Nur 1,60 Meter groß

Kickbox-Europameisterin will MW-Medaille

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Eva Kömle.

Taunus – Diese Frau boxt sich durchs Leben. Eva Kömle ist Europameisterin im Kickboxen und hat es mit ihrem Sport geschafft, auch persönliche Hürden hinter sich zu lassen. Ihr nächstes Ziel: Eine WM-Medaille.

Wer Eva Kömle im Alltag begegnet, sieht eine kleine, zierliche Frau: 1,60 Meter groß, 50 Kilogramm schwer. Sympathisch, ruhig, beinahe etwas schüchtern. Das ist aber nur die eine Seite. Auf der Matte zeigt die Powerfrau aus dem Usinger Land ein anderes Gesicht: Angriffslustig und unnachgiebig. Die 26-Jährige kennt ihre Außenwirkung sehr genau – gerade auf die Männer. „Wenn die hören, dass ich Kickboxerin bin, kommen schon mal ein paar blöde Sprüche. Wenn die mich dann kämpfen sehen, relativiert sich das schnell wieder“, sagt Kömle schmunzelnd.

Sie versuchte sich erst an Ballett

Ihr Weg zur Europameisterin war nicht unbedingt vorgezeichnet. Als junges Mädchen versuchte sie es mit Judo und Ballett. „Mit Tutu und allem.“ Doch darin fand sie keine Erfüllung. Es musste mehr zur Sache gehen. Ein dynamischer Sport, in dem sie sich total auspowern und ihre gesunde Aggressivität ausleben könnte. Inspiriert von einer Kickbox-Gala mit ihrem jetzigen Trainer und Weltmeister Christian Marx in der Hauptrolle, startete Kömle mit 17 Jahren ihre ersten Versuche auf der Matte. Zu einer Zeit, als sie noch (Gewichts)-Probleme hatte und mitunter an sich selbst zweifelte. „Heute“, sagt die Powerfrau „bin ich so gut trainiert wie noch nie und gehe ganz anders durch die Welt. Ich habe meine sportliche Leidenschaft gefunden.“ Bis zu sechs Mal in der Woche trainiert Kömle bei den Feldbergfighters in Neu-Anspach, einem Sportstudio, das ihrem Trainer Christian Marx gehört.

Fitness, Kraft, Technik und Ausdauer stehen auf dem Übungsplan. Ihr Wissen gibt die ausgebildete Sportfachfrau aber auch an die rund 600 Mitglieder des Studios weiter. Die Sportschule ist somit quasi ihr zweites Wohnzimmer geworden. Der Trainingsfleiß zahlte sich schnell aus: Nach ihren ersten Wettkämpfen 2009/2010 wurde sie gleich in die Nationalmannschaft berufen. Auch 2012 zählte sie zum Aufgebot. Im vergangenen Februar kickte Kömle sich in Nürtingen zum EM-Titel, schaltete in der Vorschlussrunde die Ranglistenerste aus. „Der Triumph kam zu diesem Zeitpunkt schon etwas überraschend für mich“, räumt sie ein. Denn hinter der 1,60-Meter-Frau liegt eine Zeit, die einige Rückschläge bereithielten. Nach einem hartnäckigen Muskelfaserriss musste sie eine einjährige Zwangspause einlegen. Als Kömle 2012 ihr Comeback startete, folgte der nächste Schock: Diagnose Burnout. „Das hat sich dann über zwei Jahre hingezogen, durch das Kickboxen habe ich mich aus diesem Loch herausgekämpft.“

Sie schickt Gegner nicht auf die Bretter

Anders als beim Vollkontakt geht es in der von ihr ausgeübten Leichtkontakt-Variante allerdings nicht darum, den Gegner auf die Bretter zu schicken. Die Sportler tragen ihre zweiminütigen Duelle auf der Matte aus – nicht im Ring. Dort entscheidet die Anzahl der Treffer über Sieg und Niederlage. Wer den Gegner zu hart attackiert und dabei niederstreckt, wird disqualifiziert. Treffer gelten nur oberhalb der Gürtellinie und sind stark reglementiert. Zudem sind die Kämpfer gut geschützt. „Natürlich geht es auch bei uns ganz gut zur Sache. Man gönnt dem Gegner aber den Erfolg. Zumindest, wenn er besser war“, verrät Kömle.

Die Kameradschaft stehe bei den Kickboxern im Vordergrund, zumal es ohnehin nicht um die großen Summen geht. „Um richtig Geld zu verdienen, müsste man zum Boxsport gehen.“ So wie einst die Klitschkos, die zur Karrierebeginn ebenfalls Kickboxen betrieben. Für Kömle ist der Wechsel zum Vollkontakt oder Boxen vorerst kein Thema. Der Fokus gilt der WM in Spanien im Oktober. Ihre kämpferische Ansage: „Ich will eine Medaille holen.“

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