Baustelle Böllenfalltor

Möglicher Aufstieg: SV Darmstadt unter Zugzwang

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Nicht zweitligareif: Das Böllenfalltorstadion in Darmstadt. Nun soll nachgebessert werden. Aber die Zeit drängt.

Darmstadt  - Das Böllenfalltorstadion  ist nicht zweitligareif. Das könnte zum Problem werden, wenn dem SV Darmstadt 98 direkt oder über die Relegation  der Aufstieg gelingen würde. Von Jens Dörr

Man stelle sich das vor: Der SV Darmstadt 98  hält seinen dritten Tabellenplatz und bestreitet die Relegation zur Zweiten Bundesliga. Oder, auch nicht auszuschließen: Die „Lilien“ überholen RB Leipzig, werden Zweiter und steigen direkt ins Unterhaus auf. In beiden Fällen könnten sie kein Heimspiel am Böllenfalltor austragen, müssten nach Offenbach oder Wiesbaden ausweichen. Das städtische Stadion sei weder tauglich für die Relegation noch für Liga zwei, machten Vertreter der Deutschen Fußball-Liga  (DFL) kürzlich klar. „Es besteht akuter Handlungsbedarf“, betont in diesen Tagen daher auch Rüdiger Fritsch, Präsident des SV 98.

Rasenheizung auch in der dritten Liga bald ein Muss

Seit Jahren schiebt die hochverschuldete Stadt Darmstadt eine Modernisierung oder einen Neubau des Böllenfalltor-Stadions vor sich her. „Falls jetzt nicht nach Jahrzehnten des Stillstands in die Stadioninfrastruktur investiert wird, verliert Darmstadt womöglich für immer den Anschluss an den Profi-Fußball“, warnt Fritsch. Das gilt auch für den Fall, dass die „Lilien“ in der Dritten Liga bleiben sollten. Schon ab Sommer 2015 müssen alle Drittligisten etwa eine Rasenheizung vorweisen, ein helleres Flutlicht, mehr Medien-Arbeitsplätze, mehr TV-Produktionsfläche, mehr Damentoiletten, mehr Sitzschalen statt Holzbänken. Dass die meisten Besucher bei Regen mangels Überdachung nass werden, gilt im Profi-Fußball als ebenfalls nicht mehr zeitgemäß.

Nötigste Maßnahmen bis zum Relegationsspiel erledigen

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Zwar scheint der Stadionneubau an in Darmstadt inzwischen politischer Konsens und auch Landesvertreter ließen sich unlängst auf der – überdachten – Haupttribüne blicken. Doch bis die Finanzierung steht, eine Planung vorliegt und die Aufträge vergeben sind, würde in der Runde 2014/15 wohl schon wieder der Ball rollen – in Liga zwei oder drei.
So ist zumindest die Umsetzung der nötigsten Maßnahmen bis zum 16. Mai – dann wäre das Relegationsheimspiel der „Lilien“ gegen den 16. der Zweiten Bundesliga– zu erwarten. Bleibt die Frage, ob es eine Sanierung einstweilen nicht doch täte, weil ein Neubau wie in Offenbach, Duisburg, oder Aachen sowohl Stadt als auch Verein in finanzielle Not brachte. Darmstadt würde durch einen Neubau sogar ein Geschäft machen, weil die Baukredit-Tilgung kaum höher liegen dürfte als die momentanen jährlichen Investitionen in ein Fass ohne Boden, argumentieren sie beim SV 98.

Offenbach sollte eine Warnung sein

Allerdings müssten sich die „Lilien“ in einem neuen Stadion auf eine deutlich höhere Miete als bisher einstellen. Als marktüblich für ein 18.000-Zuschauer-Stadion und einen Fußball-Verein in Liga Drei gilt ein mittlerer bis hoher sechsstelliger Betrag. „Sie haben als Verein dann aber auch ganz andere Vermarktungsmöglichkeiten und damit neue Einnahmequellen“, sagt Fritsch. Zudem gehe es nicht allein um ein Stadion für den SV 98, sondern eine multifunktionale Arena mit weiteren Nutzern. Bei aller Sehnsucht nach einem neuen Stadion ist Kickers Offenbach ein Beispiel, das den Darmstädtern Warnung sein sollte.

Rund eine halbe Million Euro an Kaltmiete war in Liga Drei fällig. Ein überzeugendes Nutzungskonzept gibt es in Offenbach nicht, an größeren Veranstaltungen neben den OFC-Heimspielen mangelt es. Selbst in Liga vier liegt die Kaltmiete bei mehr als 300.000 Euro. Fest steht: Gibt es in Darmstadt auf Dauer nur Flickschusterei am Stadion hat sich das Thema Zweite Liga auf Dauer erledigt.

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