Nach Flitterwochen wieder an gute Leistung heran kämpfen

Frankfurter Radprofi John Degenkolb bereitet sich auf neue Saison vor

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Blick in die Zukunft: 2014 will John Degenkolb international wieder ganz vorne mit dabei sein.

Region Rhein-Main – Die Flitterwochen hat John Degenkolb nachgeholt und die ersten Trainings-Kilometer hinter sich. Und ganz nebenbei wurde er noch zu Frankfurts Sportler des Jahres gewählt. Von Dirk Beutel 

Die Gelenke müssen geschmeidig bleiben. Da können die Wellen noch so anmutig rauschen und die Sonne noch so gütig scheinen. Auf den Seychellen hat Radprofi und Wahl-Frankfurter John Degenkolb seine Flitterwochen nachgeholt und dort die Seele baumeln lassen. So völlig abschalten ging dann aber doch nicht. Sogar im Paradies ließ er es sich nicht nehmen, in die Pedale zu treten. „Aber diese Kilometer werden nicht im Trainingsprotokoll aufgenommen“, sagt der Gewinner des Kultradrennes Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt von 2011.

Mittlerweile hat der gebürtige Geraer Flip-Flops gegen Thermokleidung getauscht und den Taunus als idealen Trainingsparcours für sich entdeckt. „Ich habe jetzt lange nichts mehr gemacht. Da ist es doch ziemlich schleppend wieder in die Spur zu finden.“ Schwerpunkte setzt der Radprofi zurzeit auf Athletik und Krafttraining. „Ideal, dass gerade mein kleiner privater Kraftraum fertig geworden ist.“ Joggen, Gymnastik und jeden zweiten Tag geht´s aufs Rad. Bereits Anfang Februar will der 24-Jährige die neue Saison in Angriff nehmen.

An Leistungen der vergangenen Saison anknüpfen

Und die soll so stark werden, wie die vergangene, mit konstant guten Leistungen. Wie bei den Paris-Bourges, die er für sich entschieden hatte. Oder dem Sieg bei den 18. Hamburger Vattenfall Cyclassics. Seit Erik Zabel 2001 konnte kein Deutscher mehr dieses Rennen für sich entscheiden. Zuvor gewann der Kapitän vom Team Argos-Shimano noch eine Etappe des Giro d’Italia. Nicht zu vergessen der zweite Platz der siebten Etappe bei der Tour de France. Die Krönung war aber sicherlich der Sieg bei der 107. Austragung des Herbstklassikers Paris-Tours. Nach 235 Kilometers spurtete Degenkolb im Massensprint seine Gegner nieder und sicherte sich damit erst als fünfter deutscher Radprofi den Sieg in Tours. Zuletzt stand dort Erik Zabel 2005 ganz oben auf dem Treppchen.

Jetzt aber richtet der Radprofi den Blick auf die neue Saison. Natürlich wieder im Rennkalender dabei: Das Kult-Rennen um den Finanzplatz Eschborn-Frakfurt. „Das steht ganz weit oben auf meiner Prioritäten-Liste. Ich wohne gerade mal 500 Meter entfernt vom Start, für mich gibt´s überhaupt kein besseres Heimspiel.“ Auf der Liste findet sich auch Degenkolbs zweite Teilnahme bei der Tour de France. Dabei wird er weiterhin für das niederländischen Team Argos-Shimano an den Start gehen. „Ich habe meinen Vertrag, der zum Ende des Jahres ausläuft, für drei Jahre verlängert“, sagt Degenkolb. Dort fühle er sich nicht nur wohl, auch die klare Position gegen Doping hat sicher eine Rolle gespielt. Degenkolb: „Dort kann ich meinen Sport so betreiben, wie ich mir das vorstelle. Denn ich will meine Ziele erreichen, ohne mir irgendein Zeug zuzuführen.“

Neues Image für den Radsport

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Längst gehört er zu einer Gruppe junger talentierter Radprofis, die versuchen, ihrem Sport ein neues, sauberes Image zu verpassen: „Wir sind momentan die Leidtragenden, was in der Vergangenheit passiert ist. Es wird noch ein langer Prozess, bis sich neue Sponsoren finden und das Fernsehen wieder Rennen live übertragen wird. Wenn es zu wenig Profiteams gibt, sehe ich da auch Probleme für Nachwuchsfahrer, denen einfach keine Perspektive gegeben wird.“

Perspektive scheint der junge Musterathlet schonmal in seiner neuen Heimat Frankfurt gefunden zu haben: Obwohl der 24-Jährige erst seit gut einem Jahr am Main lebt, wurde er prompt zum Sportler des Jahres gewählt. Er setzte sich gegen Vorjahressieger Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch und Eintracht-Frankfurt Star-Alexander Meier durch. Ein guter Einstand.

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