Mit der letzten Gier gegen die Torfabrik der Liga

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Wenigstens bringt die Eschborner Hintermannschaft mit Dennis Talijan (Zweiter von links) und Pascal Hertlein bislang konstante Leistungen. Denn die Offensivkräfte des FC sorgten für nicht besonders viel Durchschlagskraft.

Eschborn – Der FC Eschborn ist so etwas wie die Wundertüte in der Fußball-Regionalliga. Eine Woche nach der ersten Heimpleite beendete das Team von Sandro Schwarz seinen Auswärtsfluch (1:0 in Ulm). Es folgte die bittere Heimniederlage gegen Idar-Oberstein.

Nach dem Gesetz der Serie müsste am Sonntag (14 Uhr) in Hoffenheim wieder ein Sieg drin sein. Keine leichte Aufgabe: Die Bundesliga-Reserve der TSG ist Tabellenführer.

Mit Komplimenten des Gegners ist es im Profisport immer so eine Sache. Einerseits freut man sich über die Wertschätzung, andererseits kann man sich selten etwas dafür kaufen. Der FC Eschborn ist ein gutes Beispiel dafür. Der Regionalliga-Aufsteiger präsentiert sich Woche für Woche als unbequemer Gegner, die Punkte aber fuhren zuletzt meist die anderen ein.

Von 8. September bis 13. Oktober gewannen die Eschborner in sechs Aufeinandertreffen kein einziges Spiel. Mit dem 1:2 gegen Worms kassierten sie sogar – trotz drückender Überlegenheit – die erste Heimpleite der Saison. Und die verrückten Eschborner Wochen waren eröffnet. „Da haben wir ordentlich Lehrgeld bezahlt“, sagt Trainer Sandro Schwarz zurückblickend. „Solche Phasen gibt es aber. Wir müssen beharrlich in unserem Spiel bleiben.“

Das tat der FCE auch und legte eine Woche drauf seinen Auswärtskomplex ab. Nach sechs sieglosen Partien in der Fremde erkämpfte sich die Truppe um Rouven Leopold ein 1:0 bei den heimstarken Ulmern. Der FCE-Kapitän hatte mit seinem Treffer maßgeblichen Anteil daran, dass Teil zwei der verrückten Eschborner Wochen einen positiven Ausgang nahm.

Nach 15 Spieltagen nur 15 Treffer auf dem Konto

Im jüngsten Heimspiel gegen Idar-Oberstein kam es, wie es in diesen kuriosen Tagen kommen musste. Trotz großer Feldvorteile unterlagen die Gastgeber dem Tabellennachbarn mit 0:1. Das goldene Tor erzielte ausgerechnet der Ex-Eschborner Ferhat Gündüz. „Uns hat die letzte Gier gefehlt, ein Tor zu machen“, analysierte Schwarz nach dem missglückten dritten Teil der verrückten Eschborner Wochen.

Dennoch fällt die Zwischenbilanz des sportlichen Leiters Markus Klandt zufriedenstellend aus. „Wir haben gezeigt, dass wir spielerisch mit den Mannschaften mithalten können und auch attraktiven Fußball spielen. Wir müssen noch lernen, positiver mit Stresssituationen auf dem Spielfeld umzugehen.“ Dazu zählt auch die fehlende Geduld vor dem gegnerischen Tor. Nach 15 Spieltagen haben die Eschborner gerade einmal 15 Treffer auf dem Konto. Dies ist der drittschwächste Wert in der Liga. Nur die beiden Frankfurter Klubs stehen schlechter da. Dafür hinterlässt die Verteidigung einen stabilen Eindruck. Mit 20 Gegentoren belegen die Eschborner in dieser Kategorie einen soliden Mittelfeldplatz.

Auf die Defensive wird am morgigen Sonntagnachmittag Schwerstarbeit zukommen. Dann gastiert der Tabellenfünfzehnte beim Ligaprimus TSG Hoffenheim II. Die Bundesliga-Reserve stellt die Torfabrik der Liga. 34 Mal trafen die Kraichgauer bereits ins Schwarze, bei nur zwölf Gegentreffern. Alleine Andreas Ludwig (neun Treffer) und Michael Gregoritsch (sieben) haben zusammen mehr Tore erzielt als das gesamte Eschborner Team.

Rein von der Papierform betrachtet, spricht nur wenig für den FCE. Klandt: „Wenn wir die passende Mentalität an den Tag legen, ist auch beim Spitzenreiter etwas möglich.“ Es wäre die Fortsetzung der verrückten Eschborner Wochen. zin

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