Interview mit Skyliners Ex-Kapitän Marius Nolte

„Wir brauchen die neue Multifunktionsarena“

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Vom Parkett an den Schreibtisch: Marius Nolte bleibt den Skyliners als Vertriebs- und Marketingleiter treu.

Er ist Publikumsliebling und echter Kämpfer unter dem Korb: Marius Nolte. Der Ex-Kapitän der Skyliners spricht über die neue Multifunktionshalle, die Zukunft der Frankfurter Basketballer und über ein mögliches Comeback. Von Dirk Beutel

Bei den Fraport Skyliners war es wieder eine Saison mit Höhen und Tiefen. Sie sind ins Management des Vereins gewechselt und arbeiten dort als Vertriebsleiter. Gab´s schon ein bisschen Wehmut?

So ein Karriereende ist ja kein Tiefpunkt. Der Schritt ist ja wohl überlegt gewesen, deshalb kann von Wehmut keine Rede sein. Ich bin da überhaupt nicht traurig. Ich glaube, das gehört ganz normal dazu. Schwierig wird es wohl im August, wenn ich am Schreibtisch sitze und die Jungs mit ihren Trainingseinheiten anfangen. Die schnüren sich die Schuhe und ich mir die Krawatte.

Während Ihrer aktiven Karriere haben Sie ein Diplom in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing gemacht. Ihr Wechsel auf einen Managementposten war logisch. Waren die Skyliners immer erste Wahl?

Es gab verschiedene Überlegungen, was ich machen will. Da gab es viele Gespräche vor allem mit meiner Frau, wo denn nun die Reise hingehen soll. Dem Sport komplett den Rücken zu kehren war auch ein Thema. Einfach mal einen normalen Job in einem normalen Arbeitsumfeld kennenlernen. Aber es gab viele gute Gespräche mit Gunnar Wöbke, wie meine Rolle bei den Skyliners aussehen könnte und wo der Verein letzlich hin möchte.

Am Anfang der Saison sagte Trainer Gordon Herbert, dass in Frankfurt eine gute Basis vorhanden wäre, um ein erfolgreiches Team aufzubauen. Die Play-offs finden aber ohne die Skyliners statt.

Es wäre sicher mehr drin gewesen. Das wurde uns ein bisschen verbaut durch die Verletzten. Über die ganze Saison haben sich bei uns immer wieder Schlüsselspieler verletzt. Am meisten weh getan hat sicher die Verletzung von Andy Rautins, der dann kein Spiel mehr für uns machen konnte. Jacob Burtschi war lange weg, ich war lange mit meinem Kreuzbandriss raus. Das habe wir aber ordentlich kompensiert – auch weil wir ein extrem talentierte und sich weiterentwickelnde deutsche Spieler haben. Klar ist es schade, dass wir nicht bei den Play-offs dabei sind, aber wir wissen was alles möglich ist, wenn wir in Bestbesetzung antreten und das System unseres Trainers umsetzen. Die Leute, die jetzt im Team sind, bilden eine großartige Grundlage, um hier in den nächsten zwei, drei Jahren etwas Großes aufzubauen.

Ihre Mannschaft hatte viel Pech mit verletzten Spielern. Müsste man bei Aufbau des Teams verstärkt auf robustere Mitspieler setzen?

Jein. Wir holen sowieso Spieler, von denen wir ausgehen, dass sie die nötige Toughness mitbringen und nicht bei jeder Verletzung mehrere Wochen ausfallen. Aber wenn man sich die ARt der Verletzungen ansieht, die physischen Fähigkeiten unseres Teams und die AUsrichtung unseres Atlethiktrainings, waren wir eines der fittesten und körperlich kompaktesten Teams der Liga. Wir sind definitiv robust genug. Wir hatten einfach Pech, sowohl was die Menge, als auch die Form der Verletzungen zusammen gekommen sind. Ich hoffe, wir haben jetzt unser Pech abgearbeitet und haben nächste Saison etwas mehr Gesundheits-Glück.

Wie stehen die sportlichen Chancen der Skyliners in der kommenden Saison? Wo muss nachgebessert werden?

Wir haben jetzt einen Grundstein gelegt. Das ist nicht selbstverständlich im Basketball. Oft werden große Teile der Mannschaft ausgewechselt. Wir werden mit vielen Spielern in die neue Saison gehen, die das System unter Gordon Herbert bereits kennen und die Potenzial haben. Wir wollen nicht nur auf gute Defense setzen, sondern auch Basketball zeigen, der Spaß macht, verlässlich und ehrlich.

