PS-Raketen fahren in der Erfolgsspur

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Kurt Hock (links) und Beifahrer Enrico Becker.

Taunus – Das Gespann Kurt Hock und Enrico Becker vom Motorsportclub Bad Homburg gehört bei den Seitenwagenfahrern – den so genannten Sidecars – zur absoluten Weltspitze. Bei Tempo 260 müssen sich die Motorsportfreaks auf ihrer „Rakete“ blind aufeinander verlassen können. Von Jörn Polzin

Wenn Kurt Hock an den 18. Juli 2010 denkt, bekommt er glänzende Augen. An diesem Tag löste er ein Versprechen ein und schrieb Geschichte. „Wenn ihr alle morgen zum Rennen kommt, dann fahre ich aufs Treppchen“, verkündete Hock vor dem Grand Prix auf dem Sachsenring. Und der Oberurseler legte noch einen drauf. „Ihr wisst ja, dass ich auf dem Podest am liebsten in der Mitte stehe.“ Die Fans applaudierten – und Hock hielt Wort. Von Startposition zwei setzte er sich mit Ersatz-Beifahrer Michael Hildebrand an die Spitze und fuhr einen ungefährdeten WM-Sieg heraus. Unter dem Jubel von 90.000 begeisterten Zuschauern an der Strecke. „Mittlerweile zählen wir zu den vier Top-Gespannen auf der Welt“, erzählt Hock.

Seit 33 Jahren ist er im Rennzirkus unterwegs, stets als Seitenwagenfahrer. Seit sieben Jahren bildet der 50-Jährige mit dem 22 Jahre jüngeren Enrico Becker ein Gespann. „Mein Jüngster“, wie Hock väterlich ergänzt.

Kurt Hock (links) und Beifahrer Enrico Becker.

Bei Tempo 260 wird den Piloten ein Höchstmaß an Konzentration und Mut abverlangt. Vor allem die Beifahrer leben gefährlich. Nur einzelne Metallgriffe dienen als Halt. Während der Fahrer am Lenker mit Gas und Bremse das Tempo vorgibt, sorgt der Beifahrer im Seitenwagen durch Gewichtsverlagerung für die richtige Lage. „Wir müssen uns hundert Prozent aufeinander verlassen können“, betont Hock. Becker ist erst sein dritter Beifahrer in mehr als drei Jahrzehnten. Während eines Rennens verzichten die Piloten auf Kommandos, die Überholmanöver erfolgen intuitiv. Verletzungen bleiben da nicht aus. Becker zog sich im vergangenen Jahr einen Fußbruch zu, konnte beim Erfolg auf dem Sachsenring nur zuschauen. „Aber nach acht Wochen war er schon wieder fit und wollte schnell gefahren werden“, sagt Hock.

Im Kreis der Favoriten bei der Weltmeisterschaft

In ihrer Friedrichsdorfer Werkstatt schrauben Kurt und Helmut Hock täglich an der Rennmaschine. Seit 40 Jahren ist Hock Senior Konstrukteur vieler Gespanne und die gute Seele des Familienbetriebs. „Er hat mich früh mit dem Bazillus angesteckt, schon als Kleinkind war ich mit an der Strecke“, erzählt Hock junior. Alle Reparaturarbeiten an der 185 PS starken „Geldvernichtungsmaschine“, wie Kurt Hock sein Sportgerät nennt, werden selbst erledigt. Denn trotz der Erfolge bleibt das Hobby ein Verlustgeschäft. „Bei 300 Euro Startgeld bekommt der Sieger eines Rennens nur 280 Euro“, sagt Hock, „der Materialverschleiß ist da nicht eingerechnet.“ Den Traum vom Profifahrer hat der Gießereileiter schnell aufgegeben. Dazu fehle es an Sponsoren und entsprechender Medienpräsenz.

In der Gesamtwertung zur Internationalen Deutschen Meisterschaft liegt das Gespann auf dem ersten Platz, bei der WM zählen Hock/Becker zum Favoritenkreis. Mitte Juli geht es wieder auf den Sachsenring. „Da will ich natürlich meinen Sieg wiederholen“, sagt Kurt Hock. Diesmal mit Enrico Becker an seiner Seite.

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