfstein.

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Fragt man Wolk nach einer Prognose, zeigt sich wieder sein Optimismus: „Gegen die Briten haben wir jahrelang nicht mehr gewonnen. Deshalb glaube ich, dass es jetzt an der Zeit ist, dass wir wieder dran sind.“

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