Luftiges Hitze-Abenteuer über den Wolken

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Kurz vor dem Abflug: Ohne Sonnenschutz ging bei den offenen Segelflug-Weltmeisterschaften in Texas nichts.

Region Rhein-Main – Immer auf der Suche nach dem besten Aufwind: Das ist die Doppel-Weltmeisterin der Frauen Susanne Schödel. Bei den offenen Segelflug-Weltmeisterschaften in den USA musste sie sich diesmal allerdings mit einem Platz im Mittelfeld begnügen. Von Dirk Beutel

Das war mal ein echt heißes Abenteuer: 98 Piloten legten bei den offenen Segelflug-Weltmeisterschaften im amerikanischen Uvalde/Texas ganze 800.000 Kilometer zurück, dank permanentem Sonnenscheins konnten komplett alle 13 Renntage geflogen werden (Rekord!) und das bei Temperaturen um die 40 Grad. Mittendrin die Doppelweltmeisterin der Frauen (2009 und 2011) Susanne Schödel aus Frankfurt, die noch Anfang des Jahres einen Weltrekord im Dreiecksflug von 1066 Kilometern aufstellte.

Krasse Bedingungen

Schödel startete in der 15-Meter-Klasse, das Teilnehmerfeld bestand aus 37 Piloten, nur drei davon waren Frauen. „Es war ein echtes Abenteuer“, sagt die 40-jährige Frankfurterin, die für den AC Langenselbold startet. Vor allem auf die Hitze habe sie sich intensiv vorbereiten müssen. Bereits zwei Wochen vor dem Wettkampfbeginn reiste Schödel nach Uvalde, um sich an die extremen Wetterbedingungen zu gewöhnen.

Segelflug über Uvalde.

„Die Temperaturen waren nicht nur körperlich eine Herausforderung. Durch die Hitze war die Thermik besonders gut“, sagt Schödel. Dadurch konnten die Segelflieger höhere Steigwerte und Spitzen-Schnittgeschwindigkeiten, zwischen 130 und 150 Stundenkilometern, als etwa in Europa schaffen. Unter diesen Umständen galt es verschiedene Punkte einer festgelegten Strecke so schnell wie möglich abzufliegen. „Das ging ganz schön auf die Konzentration, wenn alles sehr viel schneller abläuft und man vier, fünf Stunden in der Luft ist, immer auf der Suche nach dem besten Aufwind. Da darf man sich keine Fehler erlauben.“ Sogar Teile des Fliegers, ein Ventus 2ax, benötigten etwas mehr Aufmerksamkeit als sonst. Schödel: „Durch die große Hitze hat sich die Plexiglas-Haube ausgedehnt. Ich musste ständig Eispakete drauflegen, damit ich sie nachher anständig schließen konnte.“

Rhythmus verloren

Am Ende landete Schödel hinter ihren Erwartungen: Platz 21 in ihrer Klasse, in der Landsmann Matthias Sturm mit der Silbermedaille einen Achtungserfolg erzielte. „Ich habe mir vorher eine Platzierung irgendwo zwischen Rang zehn und 15 ausgerechnet“, sagt Schödel, die im Rückblick einiges anders gemacht hätte: „Irgendwie habe ich am dritten Wettkampftag meinen Rhythmus verloren. Da hätte ich mental besser einen Schritt zurück gemacht und mich auf meine Stärken besinnen sollen“, sagt die 40-Jährige.

Übrigens: Die immer wieder gern gestellte Frage, wer eigentlich der bessere Segelflieger sei, Männer oder Frauen, kann Schödel noch immer nicht beantworten: „Ich arbeite an der Antwort. Beim Segelfliegen kommt es schließlich nicht auf körperliche Vorteile an, sondern auf Konzentration, Übersicht, die richtige Flugwegentscheidungen und darauf, wie gut man sein Fluggerät kennt.“

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