Luca Antonio Cinqueoncie ist jüngster Box-Profi Deutschlands

Offenbacher Bub will sich zum Weltmeister boxen

Luca Antonio Cinqueoncie schlägt im Challenge Club Offenbach auf den Boxsack ein. Hier lernte er den Sport von der Pike auf. Foto: oh

Luca Antonio Cinqueoncie ist die deutsche Nachwuchshoffnung im Supermittelgewicht. Der EXTRA TIPP traf sich mit ihm sowie seinem Vater Michael Cinqueoncie dort, wo alles begann – im Challenge Club Offenbach. Von Oliver Haas

Region Rhein-Main – Was ein Boxer macht, wenn eine Sehne des rechten Daumens während des Kampfes reißt? Ganz klar: Er boxt einfach mit links weiter – und gewinnt! Diese simple Strategie verfolgte kürzlich Supermittelgewicht-Boxer Luca Antonio Cinqueoncie bei seinem Sieg über Kenan Penjic in Wiesbaden. Er sorgt derzeit für Aufsehen in der deutschen Boxszene. Der Offenbacher ist mit 17 Jahren seit Oktober 2018 der jüngste Boxer in der Welt des deutschen Profiboxsports. Erst am 24. August wird er volljährig. „Es war sehr schwierig für uns, die Lizenz zu bekommen. Da mussten einige Hürden beim deutschen Boxverband genommen werden“, sagt sein Vater und Manager Michael Cinqueoncie, der einst selbst für die Offenbacher Kickers in der zweiten Bundesliga boxte. Sein Sohn will noch höher hinaus, den ganz großen Box-Coup laden: „Ich hoffe, dass ich mal eine Chance auf einen Box-WM-Kampf bekomme. Aber ich muss mich natürlich Schritt für Schritt nach oben arbeiten“, sagt der Offenbacher Bub. Dabei will er mit der richtigen klugen Strategie und weniger mit brachialer Gewalt die Schwächen seiner Gegner auszunutzen: „Meine Stärke ist meine Größe. Momentan bin ich 1,90 Meter. Habe lange Arme und eine große Reichweite. Ich bin kein K.O-Puncher, sehe mich eher als Techniker.“ Er schaue sich zunächst ganz genau an, wie sein Gegner boxt, um dann gezielt in die offenen Lücken zu schlagen. Das läuft bislang außerordentlich gut. Alle seine fünf Profikämpfe konnte er gewinnen. Vier mal schlug er seinen Gegner k.o. Trainiert wird er von Magomed Schaburow, der auch einst Felix Sturm am Ring betreute.

Kein Wunder, dass das Team Cinqueoncie schon von den ganz spektakulären Triumphen träumt: „Ganz klar: Wir wollen einen großen Titel. Egal ob im Verband der WBC, IBO oder auch WBF“, sagt Vater Michael Cinqueoncie. Bei allem Ehrgeiz ist ihm aber vor allem eines wichtig: „Erst kommt der Beruf und dann das Boxen!“ Heißt: Sein Sohn, der auf der Offenbacher Theodor-Heuss-Schule sein Fach-Abi machte, hat neben der Boxerkarriere jetzt auch eine Lehre als Bürokaufmann in seiner Firma gestartet. „Danach möchte ich als Plan B zum Boxen noch Bauingenieurwesen studieren“, sagt Luca. Sich nur auf das Boxen zu konzentrieren sei viel zu riskant, warnt sein Vater. So oder so wird Luca dem Boxen wohl ewig verbunden bleiben. Er will einen Trainerschein machen. Schon jetzt trainiert er die Kindergruppen im Challenge Club Offenbach.

Vater Michael erhofft sich durch seinen gutaussehenden und redegewandten Sohn, dass der Boxsport in Deutschland wieder salonfähig wird: „Wir wollen wieder Aushängeschilder haben. Alle erinnern sich an Henry Maske, Graciano Rocchigiani oder Dariusz Michalczewski. Jeder von ihnen war auf seine eigene Art ein Sympathieträger. Deshalb sind die Menschen massenweise in die Arenen gestürmt.“

Und sympathisch kommt Luca definitiv rüber. Er weiß, dass auch Niederlagen und Verletzungen auf seinem Weg zu einem WM-Titel auftauchen werden. „Rückschläge gehören dazu. Als Amateur hatte ich auch ja schon mal verloren. Aber man muss immer nach vorne schauen. Und auch aus jeder Niederlage wird man letztlich stärker. Man lernt dazu, sieht wo die Fehler gewesen sind. Dann arbeitet man im Training daran und macht es im Kampf wieder besser.“

Und Boxen ist für Luca der tollste Sport überhaupt: „Du bekommst dadurch die beste Kondition. Du gehts sicherer durchs Leben, baust Selbstvertrauen auf und wirst anerkannt – gerade hier in Offenbach.“

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