Pilgersteine für Fußball-Fans mit viel Hang zur Tradition

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Sebastian Bona tritt nicht nur gerne gegen den Ball. Er setzt sich für die Fußballtradition ein. 

Region Rhein-Main – Kommerz gegen Tradition – darüber wird unter Fußball-Fans viel diskutiert. Einer, der nicht nur redet, sondern handelt, ist Sebastian Bona. Der Rodgauer setzt der ersten Deutschen Fußballmeisterschaft im Jahr 1903 Denkmäler – und recherchiert dafür akribisch. Von Norman Körtge

Der erste Pilgerstein steht in Hamburg-Altona. Dort fand 1903 das Endspiel um die erste Deutsche Fußballmeisterschaft statt.

Als gebürtigen Leipziger kann es für Sebastian Bona nur einen Verein geben, für den sein Fußballer-Herz schlägt: Lokomotive Leipzig. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, dann fährt der Rodgauer gerne zu den Spielen des Regionalligisten ins historische Bruno-Plache-Stadion der sächsischen Metropole. Es ist vor allem die Tradition, die ihn zu diesem Verein treibt und eben nicht zum RB Leipzig, der mit viel Geld die Bundesliga anstrebt. Und die Tradition ist bei Lok Leipzig groß. Immerhin wurde der Vorgängerverein VfB Leipzig 1903 der erste Deutsche Fußballmeister.

Das hat mich schon immer elektrisiert“, erzählt der 29-jährige Ingenieur. Bei einem Hamburg-Besuch im Jahr 2010 wollte er der Tradition ganz nah sein. Er suchte das Spielfeld, auf dem sein Lieblingsverein vor mehr als 100 Jahren zum ersten Mal Deutscher Meister geworden ist. Denn das Endspiel gegen den Deutschen Fußballclub Prag fand auf neutralem Boden in dem damals noch nicht zu Hamburg gehörenden Altona statt. Keine einfache Aufgabe. Denn das Spiel wurde auf dem Alten Exerzierplatz ausgetragen. Fußballstadien wie heute gab es damals in Deutschland noch nicht. Doch auf dem Exerzierplatz war ein Gewerbegebiet entstanden. Bona glich alte und aktuelle Karten miteinander ab, verglich Straßenzüge und Friedhofsgrenzen miteinander. Schließlich war er sicher. An der Rodenbarg 6, wo heute eine Druckerei ihren Sitz hat, feierten die Leipziger 1903 die Deutsche Meisterschaft. Traurig war Bona nur, dass nichts an das damalige Ereignis erinnert.

Das wollte er ändern. Die Idee einen Gedenkstein zu setzen, viel auf fruchtbaren Boden. Er findet Anhänger und sammelt genügend Spenden. Auch die Inhaber der Druckerei waren einverstanden. Im September 2011 war es soweit. Im Beisein von Vertretern von Lok Leipzig wurde der Gedenkstein enthüllt.

Für Bona war es der Startschuss für seine Initiative 1903 (www.initiative1903.de): „Ich möchte an alle Vereine erinnern, die 1903 an der Endrunde teilnahmen. Den Altonaer FC, Britannia Berlin, den Magdeburger FC, den Karlsruher FV, den Deutschen Fußballclub Prag und eben den VfB Leipzig. Ziel ist es, eine Pilgerstein-Serie zur ersten Deutschen Fußballmeisterschaft aufzubauen."

Den zweiten Standort weihte Bona im August diesen Jahres in seiner alten Heimat Leipzig ein. Dort war allerdings der genaue Ort, wo Anfang des 20. Jahrhunderts gespielt wurde, trotz intensiver Recherche nicht mehr eindeutig lokalisierbar. „Ich habe mich dazu entschlossen, den Stein im Bruno-Plache-Stadion zu enthüllen. So ist er ganz nah bei den Fans“.

Mittlerweile ist auch der Deutsche-Fußball-Bund auf die Initiative 1903 aufmerksam geworden. 2000 Euro aus der Kultursstiftung soll es für das Projekt geben, das nächstes Jahr in Karlsruhe fortgesetzt werden soll.

Über weitere Mitstreiter würde sich Bona freuen. Er glaubt, dass es in der Region mehr traditionsbewusste Fußball-Fans gibt. Besonders schätzt Bona, der beim TSV Dudenhofen mittrainiert, Darmstadt 98 und die Offenbacher Kickers. Bei Letzteren vor allem das Fan-Museum.

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