Kampf dem Kreuzbandriss

Region Rhein-Main – Immer wieder kommt es im Judo zu Kreuzbandverletzungen. Der Offenbacher Arzt Dr. Adalbert Missalla hat dazu erstmalig in Deutschland eine Studie durchgeführt. Von Norman Körtge

„Judo ist ungesund“ – diese Aussage hat Adalbert Missalla schon immer geärgert. Hintergrund des Vorwurfs war, dass es bei Kämpfen immer wieder zu Kreuzbandverletzungen kam. „Ich habe aber gesehen, dass es die falsche Technik war“, berichtet Missalla, der seit seinem zehnten Lebensjahr selbst Judo macht und auch im deutschen Nationalteam kämpfte.

Dass der 56-Jährige sich ausgiebig mit Kreuzbandverletzungen beschäftigt, liegt aber vor allem an seinen Beruf. Er ist ärztlicher Direktor der Ortho-Klinik in Offenbach und zugleich Mannschaftsarzt des JC Samurai Offenbach.

Um der Ursache der Kreuzbandverletzungen auf die Spur zu kommen, befragte Missalla ein Jahr lang knapp 40 Judokas nach den konkreten Verletzungsszenarien. Einige Sportler haben sogar Videoaufnahmen bereitgestellt, die sie in ihrem Unglücksmoment zeigen, berichtet Arzt Missalla.

Seine Vermutungen wurden bestätigt. „Bei den meisten Verletzungen hat der Angreifer zuvor versäumt, das Gleichgewicht seines Partners zu brechen“, sagt der Orthopäde, „dabei wurde das Knie beim Wurfansatz so blockiert, dass der Partner nicht mehr ausweichen konnte.“ Dass dadurch eine schwere Blessur entsteht, ist dabei nicht das überraschende, so Missalla. Sondern vielmehr, dass es immer das selbe bestimmte Muster ist, bei dem das vordere Kreuzband in Mitleidenschaft gezogen wird. Missalla hat auch eine weitere weitere Gemeinsamkeit entdeckt: Den Valgusstress. Dabei knickt das Knie unter Belastung nach vorne innen weg und das Kreuzband wird verletzt.

Mit diesem Wissen versucht Missalla nun, sowohl Trainer als auch Kämpfer für das Thema zu sensibilisieren. Denn viele Kreuzbandverletzungen könnten vermieden werden. Saubere Wurftechniken, immer das Gleichgewicht brechen, unverkrampft bewegen, rücksichtsvoll agieren, alte Beschwerden auskurieren und die Trainingsbelastung sinnvoll steuern, denn auch unkonzentriertes Trainieren führe eher zu Blessuren: Das sind die wichtigsten Tipps, die Missalla geben kann.

„Es tut mir jedes Mal selber weh, wenn ich junge Menschen auf meinem OP-Tisch habe“, sagt Missalla. Seine Studie möchte der Offenbacher fortführen.

Dr. Adalbert Missalla demonstriert anhand eines Kniemodells, wie ein Kreuzbandriss entsteht. Auf dem Bildschirm im Hintergrund sind Bilder einer Knieoperation zu sehen.Foto: nkö

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