Langsam und gut behütet laufen

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Wer im Schnee joggen geht, sollte einige Tipps beachten.

Region Rhein-Main –  Draußen Sport machen bei Minustemperaturen ist kein Problem. Zumindest für gesunde Menschen, und wenn ein paar Tipps beachtet werden. Von Julia Renner

Annette Heller, Sprecherin der Orthopädischen Uniklinik Friedrichsheim.

Sich der Faulheit völlig hingeben, wenn es draußen bitterkalt ist – dafür gibt es keinen Grund. „Denn in der Kälte wird das Immunsystem gestärkt“, sagt Annette Heller, Sport- und Ernährungsmedizinerin und Sprecherin der Orthopädischen Uniklinik Friedrichsheim. Allerdings gilt das nicht für jeden.

Wer gesund, sportlich und jung ist, kann bei Minusgraden bedenkenlos im Freien Sport treiben. Von einer „maximalen Belastung“ rät die Ärztin aber ab. „Man sollte langsam anfangen oder einfach nur Nordic-Walking machen“, rät sie.

Sportarten, die zu stark beanspruchen, sollte man lieber in den Sommermonaten ausüben. Beispielsweise Intervalltraining. Gegen Joggen ist allerdings nichts einzuwenden. „Wer aber schon einmal einen Herzinfarkt hatte oder Herzrhythmusstörungen hat, ist anfälliger, dass das wieder passiert“, sagt Annette Heller. Schon beim morgendlichen Schneeschaufeln könne es mit einer solchen Krankheitsgeschichte kritisch werden: Durch die Kälte verengen sich die Gefäße, das Herz muss gegen einen viel höheren Widerstand pumpen, der Körper braucht mehr Sauerstoff. Wer Herzprobleme hat, auf die Bewegung im Winter aber nicht verzichten will, solle lieber Schwimmen gehen oder sich auf dem Hometrainer abstrampeln, rät die Sportmedizinerin.

Aufwärmen ist besonders wichtig

Für alle anderen gilt: Vor dem Sport im Freien ist Aufwärmen besonders wichtig. Denn: „In der Kälte werden die Muskeln weniger durchblutet.“ Stretching sei nicht nötig, wichtiger sei es, langsam mit dem Laufen zu beginnen und am Schluss auch langsam auszulaufen, sagt die Expertin.

Kniffeliger dürfte für viele die Atmung sein. Wer im Kalten laufen geht, sollte nur durch die Nase atmen. „Das kann man sich antrainieren“, weiß Heller. Durch den Mund sollte nicht geatmet werden, da die Lungenbläschen extrem empfindlich auf Kälte reagieren. Und die Luft, die durch die Nase kommt, ist schon aufgewärmt.

Auch die Kleidung spielt eine wichtige Rolle. „Am besten den Hals bedecken mit einem Rollkragen und einem Schal, der auch Mund und Nase bedeckt“, sagt die Ärztin. Auch eine Kopfbedeckung und Handschuhe gehören dazu. Annette Heller: „Das A und O sind warme Hände und Füße.“ Ansonsten sei Funktionskleidung ratsam. Denn diese wurde speziell entwickelt und sauge den Schweiß auf. „Denn sobald der Körper feucht ist vom Schweiß, kühlt er schneller aus.“ Wenn Schnee liegt, sollten Läufer auch eine Sonnenbrille tragen.

Wer im Winter im Fitness-Studio Sport gemacht hat und anschließend durch die Kälte nach Hause geht, sollte das auf keinen Fall mit durchgeschwitzter Kleidung machen, warnt Annette Heller. Das könnte sogar zu Erfrierungen führen. Wichtig: Erst trockene Kleidung anziehen und dann noch 15 Minuten warten, bevor es ins Freie geht. Sonst sei die Belastung für das Immunsystem zu groß.

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