Spielerinnen im Job: Ende eines Basketball-Traums

Rhein-Main Baskets ziehen ihr Team aus der Bundesliga zurück

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Der Höhepunkt: Die Rhein-Main Baskets holen die deutsche Vizemeisterschaft 2013.

Langen – Kein Bundesligabasketball mehr bei den Rhein-Main Baskets. Kapitän Nelli Dietrich spricht von einem nachvollziehbaren Schritt. Die jungen Talente von einst gehen nun andere Wege. Von Axel Grysczyk.

Silke Dietrich, Präsidentin der Rhein-Main Baskets, gab Anfang der Woche nach langen Beratungen mit ihren Vorstandskollegen aus Hofheim und Langen und nach Gesprächen mit allen verbliebenen Spielerinnen bekannt, „dass wir aus personellen Gründen der Geschäftsführung der Damenbasketball-Bundesliga den Rückzug von Team eins der Rhein-Main Baskets aus der Bundesliga bekannt geben werden.“

Erstliga-Basketball nicht mehr möglich

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Die „personellen Gründe“ sind in der Philosophie und Entstehungsgeschichte der Langen/Hofheimer Spielgemeinschaft, die inzwischen auch die Vereine Homburger TG und Eintracht Frankfurt umfasst, begründet.
Die „Eigengewächse“ aus Langen und Hofheim sind seit Gründung der RMB im Jahr 2008 sieben Jahre älter. Sie haben ihre Berufsausbildungen abgeschlossen oder sind in der Endphase. Da ist Erstliga-Basketball mit bis zu sechs Trainingseinheiten pro Woche und zeitaufwendigen Wochenendfahrten für die meisten nicht mehr möglich, „und eine überwiegend zusammengekauftes Team wollten wir von Anfang an nicht. Da bleibt uns nur der Schritt des freiwilligen Verzichts auf die Erst-Liga-Lizenz,“ erklärt Silke Dietrich.

Die Küken sind älter geworden

Als die Langener und Hofheimer Mädchen im Alter von sechs bis acht Jahren mit dem Basketballspielen begannen, damals angeleitet von Trainerin Silke Dietrich in Langen und Natalie Deetjen in Hofheim, dachten sie bestimmt noch nicht an die Bundesliga. Als aber Nelli Dietrich, Svenja Greunke und Francis Pieczynski 2005 gemeinsam in der ersten Fünf der U16-Nationalmannschaft in Lettland ihre ersten spektakulären Auftritte hatten, durften sie und auch ihre Trainerin sowie schon auch mal Gedanken auf die weitere Entwicklung richten.

Ein Jahr später hatten auch Stephanie Wagner vom TV Langen und Anna-Lisa Rexroth vom TV Hofheim ihre erste U16-EM gespielt, im Jahr darauf trat auch Mara Greunke erstmals international an und einige Jahre später auch die „Küken“ Pia Dietrich und Lisa Janko vom TV Langen. Die Idee einer Kooperation reifte.

Fokus auf der Nachwuchsförderung

Nach der Gründung der Baskets 2008 begann das Märchen: Gemeinsam schaffte die Kooperation gleich im Jahr nach Gründung den Aufstieg in die Bundesliga, danach Klassenerhalt (2010 und 2011), Erreichen des Pokal-Finales 2012 und 2015 und die Krönung „Deutsche Vizemeisterschaft 2013“.

Inzwischen sind die jungen TVL-Talente von einst auf ihren Berufswegen gut ausgebildet als Kauffrau (Nadine Ripper), als Polizeikommissarin (Francis Pieczynski) sowie Lisa Rexroth als Referendarin. „Wir wollen uns jetzt wieder voll und ganz der Nachwuchsförderung zuwenden, damit die Rhein-Main Baskets bald wieder nach oben angreifen können,“ sieht Silke Dietrich in die Zukunft.

Dietrich: "Rückzug ist nachvollziehbar"

Der Rückzug macht Kapitänin Nelli Dietrich zunächst traurig gemacht hat. „Doch im Nachhinein ist es nachvollziehbar. Wir wollten kein zusammengekauftes Team und wenn jetzt Francis und Lisa stärker im Job aufgehen, können wir das nur schwer ausgleichen“, sagt sie und fügt hinzu: „Wir können stolz sein, auf das was wir erreicht haben.“

Die 25-Jährige überlegt noch, ob sie – wie einige ihre Teamkolleginnen – noch ein paar Jahre Erstliga-Basketball spielt. Das werde sich bald entscheiden. Sie habe aber noch einige Verpflichtungen im Verein. Zudem hat die angehende Grundschullehrerin bereits einen Job in einer Lagener Grundschule. Möglich ist aber auch, dass sie sich der bisherigen zweiten Mannschaft anschließt, die in der Zweiten Liga spielt. Nelli Dietrich: „Es war ein Traum für seinen Heimatverein in der ersten Liga zu spielen.“

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