Karate: Christine Grasse legt auch Männer flach

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Eingespieltes Schwarzgurt-Duo: Christine und Richard Grasse vom Karate-Verein Dieburg.

Dieburg – Als die Bruce-Lee-Welle einst nach Deutschland schwappte, war im Karate das Machotum weit verbreitet. Das hat sich inzwischen geändert, Frauen sind im Karate dennoch weit in der Unterzahl. Die Dieburgerin Christine Grasse, 2. Dan, behauptet sich in der Männerdomäne erfolgreich. Von Jens Dörr

Vor wenigen Wochen legte Grasse in Obertshausen erfolgreich die Prüfung zum 2. Dan ab - dem zweiten schwarzen Gürtel, nachdem sie zuvor alle neun Kyu-Grade ebenfalls durchlaufen hatte. Ihr Prüfer: der Japaner Hideo Ochi, 8. Dan und damit höchstgraduierter Karatemeister Europas. Ihr Förderer: Ehemann Richard Grasse, Vorsitzender des Karate-Vereins Dieburg, 4. Dan. Als Trägerin des zweiten schwarzen Gürtels legt Christine Grasse in Hessen nicht nur fast alle Frauen flach - kaum ein Dutzend ist es, das hierzulande so weit gekommen ist wie sie -, sondern auch etliche Männer. Die beste Deutsche überhaupt, Petra Hirschberger, hat es bis zum 5. Dan gebracht. Theoretisch ist der 10. Dan möglich - realistisch ist er nicht. Nach neun Schwarzgurten folgt im rot-weißen Gürtel eine Adelung, die selbst Prüfer Ochi noch nicht erreicht hat. Hinzu kommen immer längere Vorbereitungsphasen auf die nächste Stufe - bei Grasse betrug die Wartezeit auf den 2. Dan drei Jahre.

Die schwierige Prüfung bereitete sie zusammen mit ihrem Mann vor, bis zu viermal wöchentlich, in Sporthallen in Dieburg und einer Karateschule in Darmstadt. Die Powerfrau ordnet dem Karate derweil nicht alles unter. Die zweifache Mutter war selbst zwar schon immer sportlich aktiv, entdeckte die Leidenschaft für Karate allerdings erst vor 15 Jahren. Inzwischen hat sie auch die Trainer-B-Lizenz, lehrt im Karate-Verein Dieburg das Koshinkan-Karate (in Abgrenzung zum traditionellen Shotokan-Karate). Koshinkan, die offizielle Stilrichtung des Deutschen Karate-Verbands (DKV), führt die früheren Karate-Stilrichtungen hin zu einem zeitgemäßen, praxisorientierten Karate. Neu ist dabei der Selbstverteidigungsaspekt, eine der vier Karate-Säulen neben Grundschule (Kihon), Kampf (Kumite) und Kata. Ihr Können gibt Grasse an den Nachwuchs des 40 Mitglieder zählenden Vereins weiter. Im Karate-Verein Dieburg ist der Anteil von Mädchen und Frauen mit 40 Prozent vielleicht deshalb überdurchschnittlich hoch. „Wir stärken auch die Psyche der Kämpferinnen, nicht nur die Physis“, hebt sie hervor. Dass die 47-Jährige nicht nur körperlich, sondern auch mental Außergewöhnliches zu leisten vermag, stellte sie bereits in ihrer zweiten großen Passion unter Beweis: Im Jahr 2000 war sie Vize-Hessenmeisterin im Schach.

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