Gunnar Wöbke will die Skyliners zu einem internationalen Spitzenverein formen. Er nannte die neue Multifunktionshalle essenziell für die Entwicklung der Skyliners. Bis jetzt ist sogar unklar, ob es die Halle überhaupt geben wird.

Ich glaube, dass die Arena kommt, und dass wir sie kurz- bis mittelfristig brauchen. Die Sportstadt Frankfurt verdient diese Halle. Was für uns ganz wichtig ist, ist dass ein positives, verlässliches Signal kommt. Dass die Ausschreibung rausgeht und die Halle dann gebaut wird, damit wir planen können. Das ist wichtig für unsere Gespräche mit unseren Spielern und unseren Sponsoren. Wir brauchen diese Arena, weil wir jetzt schon in der Fraport-Arena an unsere Grenzen stoßen. Wir fühlen uns dort zwar sehr wohl, aber Vermarktungsmöglichkeiten dort sind begrenzt. Neue Werbeflächen und VIP-Logen gibt es dort nicht, und das ist in einer Stadt wie Frankfurt sehr wichtig. Dass der Gang in eine größere Halle sportlich als auch wirtschaftlich positiv verläuft, das hat eine Mannschaft wie Ulm bewiesen.

Aber wären noch vier Jahre mit diesen beschränkten Möglichkeiten nicht zu lange für die Skyliners?

Nein, 2018 wäre für uns nicht zu spät. Damit könnten wir leben, wenn wir genau wissen, dass sie wirklich kommt und wir unseren Weg gehen können. Wer weiß, vielleicht geht es am Ende doch ein bisschen schneller.

Die Stadt Frankfurt gibt sich gerne als Sportstadt aus. Doch es gibt auch Klagen von Vereinen und Verbänden. Wird der Basketball-Sport ausreichend von der Stadt berücksichtigt?

Ich will da gar nicht meckern. Wir können in einigen Bereichen ganz zufrieden sein, in anderen ist mit Sicherheit noch Nachholbedarf. Frankfurt hat noch viel mehr Potenziale, sich als Sportstadt zu definieren und das Ganze noch mehr herauszukitzeln. Dazu gehört auch, dass andere Sportarten neben dem Fußball stattfinden können und dass man darüber berichtet. Es ist wichtig, sich nicht nur auf Eintracht Frankfurt zu konzentrieren, sondern die Vielfalt berücksichtigt und schaut, was etwa beim Basketball und der Multifunktionshalle passiert. Wenn Frankfurt sich als Sportstadt sieht, dann verstehe ich nicht, warum so ein Thema nicht schneller nach vorne gebracht wird. Diese Arena wäre ja für verschiedene Sportarten, das wäre ein riesen Zeichen für die sportliche Vielfalt in der Stadt.

Wie sieht es eigentlich mit einem neuen Trikot-Sponsor aus?

Natürlich suchen wir einen Partner für unser Trikot. Es bringt aber nichts, einfach das Logo einer Firma zu präsentieren. Wir versuchen ein komplettes Paket zu schnüren und das Ganze werthaltig zu machen. Wir sind da an einem Punkt, an dem wir überlegen, welche Zutaten machen da für ein Unternehmen Sinn. Da wäre zum Beispiel die Aussicht auf eine Arena, in der man ganz andere Werbemöglichkeiten hat, ein ernormer Vorteil.

Wenn es aber aus irgendeinem Grund keine Mehrzweckhalle geben wird, wohin führt dann der Weg der Skyliners?

Wenn die Gewissheit da ist, dann werden wir uns zusammensetzen müssen und überlegen, was dann noch möglich ist. Basketball macht Schule ist so fundamental und verankert, dass es weiterexistieren muss. Ob es aber Basketball in der höchsten deutschen Spielklasse aus Frankfurt geben wird, muss man diskutieren. Damit beschäftigen wir uns nur am Rande. Als Sportler habe ich schon gegen den Abstieg gekämpft, so was muss man auf dem Schirm haben. Aber es kann einen sehr hemmen, über solche Horrorszenarien nachzudenken. Man darf sich dadurch nicht einschränken lassen.

Comebacks sind auch im Basketball keine Seltenheit. Halten Sie sich ein Hintertürchen offen?

Das ist für mich ausgeschlossen. Aber ich habe meine Basketball-Schuhe ja nicht völlig an den Nagel gehängt. Ich werde mich ein bisschen bei der ProB fit halten und werde dort ein paar Körbe machen. Ich will zwar niemals nie sagen, aber was die Erste Liga angeht, bin ich relativ satt.

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