Warum auch das Herz trainierter Menschen in Gefahr ist

Plötzlicher Herztod: Ist Sport doch Mord?

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Marathon-Läufe werden immer beliebter. Vor allem Breitensportler unterschätzen jedoch die Anstrengung und die wichtige Vorbereitungsphase.

Region Rhein-Main – Er kommt schnell und ohne Vorwarnung: Der plötzliche Herztod. Immer wieder sind auch Sportler betroffen. Der EXTRA TIPP klärt auf, warum auch das Herz trainierter Menschen in Gefahr sein kann. Von Dirk Beutel 

Sie sind fit, sie sind gesund – trotzdem sterben immer wieder Leistungs- und Breitensportler an einem plötzlichen Herztod. Von einem auf die andere Minute sacken sie zusammen, verlieren das Bewusstsein, das Herz hört auf zu schlagen. Ein heimtückischer Tod. „Das ist wie als ob man bei einem Mensch den Stecker zieht“, sagt Lothar Böckler, Allgemeinmediziner am Sportmedizinischen Institut  in Frankfurt.

Der direkte Auslöser eines plötzlichen Herztodes ist meistens das Kammerflimmern. Durch diese Herzrhythmusstörung pumpt das Herz nicht mehr regelmäßig, sondern zuckt nur noch unkoordiniert.

Meist angeborener Fehler

Meist leiden die Betroffenen an einer angeborenen Fehlbildung des Herzmuskels, die bis dahin nicht erkannt wurde, oder der Herzmuskel ist krankhaft verdickt, weil ein Infekt, wie etwa eine Grippe, übergangen wurde. „Allerdings kommen diese Fälle sehr selten vor. Sie machen nur drei bis sechs Prozent der Herztode aus“, sagt Böckler.

Bis zu einer Stunde nach dem Sport kann es noch zu einem Herztod kommen. Böckler: „Trotzdem: Ein plötzlicher Herztod kann immer passieren. Da gibt es kein Zeitfenster. Es kommt immer auf die verschiedenen negativen Faktoren an, die ein Betroffener aufzeigt.“ Dazu gehören neben einem vorerkrankten Herzen auch Übergewicht, Stress, Rauchen, ein hoher Cholesterinspiegel.

Krankes Herz bleibt meistens unentdeckt

Ein krankes Herz bleibt bei den meisten Breitensportlern unentdeckt. Obwohl dem Herztod fast immer ein erkranktes Herz voran geht, kommt er bei den meisten Betroffenen unerwartet. Sie ahnen selten vorab etwas davon, denn Vorerkrankungen bleiben bis dahin meist unentdeckt. Trotzdem gibt es Vorboten: „Dazu gehören Schmerzen oder ein beklemmendes Gefühl in der Brust, Bewusstseinstrübung, Übelkeit, starkes Herzklopfen und Luftnot“, sagt Böckler. Der Experte rät: „Regelmäßig vom Hausarzt durchchecken lassen! Denn jeder ist für sich verantwortlich.“ Schon Männer ab 35 Jahren sollten damit anfangen, denn ab diesem Alter stellen koronare Herzerkrankungen, also eine Verkalkung der Herzkranzgefäße, die häufigste Ursache für einen plötzlichen Herztod dar. „Falls es tatsächlich zu einem Herztod vor dem 35 Lebensalter kommen sollte, handelt es sich meist um ein angeborenes Problem“, sagt Böckler. Ebenfalls betroffen sind Frauen, wenn auch nicht ganz so häufig wie Männer. „Das hängt mit dem Alter und einem verminderten Östrogenschutz zusammen“, sagt Böckler.

Leistungssportler hingegen werden regelmäßig medizinisch untersucht. Wenn die Sportart im Olympischen Sportbund vertreten ist, gehört auch Lothar Böckler zu den Prüfern: „Mindestens einmal im Jahr gibt es einen Routine-Check.“ Dennoch betont der Mediziner, dass Sport nicht gefährlich für das Herz ist. Wichtig: „Bei körperlichen Beeinträchtigungen muss man sich immer auch schonen. Es bringt nichts, wenn man krank ist und dann sein Training knallhart durchzieht. Man darf nichts erzwingen.“

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