Auf den richtigen Schliff kommt es an

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Stephan Odwarka muss beim Stock Saw zwei Scheiben aus einem Holzblock mit 40 Zentimeter Durchmesser sägen.

Region Rhein-Main – Sie spalten Holz am laufenden Band. Die Sportholzfäller Nils Müller und Stephan Odwarka nehmen zwar noch nicht an offiziellen Wettkämpfen der Profis teil, trotzdem gelten die beiden als die kommenden Nachwuchstalente.  Von Dirk Beutel

Sie hacken, sägen und spalten Holz – und das so schnell wie möglich. Nils Müller und Stephan Odwarka haben sich seit etwa einem Jahr dem Sportholzfällen verschrieben. Die Reinheimer kennen sich privat und trainieren auch zusammen. Gemeinsam haben sie bei den Odenwälder Holzfällermeisterschaften zum ersten Mal richtig Blut geleckt. „Ich habe sofort gewusst, dass das genau mein Ding ist“, sagt Odwarka. 2008 und 2010 traten die beiden an und belegten jeweils die ersten beiden Plätze. Danach stellte der Organisator den Wettkampf ein.

Nils Müller in Aktion

Die Reinheimer suchten also nach anderen Möglichkeiten, um mit Kraft und Technik Holz zu zerlegen. Nils Müller entdeckte im Internet ein Probetraining für Sportholzfäller in Stockheim in der Rhön, der einzige offizielle Trainingsort für Sportholzfäller in Deutschland. „Für Anfänger haben wir uns offenbar gut angestellt und durften uns dort Stück für Stück weiterentwickeln“, sagt Odwarka. Den nötigen Feinschliff trainieren die beiden Reinheimer seither auf dem Gelände der Auto-Werkstatt des selbstständigen Kfz-Meisters. Sofern es ihr Beruf zulässt, versuchen sie zwei- bis dreimal die Woche die Späne fliegen zu lassen. Noch sind die Reinheimer Rookies (Anfänger), deshalb dürfen sie nur in vier der insgesamt sechs Disziplinen antreten. Bei den Axt-Wettkämpfen sind das Underhand Chop (die Athleten müssen einen horizontal verankerten Block, auf dem sie stehen, durchschlagen) und Standing Block Chop (senkrecht verankerter Block). Die Profis dürfen zusätzlich an der Königsdisziplin teilnehmen: Dem Springboard. Hier muss der Holzfäller mit zwei Trittbrettern die Spitze eines 2,80 Meter hohen Stamms erklimmen und den dort montierten Holzblock durchschlagen.

Ähnlich beim Sägen: Auch hier dürfen die Rookies nur zwei Disziplinen bestreiten: Single Bug (eine Holzscheibe wird mit einer Einmann-Zug-säge von rund zwei Metern Länge abgesägt) und Stock Saw (zwei Holzscheiben werden mit einer Motorsäge durch einen Abwärts- und einen Aufwärtsschnitt abgesägt). Ausgenommen ist die Hot Saw, bei dieser offenen Klasse wird ein waagerechter Stamm mit einer extrem leistungsfähigen Säge bearbeitet. Die Herausforderung besteht darin, die Maschine mit ihren etwa 60 PS und rund 30 Kilo Eigengewicht zu kontrollieren.

Noch sind Nils Müller und Stephan Odwarka von den offiziellen Wettbewerben ausgeschlossen, doch sie haben sich hohe Ziele gesteckt. „Das Ziel ist auf jeden Fall die Teilnahme bei den Deutschen Meisterschaften“, sagt Odwarka. Dort treten die zehn besten Sportholzfäller des Landes an. Entsprechend motiviert trainieren die Reinheimer, um ihre letzten Freigaben zu erhalten. Vergangenes Wochenende sind sie ihrem Ziel einen Schritt näher gekommen. Denn beide haben die Freigabe für die Disziplin Hot Saw erhalten. Weil die Turniersaison für dieses Jahr fast zu Ende ist, konzentrieren sich Odwarka und Müller nun ganz auf ihre letzte Freigabe, die sie im Idealfall gleich Anfang 2013 bekommen wollen, um durchzustarten. Bis dahin heißt es weiter trainieren.

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