Exotischer Sport

Rhönrad-Turnen: „Nichts für Angsthasen und Zuckerpuppen“

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Eine Rhönrad-Turnerin der TG Sprendlingen zeigt ihr Können

Dreieich – Rhönrad-Turnerinnen sind echte Exotinnen. Nur wenige Vereine bieten es an. Dazu gehört die TG Sprendlingen. Von Norman Körtge 

Die 14-jährige Julia holt im Rhönrad stehend Schwung, dreht sich mit dem Rad um die eigene Achse. Schmiegt sich mit dem Körper so eng an das Rohrgestänge, dass es aussieht, als wäre sie selbst Teil der Lauffläche. Sie stoppt das Rhönrad, als sie ganz oben ist, dreht sich dreimal um eine der Quersprossen, nimmt dann noch einmal Schwung auf, bevor sie sich mit einem Hechtsprung aus dem Turngerät katapultiert und zum Stehen kommt.

Bei der TG Sprendlingen trainieren die Anfänger dienstags und donnerstags jeweils von 17 bis 18.30 Uhr in der Sporthalle der Max-Eyth-Schule. Noch mehr Fotos auf www.extratipp.com. Infos unter www.stg1848.de. Rhönrad-Turnen gibt es außerdem bei der TGS Bieber und in Frankfurt bei bei TuS Nieder-Eschbach und der TG Zeilsheim.

Hätte Julia vor Publikum geturnt, dann wäre jetzt Applaus aufgebrandet. Aber in der Sporthalle der Max-Eyth-Schule  in Sprendlingen ist am Dienstagabend kein Publikum. Es ist die Trainingszeit der Rhönrad-Turnerinnen der TG Sprendlingen . Sie sind zweifelsohne Turn-Exotinnen. „Es ist schon eine außergewöhnliche Sportart. Das macht einfach nicht jeder“, sagt Anke Schmidt-Hiel, einst selbst Rhönrad-Turnerin und jetzt fürs Marketing bei der Turngemeinde zuständig.

Bilder vom Rhönrad-Training

Die Rhönrad-Turnerinnen der TG Sprendlingen

Doch die Faszination Rhönrad-Turnen macht noch viel mehr aus: Wenn man erst einmal den Dreh raus habe, dann mache es unheimlich viel Spaß das Rhönrad – ein Stahlrahmen mit Gummiummantelung – immer mehr beherrschen und ausprobieren zu wollen, erzählt Trainerin Gesa Zerwas. Die 25-Jährige turnt seit ihrem siebten Lebensjahr im Rhönrad. Sie hat die Herausforderung angenommen und immer besser gelernt, das Rad mit der Verlagerung ihres Körpers zu steuern. „Ein Angsthase darf man nicht sein“, sagt sie. Denn es gehört schon ein gewisse Portion Mut dazu sich zum Beispiel nach hinten fallen zu lassen. Zum Beispiel bei der Riesenreifenbrücke, auch Flitsche genannt – einer Übung für Fortgeschrittenene. „In vielen kleinen Vorübungen nähert man sich deshalb der kompletten Übung an. Immer Schritt für Schritt“, erklärt Marisa Hilbert, ebenfalls Trainerin und seit Kindheitstage dabei.

Und eine Zuckerpuppe dürfe man auch nicht sein, denn ein Finger könne schon mal unters Rad bekommen, erzählt Zerwas. Doch so etwas kommt äußerst selten vor.

Etwa 30 Mitglieder umfasst die Rhönrad-Abteilung der TG Sprendlingen – ausnahmslos Mädchen und Frauen. „Wenn es männliche Trainer, die als Vorbild fungieren könnte, gebe, wäre das wahrscheinlich auch anders“, sagt Zerwas. Nachwuchssorgen haben sie bei der Turngemeinde nicht. Aber auch deshalb nicht, weil die Turnerinnen immer wieder auf sich aufmerksam machen. „Niemand sucht in der Regel im Internet, wo Rhönradturnen angeboten wird“, weiß Schmidt-Hiel aus Erfahrung. Vielmehr würden es Eltern und Kinder bei der Turngemeinde zum Beispiel bei Schauturn-Veranstaltungen sehen und dann einsteigen.

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