Wie man den Rolli um die Ecke bekommt

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Drehung im Dreivierteltakt: Marion Milz (links) und Pia Christoph harmonieren beim Rollstuhltanz.

Region Rhein-Main – Tanzen macht auch im Sitzen Spaß. Allerdings mangelt es dafür den Mitgliedern des Rollstuhl-Sport-Clubs Frankfurt immer wieder an stehenden Tanzpartnern. Von Dirk Beutel

Wer alleine oder mit Tanzpartner mitmachen möchte, findet Infos auf der Internetseite des RSC Frankfurt.

Anette Wank-Salder ist sichtlich gut drauf. Auch wenn ihr Mann nicht beim Rollstuhl-Tanztraining dabei sein kann, klatscht die Mühlheimerin freudestrahlend zum ersten Takt eines Walzers. Ist auch halb so schlimm, denn beim Trainingsabend des RSC Frankfurt passt die Paar-Aufteilung zwischen sitzenden und stehenden Tänzern. Das ist keine Selbstverständlichkeit: „Meistens fehlen uns Fußgänger zum Tanzen“, erklärt Trainerin Andrea Naumann. Gemeinsam mit ihrem Mann Jean-Marc Clément tanzt sie auf Leistungsebene, hat bereits mehrfach den Deutschen Meistertitel im Rollstuhltanz geholt.
Aber bei der Rollstuhltanz-Abteilung des RSC geht es nicht zwingend um Titel und Turniertanz, sondern vielmehr um Spaß an der Freude. Das gilt auch für Pia Christoph. Früher hatte sich die Rollstuhlfahrerin nie vorstellen können, bei einer Tanzgruppe einzusteigen. „Aber als der Freund einer Bekannten mich einfach geschnappt und mit mir Tango getanzt hat, wollte ich mehr.“ Beim Training in der Turnhalle der Frankfurter Unfallklinik fand sie gleich ihre Partnerin: Marion Milz, die schon seit fünf Jahren als Fußgängerin beim Rollstuhltanz dabei ist.

Probleme für die Fußgänger

Heute Abend steht der Walzer und die Rumba auf dem Trainingsprogramm: „So, und jetzt abwechselnd für die Fussis: Links, rechts, schließen. Links, rechts, schließen.“ Andrea Naumann gibt klare Schritt-Anweisungen: „Und die Rollis schieben bitte auf den zweiten Takt.“ Standardtänze wie Walzer oder Tango sind bei Rollstuhlpaaren nicht unbedingt beliebt, weil man meist in der Doppelhandhaltung tanzt. „Gerne getanzt wird dagegen Samba, Cha Cha Cha und der Disco Fox, weil man viel freier in der Ausführung ist“, erklärt Naumann. Übrigens: Wer der Mann ist und führt, ist egal: Gleichgeschlechtliche Paare sind beim Rollstuhltanz keine Seltenheit. Auch Altersklassen gibt es beim Rollstuhltanz nicht. Vielmehr werden die Paare je nach der Beeinträchtigung des Rollstuhlfahrers in Kategorien eingeteilt.

Beim Training stellt sich jedoch heraus, dass vor allem die „Fussis“ größere Probleme mit dem Takt haben. Und nicht nur das: „Ihr müsst euren rechten Fuß querstellen, sonst bekommt ihr den Rolli nicht um die Ecke. Die Kraft muss aus den Beinen kommen“, erklärt Naumann kurz vor Ende des Trainings. Das hat auch der Mann von Anette Wank-Salders noch mitbekommen. Kurz vor Trainingsende kam er noch für einen kurzen Tanz vorbei.

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