Plötzlich hat sie den Dreh raus

Judo-Talent Annabelle Winzig eilt von Sieg zu Sieg

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Annabelle Winzig (links) packt zu und will bei ihrer Gegnerin einen Griff ansetzen. Judo hat für sie auch viel mit dem Kopf zu tun.

Bad Homburg – Trotz ihrer erst 14 Jahre zählt Annabelle Winzig zu den größten Judo-Talenten in der U18-Klasse. In diesem Jahr startete die für die Homburger TG gemeldete Idsteinerin durch. Bei der Jugend-EM im bulgarischen Sofia bleibt ihr aber wohl nur die Zuschauerrolle.

Die Nachbarn sind schuld. Als Annabelle Winzig von ihnen mehr über den Judosport erfährt, wird die damals Fünfjährige hellhörig. Schnell ist das Kapitel Kinderturnen abgehakt. Annabelle Winzig zieht es mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Franziska auf die Matte. „Mein erster richtiger Sport“, sagt sie rückblickend. Vom großen Talent ist anfangs wenig zu erkennen. „In den ersten Jahren war ich nicht so gut“, räumt die Teenagerin freimütig ein. Ohne große Erwartungen rückt sie daher in die Altersklasse 15 auf. Plötzlich setzt der Erfolg sein, den sie sich bis heute nicht erklären kann. „Es kommt auch immer darauf an, auf welchen Gegner man trifft“, sagt Winzig.

Die direkten Duelle auf der Matte sind es, die sie am Judo begeistern. Duelle, die gleichermaßen Körper und Köpfchen beanspruchen. „Es ist ein anspruchsvoller Sport, bei dem man mit Technik und Taktik die physische Unterlegenheit ausgleichen kann“, betont Winzig. Genau dies macht sie sich zunutze.

Deutscher Meistertitel war der "absolute Wahnsinn"

Als 14-Jährige hat sie es in der Altersklasse U18 häufig mit Gegnerinnen zu tun, die bis zu drei Jahre älter sind und eine andere Präsenz auf die Matte bringen. Doch davon lässt sich das HTG-Talent nicht beeindrucken.

Im März holte sie sich in Herne den deutschen Meistertitel. Winzig beherrschte in der Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm eindeutig die ältere Konkurrenz, gewann vier ihrer fünf Kämpfe vorzeitig durch Ippon – der höchsten Wertung im Judo. Auch das Finale entschied sie mit einer Außensichel nach nur einer Minute Kampfzeit für sich. Für das HTG-Talent der „absolute Wahnsinn“. Eigentlich wäre sie schon mit einer Platzierung unter den Top sieben zufrieden gewesen. „So ein Turnier zu gewinnen ist toll und kam total überraschend für mich. Ich habe es erstmal nicht gerafft.“

Die Konkurrenz kann nur staunen

Ähnlich erging es ihr beim „Cadet European Judo Cup“ im Mai in Berlin. Im dritten Kampf traf sie auf eine russische Kontrahentin, die in der Rangliste deutlich weiter oben angesiedelt ist. Nach anfänglichem Rückstand gelang es Winzig, die Gegnerin auf die Matte zu werfen. Damit verblüffte sie nicht nur die Konkurrenz, sondern auch sich selbst. Am Ende reichte es für Platz fünf unter 50 Teilnehmerinnen. Der DM-Titel in Herne, Platz fünf in Berlin, Rang sieben beim Wettkampf in Tschechien: Tolle Leistungen, die Winzig aber dem vorläufigen „Höhepunkt meiner Karriere“ unterordnet. Beim „Cadet European Judo Cup“ vor wenigen Wochen in Portugal kämpfte sich Winzig in der Gewichtsklasse bis 52 Kilogramm zu Gold, ließ 18 Konkurrentinnen hinter sich. Für ihre vier vorzeitigen Siege mit „Ippon“ benötigte sie insgesamt weniger als sieben Minuten. Und diese Erfolgsserie kommt – trotz alle Bescheidenheit – nicht von ungefähr.

Nächstes Jahr geht´s in die zweite Bundesliga

Fünf Mal in der Woche trainiert Winzig mit der Homburger Talentschmiede, hinzu kommen die Wettkämpfe am Wochenende, zu denen sie neben Trainer Markus Schmitt auch mal Vater Oliver begleitet. Sorgen um die schulischen Leistungen müssen sich die Eltern laut Annabelle aber nicht machen. „Ich bin gut in der Schule und muss dafür nicht so viel Zeit investieren“, schmunzelt das Mädchen mit dem Berufswunsch Ärztin. Ihr Glück: Bislang blieb sie verletzungsfrei, anders als ihre Schwester Franziska, die nach einem Kreuzbandriss noch bis Januar pausieren muss. Nächstes Jahr dürfte das Programm für Annabelle Winzig noch knackiger werden. Dann darf und will sie für die HTG-Frauen in der zweiten Bundesliga antreten. Nächster Höhepunkt sind die Jugend-EM vom 2. bis 5. Juli in Bulgariens Hauptstadt Sofia, für die Winzig als Ersatz-Kämpferin nominiert wurde. Die Chance auf einen Einsatz schätzt sie aber gering ein. „So ein Ereignis will sich niemand entgehen lassen.“ Ihre Chance wird aber sicher kommen. zin

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