OFC-Talfahrt endet im Freudentaumel

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Und plötzlich ist der Trainer der Star: Der gescholtene OFC-Coach Arie van Lent lässt sich nach der Pokalsensation gegen Düsseldorf feiern.

Offenbach – Kann ein einziges Spiel alles verändern? In Offenbach schon. Hoch oben auf dem Bieberer Berg wurde schon sehr häufig weniger mit dem Kopf, dafür umso mehr mit dem Herzen entscheiden. Auch deshalb lieben die Fans ihre Kickers. Von Peppi Schmitt

Der Verein war in den vergangenen Wochen in einen Abwärtsstrudel geraten, der geradewegs ins sportliche Niemandsland und ins finanzielle Desaster zu führen schien. Bis zum vergangenen Dienstag. Am 18. Dezember wurde wieder einmal Geschichte geschrieben im Offenbacher Stadion auf dem Bieberer Berg – Pokalgeschichte.

2:0 besiegten die drittklassigen Offenbacher den Bundesligisten Fortuna Düsseldorf und stürzten die rund 15.000 OFC-Fans unter den gut 18.000 Zuschauern in einen Freudentaumel. Es war schon der dritte 2:0-Sieg gegen eine höherklassige Mannschaft im diesjährigen Pokalwettbewerb, erst wurde die Spielvereinigung Greuther Fürth rausgeworfen, dann Union Berlin. Und nun eben die Fortuna.

Der Verein kämpft ums Überleben

Und jetzt ist alles anders. Das Spiel hat große Auswirkungen. Finanziell ist der Druck auf die neue Vereinsführung, die vor ein paar Wochen mit der einen oder anderen negativen Begleiterscheinung gewählt worden ist, etwas geringer geworden. Eine gute Million Euro werden die Kickers einnehmen im Viertelfinale, Geld, das sie dringend brauchen, um das angebliche Sechs-Millionen-Euro große Finanzloch wenigstens etwas zu verkleinern. „Der Verein kämpft jeden Tag ums Überleben“, sagt Präsidiumsmitglied Oliver Roth.

Van Lent soll Trainer bleiben

Sportlich gibt der Sieg dem Klub eine Perspektive über den Winter hinaus, nachdem der Aufstiegskampf schon früh ad acta gelegt werden musste. In der dritten Liga nämlich fristen die Pokalhelden des OFC ein Schattendasein, haben mit Aufstieg (17 Punkte Rückstand) sicher und Abstieg (sieben Punkte Vorsprung) aller Voraussicht nach nichts zu tun. Und das ist im Grunde das Schlimmste, was dem Klub passieren kann, bleiben doch die Zuschauer aus. Nur noch 4700 waren zuletzt zum Spiel gegen Tabellenführer VfL Osnabrück gekommen und mussten auch noch eine 1:5-Niederlage mit ansehen.

Der Triumph gegen Düsseldorf hat nicht nur die Stimmung, sondern auch Trainer Arie van Lent den Job gerettet. Mehrere Zeitungen hatten schon über die Entlassung des Holländers berichtet, selbst ein Sieg im Pokal könne ihn nicht retten. Es waren offenbar Falschmeldungen. Denn der Sieg hat alles verändert.

Danach gab es klare Aussagen. „Arie van Lent ist und bleibt unser Trainer“, sagte der neue Präsident Frank Ruhl. „Ich bin Sportdirektor und Arie van Lent bleibt Trainer“, sagt Oliver Roth. Was ein einziges Spiel so alles bewirken kann.

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