Schattendasein des Motorsports

MSC Diedenbergen sucht Speedway-Nachwuchs

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Wie hier in Hofheim-Diedenbergen treten bei den Speedway-Rennen immer vier Fahrer gegeneinander an.

Hofheim –  Fußballspiele, Handballturniere und Tennis-Matches gibt es in jedem Ort im Rhein-Main-Gebiet. Speedway-Rennen nur in Diedenbergen. Aber der Motorsport darbt ein Schattendasein. Von Norman Körtge 

Schon als fünfjährigen Bub zog es Steffen Grell aus dem Ort hinauf zur Speedway-Bahn des MSC Diedenbergen. Der Klang der Motoren, die Geschwindigkeit, das Driften durch die Kurve – all das hat den heute 44-Jährigen schon damals fasziniert. Er ist dem Motorsport vor der Haustür nicht nur treu geblieben, er hat auch Verantwortung übernommen. Seit wenigen Wochen ist Grell der neue Vorsitzende des Motorsportclubs. Bereits seit Anfang des vergangenen Jahres hatte er als stellvertretender Vorsitzender – nach dem Rücktritt von Wolfgang Ziller – die Geschäfte kommissarisch geführt. Auf der Jahreshauptversammlung Mitte Dezember wurde er zum Vorsitzenden gewählt.

Auch wenn der Motorsport in Diedenbergen in der Nachwuchsfalle steckt – 180 Mitglieder aber kein aktiver Fahrer –, ist Grell optimistisch: „Ich will es auf jeden Fall versuchen. Ich glaube daran, dass es möglich ist, hier Nachwuchsarbeit zu leisten“, meint der MSC-Vorsitzende. Denn sein Club schwelgt vor allem in Erinnerungen.

In den siebziger und achtziger Jahre boomte der Rennsport im Vordertaunus. Zu den Renntagen pilgerten mehrere tausend Besucher, um die furchtlosen Fahrer mit ihren 500-Kubik-Maschinen ohne Bremsen durch das 398 Meter lange Oval rasen zu sehen. Auf der Gerade beschleunigen die Speedway-Fahrer auf bis zu 110 Stundenkilometer, bevor sie auf dem roten Sand durch die Kurven driften und sich die Fahrer dabei manchmal sogar mit den Ellbogen berühren. Zehnmal wurde der MSC Deutscher Meister. Speedway-Aushängeschilder wie Egon Müller gingen für Diedenbergen an den Start. 1996 wurde der Gewinn des Europapokals gefeiert.

Interesse an Motorsport begrenzt

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Doch bereits Anfang der Neunziger nahm das Interesse ab, wie Grell berichtet. Eine tiefe Zäsur dann im vergangenen Jahr. Der MSC Diedenbergen zog sich aus der ersten Speedway-Bundesliga zurück und startete in der neu geschaffenen zweiten Liga. Wobei die dort für Diedenbergen startenden Fahrer nicht aus der Region kommen.

„Es gibt leider keine Lokalmatadoren“, bedauert Grell. Deshalb will er auch versuchen, verstärkt Kinder und Jugendliche wieder fürs Speedway-Fahren zu begeistern. „Wir haben eine 50-Kubik-Maschine. Darauf kann ohne Weiteres ein Sechsjähriger schon mal eine Runde drehen“, meint der Vorsitzende. Ob daraus dann wirklich ein Speedway-Fahrer für die Bundesliga wird, sei dahingestellt. Denn es ist eine Frage des Geldes und desZeitaufwandes. Während der Saison von April bis September wird durchs ganze Bundesgebiet getourt. Die Speedway-Hochburgen liegen in Niederbayern zum Beispiel bei Landshut und im Nordosten Deutschlands bei Stralsund und Güstrow.

Auch deshalb will MSC-Vorsitzender Steffen Grell alles daran setzen, dass im Herzen Deutschlands Speedway-Rennen eine Heimat haben.

Info: Der MSC Diedenbergen veranstaltet am Sonntag, 27. April, ein Quadrennen und am Sonntag, 14. September, drehen die Speedway-Fahrer ihre Runden.

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