Der Macher ohne Nachwuchssorgen

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Nachwuchssorgen kennt Roland Bettenbühl nicht. Der Vorsitzende des Bad Sodener Schachclubs unterrichtet jeden Tag an einer anderen Schule das Spiel der Könige. 

Bad Soden – Früher war Schach das Einzige worin Roland Bettenbühl als kleiner Junge seinen Vater und seine Brüder schlagen konnte. Heute bringt der Vorsitzende des Bad Sodener Schachclubs das Spiel der Könige in die Schulen.

Roland Bettenbühl hat sich mit etwa acht Jahren mit dem Schach-Virus infiziert. „Als Kind war Schach das Einzige, worin ich meinen Vater oder meine Brüder schlagen konnte.“ Wenn sich andere nach der Schule auf dem Fußballplatz trafen, war es für den heute 45-Jährigen das Größte, ein Spielbrett herauszuholen, die Holzfiguren aufzustellen und sich einer neuen Herausforderung im Schach zu stellen.

Das ist bis heute so geblieben. Allerdings stellt Bettenbühl mittlerweile die Figuren lieber für andere auf. Idealerweise für Kinder und Jugendliche. Seit zwanzig Jahren ist der zweifache Familienvater Vorsitzender des Bad Sodener Schachclubs und engagiert sich in der Nachwuchsarbeit seines Vereins. Außerdem bietet er täglich eine Schach-AG in den Schulen der Umgebung an.

"Mindestens so anstrengend wie ein Marathon"

Bettenbühl ist überzeugt davon, dass gerade die Vereine die Betreuungszeiten in Ganztagsschulen besser ausnutzen müssen. Allerdings stellt er klar: „Die Kinder in den Schul-AGs sind keine Vereinsmitglieder. Wer sich aber intensiver mit Schach beschäftigen und mehr lernen möchte, ist im Verein willkommen.“

Der hat derzeit 90 Mitglieder von denen 50 Jugendliche sind. Und die Nachfrage gibt ihm recht: Bis zu zehn Teilnehmer unterrichtet Bettenbühl an jedem Mittag. Taktiken werden erklärt, Spielzüge analysiert.

Schach ist der einzige Sport, bei dem ein Achtjähriger gegen einen 80-Jährigen antreten kann“, sagt Bettenbühl. Das Kuriose: „Wenn man gegen ein Kind im Schach antritt bedeutet das nicht, dass man gewinnen muss. Im Gegenteil. Man kann durchaus gegen einen wesentlich jüngeren Gegner den Kürzeren ziehen“, sagt Bettenbühl. Auch ihm ist das schon mal passiert. Am Ego des Bad Sodener kratzt das aber nicht. „Die Jüngeren lernen Schach ja heute ganz anderes. Das Strategieverständnis ist wesentlich ausgeprägter, als zu meiner Zeit.“ Bettenbühl sieht sich sowieso vielmehr als Macher im Hintergrund, als Organisator und Netzwerker, denn als aktiven Spieler.

Übrigens: Obwohl der Deutsche Schachbund längst Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund ist, muss das Spiel der Könige noch immer in der Gesellschaft darum kämpfen als Sportart akzeptiert zu werden. Bettenbühl: „Eine sechsstündige Partie Schach ist mindestens so anstrengend wie ein Marathon.“ db

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