Biofleisch essen, Eisen anpacken

Kraftsport: Philipp Gramlich fährt zur EM

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Superschwergewicht: Philipp Gramlich (AV Groß-Zimmern) startet nächsten Samstag bei den Europameisterschaften im Kraftdreikampf.

Groß-Umstadt - Philipp Gramlich  gehört zu den stärksten Männern Deutschlands. Jetzt will er als neues Nationalmannschafts-Mitglied bei der Europameisterschaft  zeigen, was in ihm steckt. Von Jens Dörr

Philipp Gramlich gehört zu den stärksten Männern Deutschlands. Im Kraftdreikampf  ist er in der Königsklasse, dem Superschwergewicht über 120 Kilogramm, 2015 Zweiter der Deutschen Meisterschaften geworden. Doch mit Superlativen rund um seine Kraft beschäftigt sich der 27-Jährige kaum. Gramlichs Konzentration gilt der kommenden Woche:

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: Kraftdreikampf in Groß-Zimmern

Am Samstag vertritt er bei den Kraftdreikampf-Europameisterschaften  die deutschen Fahnen im tschechischen Pilsen. Erst gegen Ende des vergangenen Jahres, nach persönlichen Bestleistungen im Bankdrücken  (192 Kilogramm, „meine große Schwäche“), Kniebeugen  (302,5 Kilogramm) und Kreuzheben  (322,5 Kilogramm) sowie seinem starken Auftritt bei den Deutschen Meisterschaften, wurde Gramlich in die A-Nationalmannschaft berufen. Der 134-Kilogramm-Sportler des AV Groß-Zimmern, der lange in Münster lebte und kürzlich in den Groß-Umstädter Stadtteil Semd zog, vertritt die Bundesrepublik bei den „schweren Jungs“ zusammen mit dem amtierenden nationalen Meister Kevin Koch. Der ist Gramlich noch einen Schritt voraus – auch wegen der noch massigeren Voraussetzungen: Koch bringt derzeit 160 Kilogramm auf die Waage.

Gramlich strebt Mittelfeld-Platz an

Im Superschwergewicht sind nach oben jedoch keine Grenzen gesetzt, wird ab 120 Kilogramm nicht mehr differenziert. Die Kraftdreikampf-Europameisterschaften in Pilsen geht Gramlich trotz der extremen Gewichte, die er gemäß den technischen Vorgaben sauber bewegen will, auf in der Szene längst nicht mehr selbstverständliche Weise an – nämlich „raw“, zu deutsch „roh“, was so viel wie ohne Hilfsmittel heißt. Bandagen lässt der momentan bekannteste Sportler des Groß-Zimmerner Athletenvereins ebenso links liegen wie andere Stabilisierungen, sogar den Gürtel. „Aus Prinzip, ich bin Purist“, begründet Gramlich seinen Schritt, der ihn mitunter das ein oder andere Kilogramm im Ergebnis kosten könnte. Im Kampf um Europas Titel wird das Deutschland derweil nicht die Goldmedaille kosten. Gramlich strebt einen Platz im Mittelfeld an.

Die besten Sportler-Jahre liegen noch vor ihm

Bestätigt er alle bislang erzielten Bestmarken, käme ein Gesamtresultat von 817 Kilogramm raus. „Der Sieger wird wahrscheinlich 900 bis 920 Kilogramm machen“, erwartet der 27-Jährige, der allerdings noch in die besten Kraftsport-Jahre kommen könnte. Viele Sportler erreichen im Kraftdreikampf die Weltspitze erst mit Mitte 30. Bis dahin kann Gramlich bei viermal Training wöchentlich noch hunderte Einheiten absolvieren und einige Kilogramm zusätzliche Muskelmasse aufbauen. Was nicht einfach werden könnte: „Ich versuche mir zwar, Proteindrinks anzugewöhnen. Vor allem esse ich aber viel und gern Fleisch – alles Bio, was es schwer, weil teuer macht.“ Zumal Gramlich als Doktorand der Physik an der TU Darmstadt  noch nicht das ganz große Geld verdient. Immerhin: Einen Teil der Kosten, die die EM-Reise verursacht, übernimmt der nationale Verband. In Tschechien wird Philipp Gramlich von Bundestrainer Francesco Virzi  betreut. Dessen Motto: „Eisen macht stark – man muss es nur anfassen.“

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