Ohne Gewalt aber mit der Faust

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Gebannte Blicke auf den Ball: Wo wird dieser gleich hingeprellt?

Hofheim – Zweier-Prellball hört sich nicht gerade nach einer spannenden Sportart an. Aber wer dem Spiel der Männer beim TV Lorsbach zuschaut, ist schnell fasziniert von den vielen Raffinessen und der Schnelligkeit. Von Norman Körtge

Es wird gefrotzelt, es wird gelacht und es wird sich geärgert, wenn der Ball nicht da landet, wo er hingeprellt wurde – die sechs Herren in den blauen Shirts, die sich am vergangenen Montagabend in der Sporthalle des TV Lorsbach treffen, sind voll in ihrem Element. Sie spielen Zweier-Prellball aus Leidenschaft.

Die Regeln lassen die Dynamik des Spiels nicht erahnen: Zwei Zweier-Teams stehen sich auf einem 14 Meter langen und sechs Meter breiten Spielfeld gegenüber, das durch ein Band in 35 Zentimetern Höhe in zwei Hälften geteilt ist. Der aufschlagende Spieler prellt den Ball mit der Faust so ins eigene Spielfeld, dass er über das Band inm gegnerischen Feld landet. Dort nimmt ihn ein Gegenspieler mit der offenen Hand oder der Faust an, prellt ihn zum Mitspieler, der den Ball mit der Faust wieder so im eigenen Feld aufdotzen lässt, das er zum Gegner zurückspringt.

„Das Schöne ist, dass Prellball in jedem Alter gespielt werden kann“, sagt Karl-Heinz Brestel. Mit 76 Jahren ist er einer Ältesten in der zehn Mann umfassenden Lorsbacher Prellball-Runde. Doch das Alter sagt in diesem Fall gar nichts über die Agilität aus, die das Spiel entfaltet.

Da wird der Ball mal ganz flach über das Band geprellt, so dass sich der Gegenspieler tief bücken muss, dann folgt eine hohe Bogenlampe, die den Kontrahenten bis ans Ende des Spielfelds treibt. Und Brestel lässt sich dann auch mal hinreißen, in Boris-Becker-Manier einem Ball nachzuhechten, um ihn seinem Mitspieler noch zuzuspielen. Zweimal fünf Minuten ist die Spielzeit.

Einfach mit Gewalt auf den Ball zu schlagen, bringe nicht viel, erzählt Brestel. Statt dessen lässt man mit Gefühl, Geschicklichkeit und viel Erfahrung den Gegner ins Leere laufen.

Der gebürtige Lorsbacher spielt seit der Jugend Prellball beim Turnverein. Die Wurzeln der Lorsbacher Prellballgruppe reichen bis in die 50er Jahre zurück, als die jüngeren Geräteturner, um nach dem strengen Geräteturnen ein wenig Spaß zu haben, zum Prellball griffen. Dabei ist es geblieben: Trotz des sportlichen Ehrgeizes, den die Männer im Alter zwischen 49 und 77 Jahren Montagabends ab 20 Uhr an den Tag legen – sie machen es nur aus Spaß am Sport. Am Ligabetrieb und an Turnieren nehmen sie nicht teil, spielen nur untereinander gegeneinander.

Beim TV Lorsbach gibt es auch eine Prellball-Damengruppe. Die trifft sich jeweils dienstags um 19 Uhr in der Halle des TV Lorsbach. Infos www.tvlorsbach.de.

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