„Reizen würde es mich schon noch einmal“

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Josef Hasenöhrl hält die Medaille in der Hand, die es beim ersten von der STG Frankfurt veranstalteten Marathonlauf 1975 gab.

Frankfurt – 15.000 Läufer haben sich für den Frankfurt Marathon am kommenden Sonntag angemeldet. Zum 30. Mal, wie die Veranstalter verkünden. Zwar fiel der erste Startschuss für den ältesten deutschen Stadtmarathon am 17. Mai 1981, doch Marathons gab es in Frankfurt schon früher. Von Norman Körtge

Auch das Plakat von damals hat Hasenöhrl aufgehoben.

Josef Hasenöhrl gehört zu den Veteranen des Frankfurter Marathonlaufs. Der heute 83-Jährige war am Start als am 16. November 1975 in der Otto-Fleck-Schneise am Waldstadion der erste Startschuss für die 42,195 Kilometer lange Strecke fiel. Veranstalter war die Sudetendeutsche Turngemeinde Frankfurt (STG). Als Sudetendeutscher und erst 1973 in die Bundesrepublik geflohener Mann fühlte er sich in dem 1963 gegründeten Verein wohl und arbeitete als Pressewart mit. Drei dicke Ordner und mehrere Kartons voll mit Erinnerungen an die ersten Marathonläufe in Frankfurt lagern in seinem Keller.

Zu den größten Problemen gehörten über Nacht entwendete Beschilderungen oder nicht mehr vorhandene Verpflegungsstellen mit Bananen“, erzählt Hasenöhrl von den Sorgen der Veranstalter. Zunächst nur einmal, später sogar zweimal – im Frühjahr und im Herbst – richtete die STG die Marathonläufe aus. Die Strecke verlief größtenteils durch den Wald. Zu den Erinnerungsstücken an die Läufe gehören Medaillen oder Messingteller mit Einprägungen. Dass es eine ganze Reihe von Marathonläufen waren, die die STG veranstaltete, beweist ein kleiner Pokal mit der Aufschrift „13. Internationaler Frankfurter Marathonlauf, 18. September 1983“.

Mit 82 Jahren den letzten Marathon gelaufen

Den Namen „Internationaler Frankfurt Marathon“ verkaufte der Verein in den achtziger Jahren an die Farbwerke Höchst. „5000 D-Mark haben wir damals bekommen“, erinnert sich Hasenöhrl. Viel Geld damals und die STG habe das Geld bitter nötig gehabt.

Josef Hasenöhrl selbst läuft Marathon seit dem er 22 Jahre alt ist. Den Frankfurter Stadtmarathon hat er allerdings noch nie absolviert: „Ich laufe lieber auf Sand statt auf Asphalt“, sagt er. Seinen letzten Marathon ist er im vergangenen Jahr als 82-Jähriger im tschechischen Reichenberg gelaufen. „Da war ich aber nicht mehr so schnell“, winkt er ab. Über die 4:43 Stunden redet er offensichtlich nicht so gerne. Vielmehr über seine Bestzeit in den Siebzigern. Da lief er die Strecke in 2:45 Stunden.

Das ist irgendwann wie eine Sucht“, erzählt er. Die genaue Anzahl an Marathonläufen kann er nur schätzen: „200 sind es bestimmt gewesen. Es können aber auch 300 sein.“ Ob er noch mal einen laufen wird, weiß er nach langem Krankenhausaufenthalt noch nicht. „Aber reizen würde es mich schon noch mal“, sagt er mit einem Lächeln.

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