Meditation mit dem Schwert

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Wenn die Iaidoka gegeneinander antreten, dann nur mit einem Holzschwert.

Bad Homburg – Als sie 26 Jahre alt war, hat Ina Pfalzgraf zum ersten Mal ein Iaido-Schwert in der Hand gehalten. Drei Jahre ist das erst her – und trotzdem hat sie es schon weit gebracht. Bereits zum zweiten Mal ist sie Deutsche Meisterin geworden. Von Julia Renner

Aus Japan kommt der Sport Iaido und selbst dort ist er nicht allen bekannt. In Deutschland gibt es nur einige hundert Menschen, die das Schwert schwingen. Eine von ihnen ist Ina Pfalzgraf. Die 29-Jährige trainiert mindestens zweimal pro Woche beim Aitokan der Bad Homburger Turngemeinde.

Wer bei Iaido allerdings an heftige Schwertkämpfe mit Verletzungsgefahr denkt, liegt falsch. „Iaido ist wie Meditation mit Sportgerät“, sagt Pfalzgraf. Die Bewegungen werden langsam ausgeführt – und das auch nur vor einem imaginären Gegner. „Es geht nicht um Kraft, sondern um eine saubere Technik. Man muss alles so perfekt wie möglich darbieten.“

Ina Pfalzgraf (links) und Christina Frenzel beim gemeinsamen Training mit dem Schwert.

Turniere gibt es nicht, mit anderen Iaidoka misst man sich bei den alljährlich stattfindenden Deutschen Meisterschaften, bei denen Pfalzgraf in diesem Jahr wieder den ersten Platz gemacht hat.

Bei sechsminütigen Vorführungen werden dann so präzise wie möglich verschiedene Übungen gezeigt und von Juroren bewertet. „Schon der kleinste Fehler ist ein Ausschlusskriterium“, sagt Trainer Peter Kern, der selbst sogar eine Zeit lang in Japan gelebt hat.

Um sich auf Deutsche und Europäische Meisterschaften vorzubereiten, wird nicht nur mehrmals pro Woche trainiert. Auch mehrere Lehrgänge werden jedes Jahr von den 16 Iaidoka aus Bad Homburg besucht.

Mit dabei ist dann auch Christina Frenzel. Die 29-Jährige ist vor anderthalb Jahren durch einen Schnupperkurs zum Iaido gekommen. „Bis dahin war ich völlig unsportlich“, sagt sie. Dennoch hat sie sich in diesem Jahr bereits den zweiten Platz bei den Deutschen Meisterschaften gesichert. Für beide ist der Weg das Ziel. Besondere Platzierungen streben sie nicht an, sondern arbeiten sich etappenweise vor. Im Idealfall bis zu den Europameisterschaften im Oktober in England. Bis dahin werden beide weiter exakte Bewegungen mit dem Schwert üben. Scharf ist das übrigens nicht, sagt Trainer Kern.

Wer den japanischen Sport kennenlernen möchte, kann sich bei Peter Kern unter Telefon (06172) 53742 informieren und zu einem Training kommen: Dienstags von 19.30 bis 21.30 Uhr.

Weitere Infos gibt es auch online auf www.aitokan- badhomburg.de.

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