„Die verpasste EM-Qualifikation wundert keinen“

Handball-Trainer aus der Region fordern besseres Fördersystem

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Auch der Kantersieg mit 38:19 gegen Israel hat nichts mehr genutzt. Hier setzt sich Patrick Wiencek gegen Chen Pomeranz (links) und Omer Davda durch.

Region Rhein-Main – Zum ersten Mal hat sich ein deutsches Handball-Team nicht für eine Europameisterschaft qualifiziert. Dazu die verpasste Olympia-Teilnahme. Möglicherweise der Beginn einer Durststrecke, denn auch die Qualifikation für die Weltmeisterschaft nicht einfach. Von Dirk Beutel

Bei den Drittliga-Trainern der Handballclubs im Rhein-Main-Gebiet hat das Fiasko keine große Verwunderung ausgelöst. Im Gegenteil: Man hat damit gerechnet. „Dass Deutschland bei der Qualifikation gescheitert ist, war ein nötiger Warnschuss“, sagt Thomas Gölzenleuchter, Trainer der TSG Münster. „Es wird Zeit, dass die festgefahrenen Strukturen beim Deutschen Handballbund endlich aufbrechen.“ Gölzenleuchter, dessen Mannschaft den Abstieg aus der dritten Bundesliga nicht verhindern konnte, legt selbst großen Wert auf die Ausbildung talentierter Eigengewächse.

Niemand fördert ohne Kompromisse

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Ähnlich sieht es Tim Beckmann, Trainer des TV Groß-Umstadt, der mit seiner Mannschaft in letzter Minute den Verbleib in der dritten Bundesliga sichern konnte: „Was wir brauchen, ist ein neues Sportfördersystem. Gerade in der Leistungsspitze gibt es im Handball keine Vereinsstrukturen, die bereit sind, kompromisslos zu fördern.“
Auch den Proficlubs in der ersten Liga, immerhin die stärkste Handballliga der Welt, gibt Beckmann eine Teilschuld: „Das Geschäft ist dort sehr schnelllebig. Es ist einfacher einen fertigen Spieler aus dem Ausland zu kaufen, als in ein junges Talent Zeit und Vertrauen zu investieren.“ Außerdem sei es durch die hohe Leistungsdichte in der Bundesliga immer schwerer für deutsche Nachwuchsspieler Fuß zu fassen.

Der Niedergang kann eine Chance sein

Die gleiche Meinung kommt von Alexander Hauptmann, Trainer der HSG Nieder-Roden: „Wir haben zuwenig von der Euphorie des WM-Siegs von 2007 mitgenommen.“ Doch er sieht in der derzeitigen Situation durchaus Potenzial: „Das ist jetzt die Chance für einen Umbruch, aus dem man gestärkt hervorgehen kann.“ Allerdings müsste sich dazu die Einstellung des Deutschen Handballbundes und die der Proficlubs grundlegend ändern. „Mehr Leistungsstützpunkte, mehr Investitionen in die eigenen Leute und dann haben wir vielleicht in zehn Jahren wieder eine Top-Nationalmannschaft die um Titel mitspielen kann.“

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