Nationalspieler in der sechsten Liga

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Weiß wo‘s lang geht auf dem Platz: Patrick Hinrichsen trainiert für die philippinische Auswahl.

Oberursel – Die Eintracht hat einen Nationalspieler. Was beim Frankfurter Zweitligisten nichts außergewöhnliches ist, ist bei der Oberurseler Eintracht eine kleine Sensation. Patrick Hinrichsen spielt für den Verbandsligisten und für die Auswahl der Philippinen. Von Jörn Polzin

Indonesien oder Sri Lanka? Sea Games oder WM-Qualifikation? Fußballer Patrick Hinrichsen steht vor einer schweren Entscheidung. Der Sohn einer philippinischen Mutter und eines deutschen Vaters brennt auf sein Debüt im Nationaltrikot. Spätestens im Herbst soll sein Traum wahr werden. Dann tritt die U23-Auswahl der Philippinen bei den Sea Games in Indonesien an. „Das ist dort ein riesiges Ereignis, vergleichbar mit den Olympischen Spielen und ich würde sicher häufig zum Einsatz kommen“, sagt der Oberurseler.

Mit einem Auge schielt der 20-Jährige aber auch zur A-Nationalmannschaft, die in Sri Lanka WM-Qualifikationsspiele bestreitet. „Genau genommen sind es die Qualifikationsspiele für die Qualifikation zur WM“, ergänzt Hinrichsen schmunzelnd. Er steht im ständigen Kontakt mit Nationaltrainer Michael Weiß, der beim 156. der FIFA-Weltrangliste einen Umbruch vollzogen hat. Der 46-Jährige hatte in den vergangenen Monaten in Europa nach talentierten Spielern auf europäischen Standard Ausschau gehalten – und wurde fündig. Neben Profis aus Dänemark und den Niederlanden sowie dem Fürther Zweitliga-Spieler Stephan Schröck, wurde auch Verbandsliga-Kicker Patrick Hinrichsen zu den Lehrgängen eingeladen.

Probetraining auf hohem Niveau

„Die Profis spielen natürlich auf einem anderen Niveau, einige kommen aus englischen Internaten. Da kann ich viel lernen.“ Mehrmals stand der Mittelfeldspieler kurz vor seinem Debüt. Zunächst verhinderte eine Magenverstimmung einen Einsatz, dann gab es Probleme mit dem Pass. So musste Hinrichsen die Qualifikationsspiele für den Asien-Cup gegen die Mongolei von der Bank aus verfolgen. „In der Gruppenphase war ich spielberechtigt, aber der Trainer wollte mich nicht verheizen“ erzählt er. Die Partien vor bis zu 20.000 Zuschauern waren für den Oberurseler, der sonst vor rund 200 Anhängern kickt, dennoch ein einzigartiges Erlebnis. Ohne große Erwartungen und mit dürftigen Sprachkenntnissen sei er damals in den Flieger gen Südostasien gestiegen. Und war damit in guter Gesellschaft. „Viele haben nur einen philippinischen Elternteil, daher wurde ausschließlich Englisch gesprochen.“

Auf Anraten seines Trainers absolvierte Hinrichsen kürzlich Probetrainings bei höherklassigen Vereinen aus der Region, um sich an das Niveau auf internationaler Ebene heranzutasten. Angebote aus Indonesien hat er indes ausgeschlagen. Zunächst will der Feldbergschüler im nächsten Jahr sein Abitur machen.

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