Kampf für Tradition und gegen Kommerz

Lilien-Fan will Lizenz von RB Leipzig verhindern

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Armin Lortz zerdrückt als Zeichen seines Protestes die Energy-Drink-Dose.

Darmstadt/Dieburg – Armin Lortz Petition hat schon mehr alls 20.000 Unterstützer. Der Lilien-Fan will den Aufstieg von RB Leipzig verhindern. Von Jens Dörr 

„Eigentlich dürfte es diesen Klub gar nicht geben“, meint Armin Lortz und deutet dabei auf eine Dose Red Bull – eine Anspielung auf den Fußball-Drittligisten RB Leipzig, der kommende Saison wohl in der Zweiten Bundesliga spielen wird. Lortz, Fan des Drittliga-Dritten SV Darmstadt 98, ist sauer: „Mich stört, dass sich einer mit einem Haufen Kohle einen Verein ohne Tradition kaufen und nach oben bringen kann und DFB und DFL sich mit diesen Leuten an einen Tisch setzen und Kompromisse suchen, anstatt ihre Regularien durchzusetzen.“

Was Lortz nicht hinnimmt: Er hat im Internet eine Petition gestartet, die bereits rund 20.000 Unterstützer hat – und die sich dafür einsetzt, den Leipzigern unter den jetzigen Voraussetzungen die Lizenz für die Zweite Bundesliga zu verweigern.

Kampf gegen Kommerz

Dabei tritt der 46-Jährige zunächst klar zwei Vermutungen entgegen: „Ich habe überhaupt nichts gegen die Stadt Leipzig und setze mich auch nicht in erster Linie deshalb für die Sache ein, weil meine 98er von einer Lizenzverweigerung durch die DFL profitieren würden.“ Vielmehr gehe es ihm um den deutschen Fußball insgesamt, um Tradition und Kampf gegen überbordenden Kommerz bei der schönsten Nebensache der Welt.

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Das Schlüsselerlebnis für den Lilien-Fan, der unter anderem die immer beliebteren Public Viewings bei Auswärtsspielen der Darmstädter im Reinheimer Weinhof initiiert hat: „Ich war vor zwei Wochen beim Auswärtsspiel in Leipzig dabei. Was dort los war, hat mich dermaßen abgeschreckt: Das Ganze war eine einzige Werbeveranstaltung und das Fußball-Spiel Nebensache. In einer Leipziger Parfümerie konnte man so lange an einem Glücksrad drehen, bis man seine Freikarte sicher hatte. Während bei uns in Darmstadt Henry Stein mit Herzblut und für eine Bratwurst die Durchsagen macht, machte sich der Leipziger Stadionsprecher in einem weißen Blazer zum Affen. Insgesamt war es trotz toller WM-Arena extremes Fremdschämen.“

Ebenfalls schockierend für Lortz: „Tatsächlich war bei dieser Partie Dietrich Mateschitz erstmals im Stadion.“ Der österreichische Milliardär hält fast die Hälfte aller Anteile an Red Bull und gilt als entscheidendes Rad im westsächsischen Fußball-Getriebe.

Bedingungen nicht erfüllt

Was den Lilien-Fan unterdessen auf die Palme bringt: Die DFL hat drei Bedingungen formuliert, die Leipzig als Zweitligist erfüllen müsste und derzeit nicht erfüllt. So müssen das stark an den Red-Bull-Konzern erinnernde Vereinswappen, die Besetzung der Führungsgremien – zu großer Einfluss des Energy-Drink-Herstellers – und die Eintrittsbarrieren für Vereinsmitglieder – derzeitiger Jahresbeitrag in Leipzig 800 Euro, in Darmstadt mit Stimmrecht 98 Euro – geändert werden. Lortz findet die Vorgaben richtig, fürchtet aber eine zu laxe Haltung der sonst oft stringenten Deutschen Fußball-Liga: Die Leipziger denken nur bedingt daran, den Vorgaben zu folgen, argumentieren etwa bei der Abkürzung RB gern, das stehe nicht für „Red Bull“, sondern für „RasenBallsport“.

Lortz Petitionsforderung lautet daher: „DFB- und DFL-Regularien beim Verein RasenBallsport Leipzig konsequent anwenden und somit die Lizenz zur Zweiten und Ersten Bundesliga verwehren!“ In etlichen Kommentaren stoßen Unterstützer dazu. Auch Fans aus dem Ausland machen mit. Ein Österreicher kommentiert mit Blick auf RB Salzburg: „Wir haben den Rinderwahn schon seit Langem.“ Lortz hofft derweil, mit seiner Petition in der Öffentlichkeit noch stärker wahrgenommen zu werden: „Im Kampf der Tradition gegen den Kommerz“, wie er es nennt.

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