DFB setzt Partien bis zur Winterpause aus

Nach Protesten: FSV spielt nicht gegen chinesische U20 

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Die chinesischen U20-Spieler werden vorerst nicht auf den FSV Frankfurt treffen. 

Frankfurt - Für den chinesischen Fußball-Nachwuchs hätte das Spiel beim FSV Frankfurt am Samstag eine neue Bewährungsprobe sein sollen. Doch so weit kommt es nicht: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) setzt alle Freundschaftsspiele der chinesischen U20-Mannschaft bis zur Winterpause aus. 

Der DFB und der Chinesische Fußball-Verband (CFA) hatten vor zwölf Monaten eine Partnerschaft unterzeichnet, um die Verbindung der beiden Verbände zu stärken. Als Teil der Zusammenarbeit war auch eine Serie von Freundschaftsspielen der chinesischen U 20-Junioren gegen Mannschaften der Regionalliga Südwest geplant. Den in Frage kommenden Vereinen stand eine Teilnahme frei. Waldhof Mannheim, die Stuttgarter Kickers und TuS Koblenz lehnten ab. 

Bereits beim ersten Spiel der chinesischen Gäste gegen den TSV Schott Mainz kam es zum Eklat. Aktivisten der Tibet-Initiative Stuttgart hatten am 18. November in der ersten Halbzeit einige Tibet-Fahnen ausgerollt, um auf das Schicksal der Tibeter aufmerksam zu machen. Die chinesischen Nachwuchs-Kicker wollten deswegen zunächst nicht auf den Rasen zurückkehren, spielten erst nach einer knapp halbstündigen Unterbrechung weiter. Der Zwischenfall sorgte anschließend für diplomatische Verstimmungen

Der Sprecher des chinesische Außenministeriums, Lu Kang, forderte von Gastgeber Deutschland mehr Respekt für die chinesischen Besucher. Zuvor hatte der Deutsche Fußballbund (DFB) die Verantwortlichen aus China zu mehr Gelassenheit aufgerufen und darauf verwiesen, dass in Deutschland Meinungsfreiheit herrsche. Tibet gehöre zu den "Kerninteressen" des chinesischen Volkes, betonte der Sprecher allerdings in einer Stellungnahme, die das Ministerium auf der Webseite veröffentlichte. Das Hochland gehöre seit alter Zeit zu China. "China ist entschieden gegen jedes Land, jede Organisation und jedes Individuum, das die anti-chinesischen, separatistischen Aktivitäten der tibetischen Unabhängigkeitskräfte in irgendeiner Form und unter welchem Vorwand auch immer unterstützt."

Tibet ist schon lange ein Konfliktherd. Nach der Machtübernahme der Kommunisten 1949 in Peking und dem Einmarsch der Volksbefreiungsarmee 1950 in Tibet hatte sich die Volksrepublik das Hochland als autonome Region einverleibt. Viele Tibeter fühlen sich politisch, kulturell und wirtschaftlich diskriminiert, während Peking separatistische Bestrebungen in dem Hochland beklagt.

Für das Spiel gegen den FSV hatten die Verantwortlichen mit weiteren Protesten gerechnet. Nach dem Eklat in Mainz wurden zudem vermehrt Stimmen laut, die einen Abbruch der Freundschaftsspiele forderten. Am Freitag reagierte der DFB und sagte alle weiteren Partien bis zur Winterpause ab: "Zum Bedauern aller beteiligten Parteien hat das Projekt nicht die erwartete breite Zustimmung erhalten. Tatsächlich wurde das Projekt von einigen wenigen Zuschauern genutzt, um Botschaften zu setzen, die von der chinesischen Mannschaft, den Offiziellen, dem Betreuerstab des Chinesischen Fußball-Verbandes und auch den chinesischen Zuschauern als verletzend empfunden wurden. Weil nun beiden Verbänden substanzielle Hinweise auf weitere Eskalationen vorliegen, kommen DFB und CFA zum Schluss, dass diese Entwicklung nicht im Einklang mit den ursprünglich angedachten Zielen und Absichten der Freundschaftsspielserie steht. Nach einer umfangreichen Bewertung der Situation haben sich beide Fußballverbände daher gemeinsam dazu entschlossen, die noch für das Jahr 2017 geplanten Freundschaftsspiele der chinesischen U 20 gegen FSV Frankfurt, TSG Hoffenheim II und Wormatia Worms auf das Jahr 2018 zu verschieben", teilte der DFB mit. 

DFB Vizepräsident Ronny Zimmermann bedauerte den Schritt und erklärte: „ Dennoch erachten wir die Verschiebung für zwingend, denn so schaffen wir ausreichend Zeit, um die neu entstandene Situation in aller Ruhe und Offenheit zu besprechen und um im Sinne des Sports eine vernünftige Lösung zu finden.“ (skk/dpa)

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