Rollenspiel mit rauchenden Colts

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Auch wenn´s komisch aussieht: Die Cowboys verstehen sich als ernsthafte Sportler.

Region Rhein-Main – Schießen bedeutet für die Open Range Shooters mehr als nur eine Waffe in die Hand zu nehmen, zu zielen und abzudrücken. Eine kleine Gruppe des Schützenclubs Klein-Umstadt lebt durch ihren Sport die Geschichte des Wilden Westens. Von Dirk Beutel

Konzentriert lädt Bonebreaker-Tom seine Winchester durch. Langsam legt der Cowboy die Büchse an, zielt und gibt einen Schuss nach dem nächsten ab. Neben ihm knallen im Wechsel die beiden Single Action Army-Colts von Dog Dancer. Die beiden Cowboys, die in Wirklichkeit Thomas Laue und Siegfried Bechert heißen, sind Sportschützen der besonderen Art: Sie betreiben Cowboy Action Shooting. Eine dynamische Schießsportart, bei der man nicht nur gut zielen, sondern sich mit dem Wilden Westen identifizieren muss. „Wir alle sind mit Bonanza aufgewachsen. Da ist etwas hängen geblieben“, sagt Kurt Ciara alias Old Rooster.

Das Tragen typischer Westernkleidung gehört zum Reglement.

 

Zum Cowboy Action Shooting gehört das volle Programm: Waffen im Stil des späten 19. Jahrhunderts, wie sie in Amerika benutzt wurden, und die typische Kleidung: Hut, Revolverhalfter, Patronengurt, Stiefel, Sporen, Halstuch. „Man kann sich aber auch als Mexikaner, Rinderbaron oder Indianer verkleiden“, ergänzt Siegfried Bechert. Und nicht nur das: Jeder Action Shooter besitzt einen Spitznamen, der unverwechselbar mit seinem Besitzer in Verbindung gebracht wird. Im Falle von Bonebreaker- Tom liegt es auf der Hand: Der Ober-Ramstädter ist von Beruf Chiropraktiker. Auch bei Barber Joe, besser bekannt als Theo Faust, war der Beruf der Vater des Gedankens: Der Münsterer ist Friseurmeister.

Sicherheit an erster Stelle

Seit 2008 existieren die Open Range Shooters. Die Westernschützen betonen, nur eine Gruppe des Klein-Umstädter Schützenclubs zu sein und kein eigener Verein. Die Cowboys ziehen ihre Mitglieder allerdings aus einem Umkreis von etwa 70 Kilometern. Auch aus Frankfurt reisen begeisterte Action Shooter an. „Bei uns spielt das Flair eben eine ganz große Rolle“, sagt Theo Faust. Trotzdem wird auch beim Cowboy Action Shooting alles streng sportlich nach Reglement gehandhabt. Die meisten der Cowboys haben als normale Sportschützen angefangen und sind später zum dynamischen Action Shooting gewechselt. „Das macht einfach mehr Spaß,“ verrät Faust, der gerade seine Doppelflinte durchlädt. Trotzdem steht die Sicherheit an erster Stelle. „Hier wird nicht sinnlos herumgeballert“, erklärt Siegfried Bechert.

Die Cowboys kombinieren das Schießen meist mit einer kleinen Nebenhandlung. So muss sich etwa ein Bankräuber mitsamt seinem Geldsack den Weg freischießen, indem er in einer bestimmten Zeit bestimmte Ziele treffen muss.

Cowboy Action Shooting wird in Deutschland in die Klassen 1870, 1880 und 1890 aufgeteilt, die sich in der Wahl der Waffen und der Kleidung unterscheiden. Je nach Klasse weichen die Regeln voneinander ab. Einsteiger schießen in der Greenhorn-Klasse, der 1890er. Dort genügt es, Hemd, Hut, Jeans und Stiefel zu tragen. Wer aber in den höheren Klassen mitmischen will, der muss auch sein Outfit detailreicher gestalten.

Wer sich selbst ein Bild von den Schützen in Stiefeln und Sporen machen möchte, hat dazu von acht bis 17 Uhr am Samstag, 24. September, die Möglichkeit. Dann richten die Open Range Shooters ihr Turnier „Part X“ in Klein-Umstadt aus. Mehr Infos auf: www.open-range-shooters.de.

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