Münch ist auf das Pferd gekommen

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Markus Münch mit seiner zweijährigen Stute „Agent Mimi“.

Frankfurt – Am Sonntag beginnt wieder die Saison auf der Galopprennbahn in Frankfurt. Für den Ex-Bundesliga-Profi und jetztigen Rennstallbesitzer Markus Münch ist das zwar noch zu früh, aber seine Pferde sollen trotzdem bald an den Start gehen. Von Dirk Beutel

Der zweijährige „Boy Collins“ macht Tierphysiotherapeutin Anke Kutscha einige Sorgen. Das englische Vollblut hat eine Schwellung am rechten Vorderbein. Kutscha packt zwei Blutegel aus und setzt sie an der Stelle an. Die beiden Blutegel beißen gleich an, saugen Blut und sorgen gleichzeitig durch ihren Speichel für eine baldige Wundheilung.

Markus Münch hält während der etwa halbstündigen Behandlung das Pferd still. Mit seinem Tor 1996 hielt er Bayer Leverkusen in der Ersten Fußball-Bundesliga. Mit Panathinaikos Athen spielte er in der Champions League und feierte dort Pokalsieg und Meisterschaft. Heute züchtet und trainiert der ehemalige Fußballprofi Rennpferde und besitzt seit knapp zwei Jahren einen Pferderennstall. Das sei aber nichts ungewöhnliches. Auch Werder Bremens Manager Klaus Allofs und Stürmer Claudio Pizzaro besitzen Rennpferde.

Vor fast zwei Monaten ist der 39-Jährige mit seinen Pferden und seinem Team komplett von Mannheim nach Frankfurt gezogen. „Wir haben hier bessere Bedingungen, um zu trainieren“, sagt Münch: „Die Bahn ist größer und die Bahnen breiter“. Trotzdem lebt er mit seiner Familie weiterhin in Heidelberg und pendelt jeden Tag. Sein altes Fußballerleben hat er hinter sich gelassen. Jetzt zählen für ihn nur noch seine Rennpferde.

Ein Trainer, aber kein guter Reiter

Zwei Blutegel behandeln die Schwellung bei Profirennpferd „Boy Collins“.

Die Tiere sind wie Profisportler. Sie müssen jeden Tag trainieren und gepflegt werden“, sagt Münch. Der Ex-Bayern-München-Spieler besitzt fast ausschließlich junge Pferde, die kaum ein echtes Rennen gelaufen sind. „Sie haben alle viel Talent. Die Kunst ist, es zu erkennen und gezielt zu fördern.“ Münch hat einen Trainerschein für Besitzer gemacht. Das heißt, er darf nur die eigenen Pferde betreuen. Als besonders guter Reiter hat er sich allerdings nicht hervorgetan, muss aber auch nicht sein: „Ein guter Trainer muss nicht zwingend selbst einmal Profi gewesen sein“, sagt Münch und zieht Parallelen zur Bundesliga: „Nehmen wir Ralf Rangnick. Er hat selbst nie im Profifußball gespielt und trainierte trotzdem große Mannschaften.“

Die Arbeit und das tägliche Training ist für Münch eine echte Erfüllung. Auch wenn ihn das Zockerimage in Deutschland etwas stört. Das ist in England und Frankreich anders. Natürlich gehöre das Wetten dazu, doch der Sport dürfe nicht darunter leiden, sondern solle vielmehr ein Familienereignis sein, mit etwas mehr Fernsehpräsenz. Dass etwa im vergangenen Jahr ein deutsches Pferd eines der wichtigsten Pferderennen, den Prix de l'Arc de Triomphe, gewonnen habe, habe hierzulande niemand mitbekommen.

Mit dem 1. April startet die Saison auf der Galopprennbahn in Frankfurt, in deren unmittelbarer Nähe Münchs Rennstall mit 27 Boxen und elf Pferden seinen Sitz hat. Noch sei es für seine Vollblüter aber zu früh. Sie werden ihre Wettkämpfe wahrscheinlich erst ab Mai bekommen.

Fußball beobachtet Münch weiterhin, zumindest privat: „Vor allem die Champions- League-Spiele schaue ich mir gerne an“. Bundesligapartien sind nicht mehr so wichtig für ihn. Trotzdem schlägt sein Herz für Bayern München. Auch wenn es im aktuellen Kampf um die Meisterschaft geht, wo Borussia Dortmund die Nase vorn hat: „Ich bin zwar neutral, aber mir ist rot immer noch lieber als gelb.“

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