Diskussionen um Bau am Böllenfalltor

Lilien-Fans wollen Stadion mit Charakter

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Fans der Darmstädter Lilien wollen den Flair des Stadions am Böllenfalltor erhalten und keine hochmoderne Konstruktion.

Region Rhein-Main – Eine formale Hürde gibt es in Sachen neues Stadion für die Lilien noch: Das Stadtparlament hat noch immer nicht darüber abgestimmt, ob das „Merck-Stadion am Böllenfalltor“, wie von den Fans erhofft, an selber Stelle neu gebaut wird. Von Jens Dörr 

Dass die Volksvertreter der Wissenschaftsstadt, die dank des SV 98 inzwischen auch wieder sportliche Schlagzeilen macht, dem 27-Millionen-Projekt zustimmen, scheint aber ausgemachte Sache zu sein. Immer konkreter wird das Bild für die kommenden zwei Jahre. Dann – so verspricht es nun Oberbürgermeister Jochen Partsch – sollen die „Lilien“ in einer modernen Arena auflaufen. Ein bisschen Nostalgie soll dennoch bleiben.

Gerade dafür machen sich die Fans des Zweitligisten, organisiert im „Fanbündnis Bölle“, schon seit geraumer Zeit stark und haben sich als ernstzunehmender Gesprächspartner für Stadt und Verein positioniert. Dank der Zuschüsse des Landes und der Übernahme der Namensrechte des Stadions durch Darmstadts DAX-Konzern Merck, was etwa die Hälfte der Gesamtsumme ausmacht, ist die Finanzierung inzwischen gesichert. Hinzu kommt die Erkenntnis der Stadt, lieber Geld in den Neubau statt in das Stopfen alter Löcher zu investieren. Weil die 98er als Hauptnutzer des neuen, voraussichtlich 18.000 Zuschauer fassenden Stadions, höhere Vermarktungserlöse erzielen und damit auch eine höhere Miete bezahlen dürften, könnte die Stadt sogar als finanzieller Gewinner aus dem Projekt hervorgehen.

Den Fans geht es derweil weniger um Logen und vornehmere Toiletten denn um den Erhalt des „Bölle“-Flairs: „Unser Stadion kann nicht aus runden Formen und geschwungenen Dachkonstruktionen bestehen. Es braucht seine Ecken und Kanten“, schildert das Fanbündnis seine grundsätzliche Erwartungen.

Stadion mit Charakter

Das Stadion der „Lilien“ müsse „ein wenig grimmig“ wirken: „Es muss keine Schönheit sein, dafür aber einen Charakter haben.“ Furcht bestehe besonders vor „Einheitsgebilden“ à la Aachen, Duisburg und Hoffenheim. Das Bündnis fordert zwei Drittel Stehplätze – in Anlehnung an das jetzige Stadion, das sogar noch einen größeren Anteil hat und Deutschlands zweitgrößte zusammenhängende Stehtribüne nach der Südtribüne in Dortmund besitzt.

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Wahrscheinlicher als die Umsetzung dieser Forderung – in den meisten Neubauten dominieren eindeutig die Sitzplätze – ist derweil etwas anderes: So wollen die Fans das kultige Marathontor im Neubau ebenso integriert wissen wie die aktuellen Flutlichtmasten. Platz für Zaunfahnen, der Verzicht auf Bezahlsysteme und der Verzicht auf allzu engmaschige und scharfkantige Zäune sind andere Forderungen, deren Erfüllung selbstverständlich erscheint. Dies ist vielerorts aber aus Fansicht ganz anders. Eine Forderung der Fans wurde bereits erfüllt: Trotz des Merck-Engagements bei den Namensrechten blieb der alte Stadionname erhalten. Er wurde lediglich ergänzt. Der Hoffnung auf ein Sponsoring des SV 98 – das Geld für den Stadionnamen fließt an die Stadt – erteilte ein Mitglied der Merck-Geschäftsführung auf einer Podiumsdiskussion jüngst eine Absage. Statt Profi-Fußball fördere man lieber Kultur und Breitensport.

Oberbürgermeister Partsch skizziert den weiteren Weg wie folgt: „Bis Ende des Jahres erstellen wir einen Businessplan, der dann von den politischen Gremien beschlossen werden soll. Anfang 2015 soll die Ausschreibung starten, Baubeginn soll dann im Sommer 2015 sein. In der Saison 2016/17 sollen die Lilien dann im neuen Stadion spielen.“ Der Kick am jetzigen Standort bleibe auch während der gesamten Bauphase, in der Tribüne für Tribüne neu gebaut werde, gewährleistet.

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