Knapp 700 Kilometer durch Kanada

Frankfurter beim härtesten Ultra Marathon der Welt

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Jörn Theissig trainiert mit zwei etwa 25 Kilo schweren Autoreifen. Sie sollen das Gewicht seines Ziehschlittens simulieren, den er 13 Tage hinter sich herziehen wird.

Frankfurt – Jörn Theissig liebt das Extreme. Vor allem Schnee und Eiseskälte haben es dem Kriminaloberrat angetan. Sein neuestes Ziel: Der fast 700 Kilometer lange Yukon Arctic Ultra Marathon in Kanada. Von Dirk Beutel 

Jörn Theissig ist ein Abenteurer. Ein Draufgänger – immer auf der Suche nach extremen Herausforderungen. Vor allem, wenn man sie mit einem gutem Zweck verbinden kann. Der 43-jährige Sachsenhäuser will sich am 8. Februar dem Yukon Arctic Ultra Marathon stellen. Den eigenen Angaben zufolge handelt es sich dabei um den kältesten und härtesten Marathon auf der Welt. 430 Meilen, genauer gesagt 692 Kilometer, will er in 13 Tagen überwinden. Alleine. Zu Fuß. Bei Temperaturen zwischen -10 und -50 Grad. Etwa 8000 Höhenmeter wird er hinter sich lassen und hoffentlich mindestens 43.000 Euro für die psychoonkologische Betreuung von Krebspatienten am Uniklinikum Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Verein Projekt Schmetterling gesammelt haben. Theissig hat seine persönlichen Gründe, warum er sich für diese Mission einsetzt. 2006 starb seine Mutter innerhalb weniger Tage an Krebs. „Ich weiß genau, welche wichtige Arbeit die Psychoonkologie leistet“, sagt Theissig. „Wer die Diagnose Krebs bekommt, dem zieht das den Boden unter den Füßen weg, man befindet sich im freien Fall, hat latente Todesangst. Diesen Menschen kann geholfen werden.“ Jeder gespendete Euro landet auf dem Konto der Psychoonkologie. Das garantiert Theissig, der sämtliche Kosten der Ausrüstung, der Logistik, des Trainings und des Startgeldes, immerhin 2100 Euro, aus eigener Tasche zahlt.

Schon einmal beim härstesten Marathon dabei - aber gescheitert

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Doping auch im Amateursport

Schon 2013 hat sich der Kriminaloberrat beim Bundeskriminalamt zusammen mit einem Freund dem Extrem-Marathon in Kanada auf Langlaufskiern gestellt. Damals war bei Kilometer 233 Schluss. Theissig hat also noch eine Rechnung offen. Und die will er diesmal begleichen. „Seitdem vergeht kein Tag, an dem ich nicht an diesen Marathon denke.“ Der arktische Virus hat ihn infiziert. Und er weiß, worauf er sich einlässt: „Ich werde zwischen 14 und 16 Stunden unterwegs sein und versuchen, bis zu 65 Kilometer am Tag zurückzulegen. Etwa acht Stunden davon werde ich gezwungen sein, in der Finsternis zu laufen.“ Das fordert nicht nur körperliche Fitness, sondern eine besondere geistige Vorbereitung. „Ich muss es schaffen, mental mit der Kälte und der Dunkelheit meinen Frieden zu schließen und mit den Elementen umzugehen.“ Wichtig: Schweißbildung vermeiden, Kalorieneinnahme stabil halten und regelmäßig trinken, rechtzeitig Pausen machen. „Ich habe extra eine Uhr für Parkinsonkranke. Sie vibriert jede Stunde und erinnert mich daran, etwas Fettreiches zu essen.“ Bis zu 9000 Kilokalorien wird der BKA-Mann pro Tag verbrauchen und etwa sieben Liter Wasser zu sich nehmen„Ich werde auf der Tour bestimmt so um die zehn Kilo verlieren. Deshalb ist vor dem Start etwas Hüftgold durchaus von Vorteil“, sagt er.

Der 43-Jährige steckt längst mitten im Training. Jedes Wochenende zieht er zwei etwa 25 Kilo schwere Autoreifen mindestens 22 Kilometer lang hinter sich her. „Das trainiert die Rumpfmuskulatur und simuliert meinen Ziehschlitten, auf dem ich meine Ausrüstung und Proviant transportiere.“ Dazu kommen ausgedehnte Radtouren, Gebirgswanderungen Mental- und Kältetraining. Trotz aller Schinderei hat Theissig Spaß an der Sache: „Ich liebe es, an meine Grenzen zu gehen. Ich will wissen, wie weit ich gehen kann. Außerdem ist die Einsamkeit toll. Man besinnt sich, was man selbst für ein kleines Licht in der Welt ist.“ Mehr Informationen zum Lauf und der Spendenaktion gibt es auf www.yukon-arctic-spendenlauf-2015.de.

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