Nach aus für Olympia

Ringer im wichtigsten Kampf seit der Antike

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Mehr spektakuläre Aktionen wie diese wünscht sich die IOC-Exekutive.

Region Rhein-Main - Erst der Schock, dann der Aufschrei, nun mehr und mehr Widerstand: Nicht nur auf internationaler und nationaler Ebene, sondern auch in der Region sorgte die Nachricht vom drohenden Olympia-Aus fürs Ringen nach Rio 2016 für heftige Reaktionen. Von Jens Dörr

Es wären die ersten Spiele ohne den Mattensport überhaupt, schon in der Antike wurde gerungen. Inzwischen spürt die Szene einen immensen Rückenwind – und kämpft, wie es vielleicht nur Ringer können.

Mit den etablierten Oberligisten ASV Schaafheim und ASV Dieburg , den Hessenligisten FSV Münster und ASV Frankfurt-Griesheim sowie aufstrebenden Vereinen wie dem KSV Neu-Isenburg spielt das Ringen auch im Verbreitungsgebiet des EXTRA-TIPPs eine Rolle. Zudem ist der angrenzende Raum Aschaffenburg neben dem Badischen die Hochburg der Kampfsportart in Deutschland schlechthin. Hier lebt auch Rifat Yildiz, vierfacher Olympia-Teilnehmer und für Deutschland Silbermedaillen-Gewinner 1992 in Barcelona, zweifacher Weltmeister, heute Landestrainer und Trainer der Schaafheimer. Er bedauert den Vorschlag der IOC-Exekutive, Olympia ab 2020 ohne die Sportart Ringen auszutragen: „Wir sind als Ringer – ich denke, ich spreche für alle – sehr betroffen. Olympia war für die Athleten immer eine riesige Motivation. Ich war viermal dabei und es war viermal unbeschreiblich. Viermal hat eine andere, immer überwältigende Atmosphäre geherrscht. Nur aus diesem Grund konnte ich mich immer wieder zum Weitermachen motivieren.“

Funktionäre zu weit weg vom Sport?

Thomas Winter, Ringer-Abteilungsleiter der FSV Münster, hat derweil das „Gefühl, dass die Leute vom Weltverband FILA einfach zu weit weg vom Sport sind“. Für ihn hänge das drohende Aus vor allem mit den mäßigen TV-Quoten bei Olympia zusammen. Selbst vom Deutsche Meisterschaft-Finale in Mainz sendete das ZDF – mit Hauptsitz in Mainz – jüngst wenig bis nichts. TV-Sender waren eigens aus der Türkei angereist, um von einer der stärksten Ligen der Welt zu berichten. Auch 3000 Zuschauer auf dem Messegelände zeugten davon, dass sich das Ringen durchaus hoher Beliebtheit erfreut. Derbys zwischen Schaafheim und Dieburg locken mehr Zuschauer an, als Hessenliga-Fußballspiele von Viktoria Urberach.

Zu viele Regeländerungen

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Und doch sind es die angeblich mangelnde Attraktivität und Transparenz, die der Sportart – auch vom IOC – vorgeworfen werden. Nicht ganz zu Unrecht, wie auch Yildiz zugibt: „Die Schuld dürfen wir nicht nur den anderen geben, gerade mit Blick auf die Regeln. Früher sind viel mehr Techniken und Wertungen gefallen als heute.“ Im griechisch-römischen Stil etwa werden viele enge Partien nur noch durch das Hinausschieben des Gegners oder durch die angeordnete Bodenlage entschieden. Das IOC sähe lieber Überwürfe und Schultersiege, die bei Vergleichen an der Weltspitze aber selten sind.

Auch Thomas Winter kann sich in den letzten 30 Jahren an keine Saison ohne Regeländerung erinnern. Hubert Hiemenz, Vorsitzender der ASV Dieburg, sieht das zwar ebenfalls so, schränkt aber ein: „Ich will zum Beispiel Judo nicht zu nahe treten, glaube aber, dass etwa diese Sportart für Außenstehende auch nicht wesentlich attraktiver und transparenter ist.“ Der Beliebtheit der Livekämpfe tut – weder in Deutschland noch in Ringernationen wie Russland, der Türkei oder den USA – auch wenig Glamour und mitunter Schweißgeruch in den Sporthallen ob guter Zuschauerzahlen kein Abbruch.

Putin will sich stark machen

Der Altheimer Helmut Gasper, Vorsitzender des Ringerbezirks Darmstadt/Odenwald, spricht noch von einer „kleinen Chance“. Russlands Präsident Wladimir Putin, prominenter Anhänger des Ringens, ließ verbal schon einmal die Muskeln spielen. Der bisherige FILA-Präsident Raphael Martinetti machte vergangenen Samstag durch seinen Rücktritt den Weg für Reformen frei.

Obwohl Deutschland im internationalen Ringen ein eher kleines Licht ist, wollen auch hier viele mit einer Unterschriftenaktion für den Erhalt des olympischen Ringens beitragen. Das Formular, das ausgefüllt per E-Mail an den Deutschen Ringer-Bund geschickt werden kann, ist online unter www.ringen-nrw.de abrufbar, liegt aber auch bei vielen Vereinen aus.

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