Licht und Schatten im Löwenkäfig

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Ein echter Frankfurter am Puck: Marvin Bauscher sichert die Scheibe. Er und die anderen Löwen wollen in die Play-Offs.

Frankfurt – Länderspielpause durch den Deutschland-Cup in den Ligen im Eishockey, Vorrunden-Halbzeit in der Oberliga-West und Zeit für einen ersten Rückblick aus Sicht der Löwen Frankfurt. Von Uwe Lange

Blickt man auf den aktuellen Tabellenstand nach der Hälfte der absolvierten Spiele, könnte sich eigentlich Zufriedenheit am Ratsweg breitmachen. Mit Rang vier befindet man sich im ersten Drittel des Zwölferfeldes, was wiederum zur Teilnahme an der Endrunde der „Großen Acht“ berechtigt, die im Januar 2012 startet und dann ihren Meister ausspielt. Doch die nach außen getragene Ruhe der Löwen-Verantwortlichen ist trügerisch. Denn schaut man ganz genau auf die durch Entscheidungen am „Grünen Tisch“ korrigierte Tabelle, befinden sich die Frankfurter rechnerisch auf einem sechsten Platz, der das Verfehlen des Saisonziels um zwei Positionen bedeuten würde und gleichzeitig das Aus zur Teilnahme an den lukrativen Play-off-Vergleichen mit den drei anderen Oberligen.

Zu Saisonbeginn hatte die Mehrheit der Oberliga-Trainer die Löwen auf den Favoritenschild erhoben, sie mit Dortmund, Kassel und Bad Nauheim als sicheren Kandidaten für die „Top-Four“ benannt. Während die anderen Drei ihren Ansprüchen nach und nach gerecht werden, ist man in Frankfurt noch weit entfernt von Konstanz und Berechenbarkeit. Sicherlich ist die Integration von 16 neuen Spielern kein leichtes Unterfangen. Auch ist der Ausfall des Stammtorwarts zum Saisonstart ein großes Handicap gewesen. Und die Trainingseinheiten des DEL-erprobten Coaches Beddoes sind intensiv und überaus anstrengend, aber erklärt dies alles den unerwarteten Absturz bei Spielen gegen schwächere Teams wie Hamm und Unna? Oder die eklatante Abschlussschwäche vor dem Tor, die oft fehlende physische Präsenz in den wichtigen Momenten?

Es wird ein Mix aus alledem sein, was die Spieler der Löwen vor allem im Kopf blockieren mag, aber es zeigt auch die Schwachstellen eines jungen Teams, welches in vielen Bereichen fast schon zu homogen wirkt, zu gleichartig sind die „Typen“, die es repräsentieren. Es fehlt der Kopf, der in schlechten Zeiten das Zepter an sich reißt, das Team fordert ihm zu folgen und sinnbildlich mit der Fahne vorneweg stürmt. Es fehlt weiterhin der Stürmer, der nur ein Bruchteil der Chancen verwertet, die sich die Löwen mühevoll erarbeiten und erkämpfen. Wenn Löwen-Dompteur Beddoes von den „zwei Gesichtern des Teams“ spricht, ist auch schon Enttäuschung, fast Ratlosigkeit in seiner treffenden Analyse herauszuhören.

Deshalb bemühen sich die Verantwortlichen der Frankfurter in der Transferperiode bis zum 15. Januar um punktuelle Ergänzungen des Kaders, ohne gleich in blinden Aktionismus zu verfallen. Durch einen Zuschauerschnitt von 3800, der die ursprüngliche Kalkulation um gleich 800 Besucher pro Spiel übersteigt, ist dies sorgenfrei möglich, ohne deshalb ein wirtschaftliches Risiko einzugehen.

Sportdirektor Bresagk ist bemüht, die Schwachstellen zu beheben, um dem Frankfurter Publikum die Vorfreude auf die fünfte Jahreszeit im Eishockey, den Play-offs, nicht zu früh zu nehmen.

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