Roberto und Sabrina Kumpf gehören zur deutschen Kendo-Elite

In dieser Familie gehört Schlagen zum Alltag

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Roberto Kumpf greift seinen Gegner mit einem gezielten Schlag an.

Frankfurt – Ballsportarten sind nichts für die Kumpfs. Als alleinerziehender Vater brachte Uwe Kumpf seine Kinder Roberto und Sabrina zum Kendo. Doch dass aus den beiden einmal die besten Kendo-Kämpfern Deutschlands werden würden, hätte er nicht gedacht. Von Dirk Beutel

Die beiden Kämpfer stehen sich kerzengerade gegenüber. Sie mustern sich durch die Gitterstäbe ihres Mens, dem Kendo-Kopfschutz. Roberto Kumpf setzt seinen Stock an. Er schreit und rennt gezielt auf seinen Gegner zu. Er trifft ihn direkt auf den Kopf.

Mit fünf Jahren hat er mit Kendo angefangen. Dazu gebracht hat ihn sein Vater Uwe. Genauso wie Tochter Sabrina. Damals war Uwe Kumpf alleinerziehend. Deshalb hat der Asien-Fan seine Kinder zum Kendo-Training mitgenommen. Und er entdeckte bei beiden ein Talent für die japanische Kampfkunst. Obwohl: „Roberto musste ich ein paar Mal rausschmeißen, weil er nicht genügend Ernst mitbrachte.“ Doch das hat sich längst geändert. Der 25-Jährige gehört heute zur deutschen Nationalmannschaft und war bereits Jugend-Europameister. Genauso erfolgreich ist seine Schwester. Sie wurde 2010 Europameisterin. Und für die beiden steht dieses Jahr die nächste Herausforderung schon bevor: Die Europameisterschaft vom 12. bis 14. April in Berlin.

Kein sinnloses Aufeinanderknüppeln

Kendo ist japanisch und heißt so viel wie „Weg des Schwertes“, wobei man den „Weg“ durchaus mit „Lebensweg“ übersetzen kann. Und genau das fasziniert die Kumpfs an dieser Kampfsportart, die in Deutschland immer noch eine Nische ist. Dazu kommen die Mentalität und die Kultur der Japaner. Wobei Uwe und Roberto Kumpf noch eine Besonderheit schätzen. „Beim Kendo ist die Verletzungsgefahr sehr gering“, sagt Roberto, der auch Kampfsportarten wie Kickboxen, Karate und Judo ausprobiert hat. „Für Ballsport habe ich einfach kein Talent. Außer beim Basketball.“

Kein sinnloses Aufeinanderknüppeln

Kendo war und ist für den Studenten ein idealer Ausgleich vom Alltag. Andere Sportarten konnten ihm das nicht bieten. Wobei: Für den Laien mag es den Anschein haben, aber Kendo ist kein sinnloses aufeinanderknüppeln. „Ein wesentlicher Faktor ist die Ausstrahlung eines Kriegers. Und das Selbstbewusstsein wird gestärkt.“ Das merke man bei Anfängern, die schüchtern in ihrem dunkelblauen Kendo-Kleid noch versuchen, den Schlägen des Gegners auszuweichen. Erfahrene Kämpfer glänzen mit aufrechter Körperhaltung. Dabei spielt die physische Kraft beim Kendo kaum eine Rolle: „Ein 70-Jähriger kann auch gegen einen 20-Jährigen, der voll im Saft steht brillieren“, sagt Uwe Kumpf.

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