Weitere Reformen sollen her

Ringer hadern mit komplizierten Regeln

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Auch Eduards Kucepalovs (rot), Ringer von Oberligist ASV Dieburg, muss mit den komplizierten Regeln fertig werden.

Region Rhein-Main – Zwar hat der Ring-Sport zuletzt an Attraktivität gewonnen, doch die komplizierten Regeln schrecken weiterhin ab. Weitere Reformen sollen her, um den Sport für die Zuschauer interessanter zu machen. Von Jens Dörr

Noch vor einem Jahr überschlugen sich die Berichte und Meldungen über das Ringen, die älteste Sportart der Welt. Damals sollte der Mattenkampf aus dem Programm der Olympischen Sommerspiele genommen werden, was aufgrund eines Aufschreis einflussreicher Staaten und Verbände sowie reformierter Regeln, neuer Gesichter an der Spitze des Weltverbands FILA und einigen Marketingversprechen in letzter Sekunde abgewendet wurde. Ein Jahr danach ist es wieder ruhig geworden ums Ringen, dessen hessische Ligen mit Vereinen wie der ASV Dieburg, dem ASV Schaafheim, der FSV Münster, dem KSV Neu-Isenburg und dem ASV Frankfurt-Griesheim am kommenden Wochenende in die neue Mannschaftssaison starten. Und das, obwohl im Kampf um Olympia lediglich ein Etappensieg erreicht wurde.

Das führt Helmut Gasper, Vorsitzender des Ringerbezirks Darmstadt/Odenwald, näher aus. „Die Entscheidung der IOC-Vollversammlung von September 2013 ist nur ein Etappensieg, kein endgültiger Erfolg. Ringen hat auch nach dieser Entscheidung seinen Status als olympische Kernsportart verloren.“ Das Ringen bekomme für die Spiele 2020 und 2024 lediglich den noch letzten freien Platz der vakanten Sportarten zuerkannt, betont der Altheimer. Um darüber hinaus olympisch zu bleiben, bedürfe es weiterer Reformen: „Vieles am neuen Regelwerk ist positiv, das offensive Ringen wird belohnt. Probleme sehe ich aber beim unterschiedlichen Regelwerk und den unterschiedlichen Gewichtsklassen in den beiden Stilarten Freistil und Griechisch-Römisch. Das ist einem Laien kaum zu vermitteln.“

Wettkämpfe müssen attraktiver werden

Seit diesem Jahr unterscheiden sich die Gewichtsklassen in Freistil und Griechisch-Römisch in mehreren Limits, während sie zuvor identisch waren. Zudem wird zum Beispiel bei den Europameisterschaften teils in Limits gerungen, die es bei Olympia wiederum nicht gibt. Auch innerhalb der deutschen Ligen gibt es Unterschiede. Zudem liege „beim Deutschen Ringer-Bund, in den Landesverbänden, Bezirken und Vereinen einiges im Argen“. Das führe zu dem Eindruck: „Die Ringer wissen selbst nicht, was sie wollen.“ Mehr mediale Öffentlichkeit sei ebenfalls erreichbar. Gasper: „Ringerwettkämpfe müssen dafür attraktiver, zeitlich begrenzt und mit mehr Disziplin durchgeführt werden. Wenn schon mal das Fernsehen da ist, dann ist es ein Unding, dass Sportler auf den freien Matten herumlungern, Zuschauer sich im Innenraum aufhalten und die Matten womöglich auch betreten.“ Es sei „beschämend, wie manchmal Fernsehteams und Journalisten bei Ringerveranstaltungen – auch Bundesliga-Kämpfen – arbeiten müssen.“

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Ähnlich wie Gasper klingt mit Blick auf die modifizierten Regeln auch Ex-Weltmeister Rifat Yildiz, der den Oberligisten ASV Schaafheim trainiert: „Ich finde das neue Regelwerk gut. Bei der DM sind mehr Punkte gefallen als im Vorjahr. Wichtig ist künftig die bessere Vermarktung - denn dass das Ringen mit Olympia geboren wurde, spielt heute keine Rolle mehr.“

Wie die Vermarktung klappe, könne man sich in den USA anschauen. Dort gebe es College-Kämpfe vor 15.000 Zuschauern. Auch Hubert Hiemenz, Vorsitzender von Oberligist ASV Dieburg, meint: „Das Ringen ist seit dem Warnschuss im vergangenen Jahr attraktiver geworden. Man darf das Regelwerk aber nicht jedes Jahr überarbeiten - das gibt es in anderen Sportarten auch nicht. Ich finde, man sollte die Regeln in wenigen kurzen Sätzen erklären können.“

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