Er läuft und läuft und läuft...

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Lockeres Training auf seiner Haus-und-Hof-Runde: Jörg Drechsler peilt seinen ersten 100-Kilometer-Lauf an.

Groß-Umstadt – Woher nimmt dieser Mann die Kraft und Motivation? Ganze neun Marathon-Läufe hat Jörg Drechsler dieses Jahr bereits hinter sich. Und er peilt kommendes Wochenende schon seinen zehnten Wettkampf an. Von Dirk Beutel

Der allerdings wird eine besondere Herausforderung: Es ist Drechslers erster 100-Kilometer-Lauf. Und er will noch mehr. Dabei hat alles so unscheinbar angefangen. Vor acht Jahren nimmt sich der gebürtige Frankfurter vor, eine kleine Runde vor seinem Haus zu laufen: 2,8 Kilometer mit 120 Höhenmetern. „Dann wollte ich mich immer weiter steigern“, sagt Drechsler und erhöhte Stück für Stück seine Laufdistanz. Bis er sich für seinen ersten Halb-Marathon im Oktober 2004 bereit fühlte. „Nachdem ich den Lauf ohne große Schmerzen geschafft hatte, habe ich mich noch am gleichen Wochenende nach weiteren Läufen erkundigt“, sagt der zweifache Vater, der heute im Groß Umstädter Stadtteil Richen lebt: „Viele laufen im Jahr bis zu zwei Marathons. Aber aus meiner Sicht kann man durchaus mehr laufen.“

Und das tut er. Mittlerweile fast nur noch Marathons oder Ultramarathons: In diesem Jahr hat Drechsler neun Läufe geschafft. Darunter alleine drei im August. Als nächstes hat er sich am Samstag, 6. Oktober, den 100-Kilometer-Lauf des SSC Hanau-Rodenbach vorgenommen. Dieser wäre sein insgesamt 25. (Ultra-)Marathon.

Was für andere eine Qual wäre, empfindet der Hobby-Läufer als Spaß und sogar stellenweise als Erholung: „Je nach Strecke und Tagesleistung stellt sich bei mir ab 30 Kilometern ein Glücksgefühl ein. Der Kopf wird frei.“ Und Drechsler will noch mehr: Er will seine Marathon-Läufe nicht nur meistern, sondern sammeln: „Irgendwann will ich die 100 voll haben. Vielleicht in fünf Jahren.“

Das Ziel: 100 Kilometer unter zehn Stunden

Dabei hat der Mann mit einem Ruhepuls von 41 Schlägen in der Minute kein besonderes Vorbereitungskonzept: „Ich mache das alles nach Gefühl, habe nicht mal einen Trainingsplan.“ In der heißen Phase läuft er je nach Wettkampf drei- bis viermal die Woche eine Distanz zwischen 15 und 20 Kilometern. Danach gönnt er seinem Körper eine gewisse Regenerationszeit. Zwei Tage vor einem Lauf landen dazu noch jede Menge Kohlenhydrate auf dem Teller – das wars. Für sein 100-Kilometer-Vorhaben hat Drechsler allerdings zusätzlich einen Testlauf in sein Programm aufgenommen.

Vergangene Woche startetet er beim Churfranken-Ultra-Traillauf bei dem es stattliche 73 Kilometer und 1800 Höhen zu überwinden galt. Ergebnis: Von den 66 Läufern landete Drechsler auf dem 18. Rang und schaffte es, seine persönliche Zeitvorgabe von acht Stunden um vier Minuten zu unterbieten.

Ähnliches hat der Athlet jetzt in Rodenbach bei Hanau vor: „Mein persönlicher Traum wäre es, den Lauf unter zehn Stunden zu schaffen.“ Interessanter Nebeneffekt: Falls Drechsler die 100 Kilometer unter zehneinhalb Stunden überwindet, wäre er automatisch für den Spartathlon in Griechenland (246 Kilometer) qualifiziert, den vielleicht härtesten Ultramarathon überhaupt.

Reizvoll, aber soweit denkt Drechsler erst einmal nicht, plant eher noch zwei, drei Läufe in der Region: „Eventuell kommt Schwäbisch Hall in drei Wochen und Bad Arolsen am ersten Adventwochenende für mich dieses Jahr noch in Frage. Auf jeden Fall würde ich noch gern einen 24-Stunden-Lauf versuchen.“

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