Exot in seiner Sportart

Meister im Gardetanz: „Als Junge wurde ich gehänselt“

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Tanzen zieht sich durch Mark Schmolls Leben wie ein roter Pfaden.

Liederbach – Mark Schmoll ist ein Exot in seiner Sportart. Der 33-Jährige macht seit seinem zehnten Lebensjahr Garde- und Schautanz. Von Norman Körtge

Seit drei Jahren ist Schmoll, der beim Pharmaunternehmen Merck für das weltweite Immobilienmanagement verantwortlich ist, Trainer (B-Lizenz) der Moonlights – einer Formation der TG Liederbach. Seine aktive Karriere als Turnier-Tänzer für den TSC Darmstadt 2000 beendete er im vergangenen Jahr, in dem er zum fünften Mal Europameister wurde.

Mehr als den Europameistertitel kann man in Ihrer Sportart nicht gewinnen. Konnten Sie sich über den fünften Titel noch so freuen wie über den ersten?

Ja, auf jeden Fall. Jeder Titelgewinn, besonders auf internationaler Ebene freut einen auf’s Neue. Aber gerade im vergangenen Jahr war es etwas Besonderes, da für mich klar war, dass es das allerletzte Turnier meiner aktiven Zeit sein würde. Mein absolut schönstes Erlebnis hatte ich jedoch bereits 1999. Ich war mit meiner damaligen Partnerin für eine Karnevalssitzung meines Heimatvereins in Dettelbach gebucht worden. Wir betraten die Bühne, präsentierten unseren Tanz und dann gab es nicht einfach nur Applaus, es gab Standing Ovations. So etwas hatte ich bis dahin noch nicht erlebt. Gänsehaut pur. Selbst der anschließende Titelgewinn des Deutschen Meisters konnte dieses Gefühl nicht überbieten.

Wie sind sie mit zehn Jahren zum Garde- und Schautanz gekommen?

Meine Mutter war Wertungsrichterin und zudem Trainerin der Schülerformation in Dettelbach. Eines Tages hat sie mich einfach mal mitgenommen und mir hat es Spaß gemacht.

Als einziger Junge war es sicherlich nicht einfach.

Klar wurde ich von anderen Jungs gehänselt. Das war nicht immer einfach. Aber mir hat der Sport viel Freude bereitet. Ich habe viele andere Sportarten ausprobiert: Bogenschießen, Handball, Badminton. Nichts hat mir so viel gegeben wie das Tanzen. Es zieht sich durch mein Leben wie ein roter Faden.

Was fesselt Sie seit so vielen Jahren an diesem Sport?

Es ist das Gefühl, auf der Bühne zu stehen. Für drei bis fünf Minuten schaltet man komplett ab. Es ist nur noch die Musik und die Bewegung da. Alles greift ineinander. Dann ist da natürlich die Weiterentwicklung, das Lernen neuer Techniken.

Wie oft haben Sie in ihrer Hochphase trainiert?

Vier Mal die Woche, da ich Marsch, Polka, Paar und Modern getanzt und gleichzeitig eine Gruppe trainiert habe.

Sie haben einen austrainierten Körper. Wie wichtig ist der beim Tanzen?

Es wird mit dem ganzen Körper getanzt und deshalb ist die Körperspannung während eines Tanzes sehr hoch. Da ist jeder Muskel im Einsatz, gerade bei akrobatischen Elementen.

Was ist einfacher: Tänzer oder Trainer zu sein?

Beides hat seinen Reiz. Wenn man auf der Bühne steht, hat man es selber in der Hand, weiß was man kann. Als Trainer bin ich deshalb vor Auftritten meiner Mädels teilweise aufgeregter als sie selbst. Ich frage mich jedes mal aufs Neue, ob ich sie richtig vorbereitet habe.

Die Moonlights haben bei den Hessenmeisterschaften in der heimischen Liederbachhalle den dritten Platz mit dem Marsch belegt. An diesem Wochenende finden bei München die Deutschen Meisterschaften statt. Die besten sechs Formationen treten gegeneinander an. Wie sind die Chancen?

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Ich bin zufrieden, wenn ich sagen kann, meine Mädels haben ihr Bestes gegeben und dass wir mit der gezeigten Leistung das Bestmögliche erreicht haben.

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